06.07.21

Guten Morgen

Mmmmh, riechst du das auch?

Ich finde, neue Bekanntschaften macht man am besten zu einer heissen Tasse Kaffee. Also greif dir doch in aller Ruhe deinen smoothesten Aufsteller, während ich mich dir kurz vorstelle:

Mein Name ist Lory, ich bin seit März bei Bajour und freue mich darauf, dich nun hin und wieder mit dem Basel Briefing optimal vorbereitet in den neuen Tag los zu schicken:

Tatkräftig unterstützt werde ich dabei übrigens von zwei guten Feen und einem Eichhörnchen, die mir Bajour-Hausfotograf Hüseyin Colak oben in mein Autorenbild gezaubert hat ✨✨
Partys, «Poser» und Pöbler
Von guten Feen ist in Basels Hafengebiet keine Spur. Denn das Hafengebiet ist Kampfplatz, Bühne und Politikum.

Das Partyvolk und die Autoposer-Szene, die sich hier regelmässig versammeln, ist vielen ein Dorn im Auge, nicht zuletzt, seit es auch zu einer gewalttätigen Auseinanderstzung gekommen ist. Mitte Mai sperrte die Regierung als Reaktion jeweils am Wochenende die Uferstrasse.

Nun hat die Polizei die Massnahmen weiter verschärft. Wie das Justiz- und Sicherheitsdepartement Basel-Stadt gestern mitteilte, gilt das Fahrverbot in der Uferstrasse neu auch jeden Abend ab 18 Uhr, und zwar bis um 6 Uhr am darauffolgenden Morgen.
Um das Verbot durchzusetzen, wird dann:

⛔ auf Höhe der Wiesenbrücke eine Schranke installiert,

↩️ auf der Uferstrasse ein provisorischer Wendeplatz eingerichtet,

👮 und die Zufahrt zur Westquaistrasse von Donnerstag bis Samstag in den Abend- und Nachtstunden von der Securitas kontrolliert.

Doch weshalb wurde diese Verschärfung nötig? (Vor allem, da sich die Lage zuletzt beruhigt zu haben schien...)

Die neuen Massnahmen seien eine Ergänzung der bisherigen und sollen vor allem die Verkehrssicherheit verbessern, sagt Polizeisprecher Toprak Yerguz im Gespräch mit dem Regionaljournal. «Das heisst, wir schauen, dass der Verkehr dort gut fliesst und die Rettungsgassen gegeben sind

Die ursprünglichen Massnahmen vom Mai hätten sich laut Yerguz bewährt und bereits zu Verbesserungen im Ausgangsverhalten geführt. «Aber wir haben immer noch die Situation, dass im Hafengebiet viele Leute mit ihren Autos unterwegs sind. Dort müssen wir die Verkehrssicherheit gewährleisten.»

Die neuen Massnahmen sollen fürs Erste temporär während den Sommermonaten gelten.
Heute Abend geht die Fussball-Europameisterschaft weiter, leider ohne die Schweiz. Nati-Bezwinger Spanien trifft im ersten Halbfinal auf Italien, ab 21 Uhr rollt im Wembley der Ball.

🇪🇸 ⚽ 🇮🇹

Apropos EM: Erhältst du seit Beginn des Turniers auch immer wieder Werbeangebote von der Firma Just Eat, die hierzulande die Plattform eat.ch betreibt? 🤔 Das könnte daran liegen, dass der Kurierdienst einen Mega-Werbedeal mit der Uefa abgeschlossen hat.

Du kennst vielleicht den Werbeclip, der immer während den Spielpausen über den Bildschirm flimmert: flinker Velokurier, volles Stadion, viel Action und eine Fussballegende, die eine dampfende Pizza mit anerkennendem Nicken in Empfang nimmt. Ein Lieferdienst so aufregend wie ein Spitzenspiel.
Das Werbevideo hat mit dem wahren Leben eines Just-Eat-Kuriers natürlich nur wenig zu tun. Habe ich vermutet. Bestätigt Tonio. Und Tonio muss es wissen. Denn Tonio ist einer von ca. 100 in orange gekleideten Angestellten, die jeden Tag in Basel für den Lieferdienst Essen ausliefern. Wie das also wirklich ist, haben wir ihn gefragt. Und Tonio hat geantwortet – mit einem spannenden Bericht aus seinem Alltag, den ich dir ans Herz lege.

