30.06.21

Guten Morgen

Na, wie gehts, wie stehts?
Nein, einen Vogel habe ich nicht, ich (Romina – hallo, übrigens) bin nur schon halb in Ferienstimmung. Und auf der etwas übernächtigten und aber durchaus gewissenhaften Suche nach den wichtigsten Nachrichten des Tages (hier wird ausschliesslich seriös recherchiert, grosses Heldinnenehrenwort!) ist mir dieses Kerlchen begegnet. Der Blue Footed Booby – oder Blaufusstölpel – wird gerade im Netz als Meme in allen erdenklichen Variationen herumgereicht, und ich wollte ihn dir nicht vorenthalten. 

Etwas albern, ich weiss. Aber die Schweiz hat gerade kollektiv gute Laune. Die Leichtigkeit, die seit dem Viertelfinale-Einzug der Nationalmannschaft herrscht, ist ansteckend. Unisono spricht das Land (und das Ausland) von einer sensationellen Leistung. Kritik, Gezanke über blondierte Haare, Nörgeln über lasche Leistung – alles vorbei.

Sogar jene, die keine Gelegenheit verpassen, aufgrund des Migrationshintergrunds einiger Spieler zu unterstellen, diese seien zu wenig Schweizer und deshalb nicht würdig, unpatriotisch, unmotiviert oder weiss ich was für Chabis, sind verstummt. Oder krebsen mehr oder weniger elegant zurück. Mein Kollege David Sieber – wenn es um Fussball-Emotionen geht, selbst Meister des Hüftschusses – hat ganz reuig das Best of der schlecht gealterten Tweets zusammengestellt, eine gelungene Netzlese in welcher – surprise, surprise – Politiker*innen besonders brillieren. 

Die Fussballer selbst, können ihre Genugtuung nicht verstecken, sie müssen es auch nicht, finde ich. Darum ja, ich halte es mit dem Karikaturisten Olivier Samter, der die obige Videosequenz von Granit Xhaka, der sich über die Kritiker*innen seiner Frisur mokiert, ist eine der schönsten Szenen des denkwürdigen Abends.
Denkwürdig war auch das Wechselbad der Gefühle des jungen Mannes auf dem Bild. Der Schweiz-Fan ging während den entscheidenden Minuten emotional dermassen mit und schafft es so in den Olymp der Memes – und schlägt den blaufüssigen Vogel um Längen – als Symbol für den quasi Herzkaschper, den viele in dem Moment wohl verspürt haben.

Und natürlich wollten alle wissen, wer ist der Mann, der über Nacht internationale Berühmtheit erlangt hat? Die Kolleg*innen vom Blick waren die schnellsten: Der Fan heisst Luca Loutenbach und stammt aus dem Kanton Jura. Etwas von der medialen Aufmerksamkeit überrumpelt aber überglücklich versucht er nun einen gesponserten Flug nach St. Petersburg zu ergattern – ich bin ziemlich sicher, Luca, wir sehen dich wieder. 

Apropos Herzkaschper: Wir haben die Gärngschee-Community gefragt, wo sie war, als die Schweiz an der EURO 2020 den Weltmeister Frankreich besiegte und haben die schönsten Jubel-Momente zusammengetragen 🤩
Wen wir ganz sicher wiedersehen, ist Vladimir Petković. Er ist der erfolgreichste Schweizer Fussballnationaltrainer aller Zeiten und wird dennoch deutlich harscher kritisiert als seine Vorgänger. Dies, weil der Mann etwas unkuschelig ist. Besonders mit der Presse. Das wird ihm übel genommen. Ihm fehlten «Offenheit und Wärme», beklagen sich Sportjournalist*innen. Eine gute Analyse über das angespannte Verhältnis und dessen Konsequenzen lieferte die WOZ bereits 2019, Bajour darf sie aus aktuellem Anlass aus dem Archiv herausholen, danke dafür! 💛

Puh, das war jetzt aber viel Fussball. Für die Schweiz geht es am Freitag weiter, Gegnerin ist Spanien. Bis dahin heisst es: Wasserstoffperoxid für alle! 
Der Vollständigkeit halber: Gestern Abend sind Schweden und Dauerfavoritin Deutschland rausgeflogen England und die Ukraine sind weiter – diese EM ist spannender als gedacht. 

Und nun widmen wir uns anderen Themen zu.
Ist «nichts dran» am grössten Baustellenskandal der Region?