Hier ein paar vielsagende Kostproben daraus:
  • «Ich verdiene 23 Franken pro Stunde Brutto, also schon mehr als der in Basel kürzlich angenommene Mindestlohn von 21 Franken pro Stunde. Ausserdem erhalte ich bezahlte Ferien und eine fixe Arbeitseinheit pro Woche. Damit haben wir es bei Just Eat verhältnismässig gut
     
  • «Die App ist mein zentrales Kontrollinstrument, hier laufen alle Informationen zusammen. Sie ist sehr einfach zu bedienen, keine Extrafunktionen, kein Schnickschnack. Es soll schnell gehen
     
  • «Noch mehr SUV-Fahrer*innen, die die Breite ihres Fahrzeugs nicht so recht einschätzen können. Die Unfallgefahr steigt entsprechend an. «Fahrt vorsichtig» steht in unserem Gruppenchat.»
     
  • «Auf Twitter finde ich immer wieder Berichte von Frauen, die sich belästigt fühlen, weil ihnen ihr Essenslieferant nach dem Job plötzlich private Nachrichten schreibt. Möglich wäre es, weil wir Lieferant*innen keine Arbeitsgeräte erhalten und sich so private und berufliche Kontakte vermischen können.»
     
  • «Nach Abschluss der Bestellung sind die Daten auf meinem Smartphone weg, beim Konzern jedoch nicht
👉 Den ganzen Erfahrungsbericht liest du hier auf Bajour
Die Impfbereitschaft nimmt ab

Wenn du dich beim Messeplatz umsiehst, könntest du den Eindruck erhalten, dass es dort vor dem Impfzentrum derzeit speditiver voran geht als auch schon. Der Andrang hat abgenommen. Weil viele, die sich impfen lassen wollten, dies bereits tun konnten, sind nun erstmals Termine freigeblieben, schreibt die bz (abo+).

«In dieser Woche haben wir erstmals mehrere Hundert Impftermine noch frei für eine Erstimpfung», bestätigt das Basler Gesundheitsdepartement gegenüber der Zeitung.

Auch im Kanton Baselland zeige sich die rückläufige Impfbereitschaft. Der Höhepunkt der täglich verabreichten Dosen sei am 20. Mai erreicht worden, seit Mitte Juni zeige der Trend nach unten. Freie Termine gäbe es derzeit allerdings keine.

Die sinkende Impfbereitschaft macht die bz generell bei den jungen Menschen aus. Trotzdem würden in Basel-Stadt aktuell viele Neuanmeldungen von Jugendlichen verzeichnet. Aktuell seien 1393 der 12- bis 16-Jährigen registriert oder geimpft, bei 17-Jährigen seien es 660 und bei 18-Jährigen 685.

In Baselland hätten sich innerhalb einer Woche rund 1000 Jugendliche zwischen zwölf und 15 Jahren angemeldet. Wegen der sinkenden Nachfrage öffnet Baselland sein Impfzen­trum in Muttenz nun für Impf­willige aus dem Schwarzbubenland: Bereits ab heute können sich Einwohner*innen aus den Solothurner Bezirken Dorneck und Thierstein dort impfen lassen, wie der Kanton gestern mitteilte.
Die aktuellen Corona-Zahlen:

Der Kanton Basel-Stadt meldete gestern 5 Neuinfektionen. Die Zahlen scheinen im Zuge der aktuellen Lockerungen und der EM-Euphorie wieder etwas anzusteigen. Darum wichtiger denn je: Impfen lassen, Abstand halten, in Innenbereichen Masken tragen, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen.

😿 Die sad news des Tages 😿

Die Gelateria Acero, Destination und Belohnung manch eines Rheinschwumms, muss die Rheingasse verlassen. Weil der Mietvertrag nicht verlängert wurde, muss das Acero ab nächsten Frühling seine Kühltruhen zudeckeln und sich neue Räumlichkeiten suchen.

Du fragst dich jetzt bestimmt, warum? Nun, ich sag nur, halt dich fest.

Die Kurzantwort: because reasons.
Die längere Antwort: Weil der verantwortliche Vermieter, Tino Krattiger, auch bekannt als Betreiber des Musikfestivals «Floss», nicht mit einem Kollektiv zusammenarbeiten mag. Und die Betreiber*innen des Acero sind als Kollektiv organisiert.

«Mir ist es zeitlich nicht möglich, mit einem Kollektiv zusammen zu arbeiten. Ich brauche eine Bezugsperson, nicht mehrere», sagt Krattiger auf Anfrage von Bajour. Doch seine bisherige Bezugsperson habe das Kollektiv nun verlassen.

Die Betreiber*innen des Acero wollten sich gestern nicht zur Angelegenheit äussern.

Den ausführlichen Bericht meiner Kollegin Adelina liest du hier
Die Kurz-News:
  • Wein-, Fleisch- und Gastromesse abgesagt: Die Fachmessen für Hotellerie und Gastronomie (Igeho), Fleischwirtschaft (Lefa) sowie das Wein- und Feinfestival finden dieses Jahr alle nicht statt. Für die geplante Durchführungen im November seien die Ende Juni vom Bundesrat angekündigten Lockerungsmassnahmen zu spät gekommen, teilte die MCH-Group mit.
     