Vor ein paar Wochen ging die Baustellen-Kontrollstelle AMKB mit gravierenden Vorwürfen über die Rohner-Baustelle in Pratteln an die Öffentlichkeit: Dumpinglöhne von fünf bis zehn Euro pro Stunde, massive Überschreitungen der maximalen Arbeitszeit, 140 Personen sollen betroffen sein. Die AMKB forderte dann gar die Schliessung der Baustelle. Nun melden sich der an den Pranger gestellte holländische Konzern Gerritsen und eine Tochterfirma zu Wort: Eine interne Überprüfung der Abläufe hätten ergeben, dass an den Vorwürfen «nichts dran» sei, keine Beanstandung hätte sich bestätigt. Das berichtet das Regionaljournal, das mit dem Anwalt der Tochterfirma gesprochen hat. Alex Imhof, ehemaliger Gemeindepräsident von Laufen, weist die Vorwürfe entschieden zurück und macht den nächsten Zug: Er kündigt an, der Konzern Gerritsen prüfe eine Klage wegen übler Nachrede gegen die AMKB, der Imageschaden sei für die Firma «enorm». 

Die AMKB selbst nimmt nur schriftlich gegenüber dem Regionaljournal Stellung und hält dabei an den Vorwürfen fest, die Missstände seien belegt. Nur, in die Belege konnten die Kolleg*innen vom Radio keine Einsicht nehmen. Es bleibt also Aussage gegen Aussage, die Geschichte ist sicher noch nicht fertig erzählt. 👉🏻 Hier kannst du den Beitrag in voller Länge nachhören.
Der Sommer ist da, man trifft sich wieder – Kultur, die EM, Apéro-Stimmung: Ist das nicht fahrlässig? 

Die Covid-Pandemie scheint aufgrund der sehr tiefen Fallzahlen – gestern wurden weder in der Stadt noch auf dem Land Infektionen gemeldet – praktisch ausgestanden. Das könnte sich jedoch als trügerisch erweisen.

Telebasel hat im gestrigen Talk mit Esther Künzli, leitende Ärztin am Tropeninstitut, über die aktuelle Lage gesprochen. Ihr Fazit: Das Virus ist nach wie vor da und die Delta-Variante ist in Anmarsch – Vorsicht ist angebracht.

Die neue Covid-Variante wird vor allem für Kinder und Jugendliche zum Problem. Das bestätigt auch Taskforce-Vizepräsident Urs Karrer, der gegenüber den Tamedia-Zeitungen (BaZ, Abo) heute deutliche Worte wählt: «Delta kann nach den Sommerferien in Schulen zu neuen Corona-Hotspots führen

Die Infektiologin erklärt – wie viele andere Wissenschaftler*innen davor – in aller Ruhe: Gerade können wir etwas durchatmen. Die sommerlichen Temperaturen und die tiefen Fallzahlen führen dazu, dass das Risiko, sich mit Corona anzustecken gerade ziemlich klein ist. Aber sie geht auch davon aus, dass die Infektionen zunehmen werden; Wegen den Grossveranstaltungen, weil die Menschen reisen und weil das Virus an der Grenze nicht Halt macht. Darauf folgt ein Plädoyer für die Einhaltung der Schutzmassnahmen und für die Impfung, denn sie hilft. Den ganzen Talk gibt es 👉🏻 hier zum Nachschauen.

Hast du schon dein Covid-Zertifikat? Geimpfte Personen, die in Basel-Stadt das Covid-Zertifikat nicht herunterladen konnten, können dies persönlich nachholen. Der Kanton öffnet am Donnerstag im Impfzentrum mehrere Schalter, an denen solche Zertifikate vor Ort ausgestellt werden. Ausweis und Impfbüechli nicht vergessen!

Die Fallzahlen sind nach wie vor tief. Gestern wurden in der Region keine neue Ansteckungen gemeldet. Trotzdem bleibt wichtig: Impfen, Maske tragen, wenige Menschen treffen, Abstand halten, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen

«Dass Basel der Hauptsitz bleibt, steht ausser Frage»

Jörg Reinhardt, Verwaltungsratspräsident von Novartis
, wurde von der bz (Abo) zum grossen Gespräch geladen. Reinhardt zeigt sich zugänglich und macht bemerkenswerte Aussagen: 
  • Er glaube nicht, dass die Pandemie einen nachhaltigen Einfluss darauf haben wird, wie die Industrie im globalen Kontext eingebettet ist oder sich weiterentwickeln wird. Aufhebung des Patentschutzes, drohende Verstaatlichungen und die Kritik an den zum Teil exorbitanten Medikamentenpreisen bereiten Reinhardt nicht wirklich Sorgen.
  • Es steht ausser Frage, dass der Hauptsitz von Novartis in Basel ist und bleibt. Auch die Ankündigung der Einführung einer generellen Gewinnsteuer von 15 Prozent durch die OECD scheint ihn nicht aus der Ruhe zu bringen.
  • Der Campus wird auf für andere Firmen geöffnet, um von Kooperationen zu profitieren. Hier vermag der Novartis-Chef aber die Bedenken, dass sich der Pharma-Riese mit dem Bauvorhaben etwas übernommen haben könnte, nicht ganz zu zerstreuen.  

Das ganze Interview liesst du 👉🏻 hier.
Die Kurz-News aus der Region:
  • Bürgergemeinde will im Gundeli neu bauen und spricht eine Massenkündigung aus. Eine Renovierung der stark sanierungsbedürftigen bestehenden Liegenschaft mit Baujahr 1978 sei nach einer Machbarkeitsstudie verworfen worden. Sie entspreche unter anderem in den Bereichen Energie und Ökologie nicht mehr den heutigen Anforderungen, meldet Keystone-SDA, die BaZ (Abo) schreibt, die Bürgergemeinde müsse sich der Frage stellen, ob ihr die Rendite wichtiger ist als günstiger Wohnraum.
  • Rheinuferweg bleibt für Velos gesperrt. Anfang Mai haben die Schweizerischen Rheinhäfen den Bermenweg im Birsfelder Hafen und im Muttenzer Auhafen für die Öffentlichkeit geschlossen. Der Abschnitt wird nun wieder geöffnet, jedoch nur für Fussgänger*innen. Das passt Pro Velo beider Basel gar nicht. In einer Stellungnahme wirft die Organisation der Regierung vor, das Veloverbot nicht einmal begründet zu haben.
  • Landhof wird auch ohne Parking teurer. Die Kosten für den «Landhof für alle» müssen nach oben korrigiert werden, teilt die Regierung mit. Anstatt den vorgesehenen 8,6 Millionen Franken, benötige man nun mehr als 10 Millionen, um die Sportanlage zu sanieren. Und: Die Regierung will die Idee eines unterirdischen Parkings nach dem Rückzug der Investor*innen nicht weiter zu verfolgen. Das Geschäft liegt nun beim Grossen Rat.
  • Dein Bild auf dem Roche-Turm. Roche feiert 125-Jahre-Jubiläum und veranstaltet vom 28. September bis zum 1. Oktober eine grosse Lichtshow. Soll dein Bild auf dem Turm projiziert werden? 👉🏻 Hier kannst du mitmachen. 
Unterhaltungstipp: Popcorn zum Zmittag
Heute über Mittag noch keine Pläne? Das Wetter ist ja solala. Wie wäre es mit Kino? Das Kultkino zeigt um 12.15 Uhr «Ich bin dein Mensch» von der Regisseurin Maria Schrader. Im Film werden die Grenzen von Beziehungen ausgelotet – zwischen Mensch und Maschine. Kann ein Roboter der perfekte Partner werden? Es soll eine Komödie mit Tiefgang sein – nicht all zu schwere Kost also 🍿


Es war mir eine Freude,


Romina
Das Nützliche zum Schluss: Pizza!
Wenn wir schon beim Mittagessen sind: Die bz kürt die besten Pizzerien in Basel. Die Zeitung (Abo) berwertet in nächster Zeit die besten Beizen der Stadt und hat sich als erstes dem fantastischen Fladen aus Italien gewidmet. Ich nehme das spannendste vorweg: Auf Platz 1 des bz-Rankings: das Artigiano Café auf dem Birsig-Parkplatz. Der teig geht hier 72 Stunden auf, die Pizza liegt gerade mal 50 Sekunden auf dem heissen Stein, die Pizzaioli kommen aus Neapel. Das muss man ausprobieren. Wie auch die anderen Buden, die von der bz besucht wurden. Ganz nützlich, um den Pizza-Horizont zu erweitern! 


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