  • Rauchverbot nützt wenig: Jugendliche qualmen auch, wenn sie gar keine Zigaretten kaufen dürfen. Eine neue Studie der Universität Basel kommt zum Schluss, dass die Abgabeverbote von Zigaretten an unter 16- oder unter 18-Jährige, die ab 2006 in den meisten Kantonen eingeführt wurden, das Rauchen von Jugendlichen nicht signifikant reduziert haben. Zudem neigten die Jugendlichen aufgrund des Verkaufsverbots später nicht weniger dazu, im Erwachsenenalter zu rauchen.
     
  • Unterstützung für den Tropenwald: Der Kanton Basel-Stadt überweist aus seinem Kompetenzkonto einen Betrag von 180'000 Franken an das Projekt «Managing the Upper Baram Forest Area» der International Tropical Timber Organisation. Mit ihm soll auf nachhaltige Art der Lebensraum der Penan in Sarawak (Malaysia) gesichert werden. Die Penan sind das Volk, an deren Seite der im Jahr 2000 verschollene Basler Umweltaktivist Bruno Manser gegen die Abholzung des Regenwaldes gekämpft hatte.
     
  • Regierung wegen Beratermandaten gerügt: Die Oberaufsicht des Parlaments hat die von der Verwaltung und der Regierung in Auftrag gegebenen externen Beratermandate geprüft. Dabei kam sie zum Schluss, dass die juristischen Anstrengungen die bestehenden personellen Ressourcen übersteige, schreibt die BaZ (noch nicht online). Die Oberaufsicht fordert nun, dass die Regierung klare Regeln für den Zuzug von Beratern erstellt.
     
  • Roger Federer im Viertelfinal: Der Baselbieter gewann am Montag Abend seine Achtelfinalpartie in Wimbledon gegen den Italiener Lorenzo Sonego (ATP 23) mit 7:5, 6:4 und 6:2. Er verwertete nach 131 Minuten seinen ersten Matchball. Im Viertelfinal trifft Federer auf den Sieger der Partie zwischen Hubert Hurkacz (ATP 14) und Daniil Medvedev (ATP 2), das nach einem Regenunterbruch heute fortgeführt wird.
Unterhaltungstipp: 
Sagt dir der Name Bo Burnham etwas? Vor ein paar Wochen begann irgendein verwirrter Algorithmus, ihn in meine Social-Media-Timelines zu spülen, und zwar jeden Tag, unaufhörlich. Bis ich irgendwann entnervt «Bo Burnham» auf Google eingetippt habe.

Zum Glück! Denn so landete ich prompt bei seinem Netflix-Special «Bo Burnham: Inside» – und das ist grossartig!

Burnham ist ein amerikanischer Komiker und Musiker, der in diesem 87-minütigen Film kein einziges Mal sein kleines Zimmer verlässt. Ausgerüstet nur mit Kamera, Keyboard und ein paar Alltagsgegenständen filmt er sich dabei, wie er über allerlei Dinge redet und singt: Panikattacken, unbezahlte Praktikas, Sexting, woke Markenauftritte, die Instagramaccounts von weissen Frauen... er bringt sogar eine sprechende Socke ins Spiel, die Schulkinder über Genozide aufklärt.

Der hyperaktive Tausendsassa Burnham filmt das mal wie ein Musikvideo, mal wie eine Stand-Up-Routine – beissend komisch und auf beste Weise selbstreflexiv. Erwischst du mal einen schlechten Tag, dann ist dieser Film – neben einer Tasse ☕ – der perfekte Aufsteller.

So, das wars (fast) für heute, ich wünsche dir einen gelungenen Tag.

Herzlich

Lory
 
P.S.: Das Nützliche zum Schluss

Ich nehme diese Rubrik heute als Steilvorlage, um dir zu verraten, wie du etwas Nützliches für einen Mitmenschen leisten kannst.

Also, schau mal nach rechts; das ist unsere Gärngschee-Tätschmeisterin Tijana. Jeden Samstag verteilen sie und ihre Crew Lebensmittel an Bedürftige. Dem Bild nach zu urteilen hat es an der Abgabestation mehr als genug.

Doch dieser Eindruck täuscht. Im Gärngschee-Portemonnaie klafft derzeit ein Loch. «Es reicht noch genau für einen Einkauf», sagt Tijana. Der Plan wäre eigentlich, dass die Lebensmittelabgabe sicher bis Ende Jahr weiterläuft.

👉 Hier kommst du ins Spiel: Wenn du magst, kannst du am Samstag, 10. Juli, zwischen 9 und 11 Uhr, Esswaren vorbeibringen beim Bajour Büro an der Clarastrasse 10. Tijana sagt, am dringendsten brauche es Wurstwaren, Käse und Milch.


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