02.02.21

Guten Morgen

Ich bin ja noch nicht lange als Bürger in Basel gemeldet, aber wenn ich der Finanzdirektorin Tanja Soland (SP) im SRF-Regionaljournal gestern richtig zugehört habe, dann hat sich das Umziehen ordentlich gelohnt. Basel-Stadt kriegt nämlich eine komplett digitale Steuererklärung und damit, sagt Soland, mache das Ausfüllen «fast ein bisschen Lust, das auszuprobieren.» 

Mit dem neuen Angebot soll alles einfacher werden. Belege und Kontoauszüge können neu digital eingereicht werden, eine Unterschrift braucht es nicht mehr. Zudem wir die Funktion eines Steuerkontos eingeführt, das die langfristige Übersicht über Vorauszahlungen, oder offene Steuerforderungen ermöglichen soll. Die bestehenden Optionen einer Steuererklärung auf Papier oder die halbdigitale Variante (herunterladen, ausfüllen, hochladen) bleiben bestehen. Für die Datensicherheit der neuen komplett digitalen Option sei gesorgt, schreibt das Finanzdepartement und, noch ein random Fact für alle Freund*innen gelungenen Marketings: Die Funktion zur Digitalisierung analoger Dokumente heisst «oBeam» 🤖.

Die Verwaltung macht damit einen weiteren Schritt in Richtung Digitalisierung. Ich hab Bock auf Steuererklärung, her mit dem Ding! 
Der Wohnraum in Basel nimmt zu, allerdings nicht so rasch wie auch schon: 2020 kamen in Basel 607 neue Wohnungen (oder Logis, wie es die Verwaltung distinguiert formuliert) auf den Markt. Das sind weniger als im Jahr zuvor (837), aber auch mehr als der Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre (496). Insgesamt entstanden 62% der neuerstellten Wohnungen in Grossbasel, 27% im Kleinbasel und 11% in den Landgemeinden. Und noch eine Zahl: 102 Wohnungen wurden durch die Umnutzung von ehemaligen Geschäftsräumen in Wohnungen gewonnen, das sei zum zehnten Mal in Folge ein positiver Wert. Schreibt das statistische Amt. Alle weiteren Zahlen zum Thema Logis findest du hier.
Ebenfalls ums Wohnen dreht sich ein Beitrag des SRF-Regionaljournals über die Pläne der Basler Regierung zur Anpassung des Bau- und Planungsgesetzes. Konkret soll der Wohnraum vergrössert werden können, indem bestehende Häuser aufgestockt, Anbauten erleichtert und Neubauten ebenfalls höher in den Himmel wachsen können. Dazu braucht es Änderungen im Gesetz, zum Beispiel zu den Bestimmungen des Lichteinfallswinkels. Der Mieter*innenverband kritisiert die Pläne mit der Begründung, dass die Lockerung des Gesetzes Investor*innen dazu animieren könnte, bestehende Häuser abzureissen, um neu und höher zu bauen und so mehr Rendite zu erzielen. 
Ein Blick in die eigene Küche: Im zweiten Teil unseres neuen Brennerformats «Jung. Und Jetzt?», der beinharten Politunterhaltung mit der schönsten Pastelltapete der Stadt, berichtet der neu gewählte SP-Grossrat Mahir Kabakci (25), warum er gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen, aber für gratis-Tampons an Schulen ist. Ich habe mich in der vergangenen Woche zusammen mit unserem Video-Guru Martin Schaffner ~ mindestens 12 Stunden am Tag für dieses Bewegtbild-Spektakel geknechtet, also schau dir das jetzt bitte an, es ist ein Befehl. Notiz an mich selber: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Ab jetzt wieder mehr Text. Mit einem Klick auf das Bild kommst du zum Video. 
Und gleich noch ein Signal aus der Bajour-Trompete: Unsere Reporter*innen Adelina Gashi, Valerie Zeiser und Ina Bullwinkel haben gestern eine Strassenumfrage gemacht und erfahren, dass, ausser einer Person, keine der befragten 20 Passant*innen eine Person mit Burka oder Niqab in Basel gesehen hat. Trotzdem ist eine Mehrheit der Schweizer*innen laut einer nicht repräsentativen Umfrage von SRF für eine Einführung des Verhüllungsverbots, über das im März abgestimmt wird. Die von uns befragten Basler*innen sehen das vornehmlich anders, dabei differenziert. Hier gehts zur Umfrage. 
Corona-News

Im Baselbiet muss nach den Fällen Oberwil und Duggingen wieder eine Primarschule in Qarantäne. Grund ist die Ansteckung eines Kindes mit der mutierten Corona-Variante. Nun müssen die Klassen 1 bis 6 bis zum 8. Februar in Qarantäne, berichtet die bz. In Basel befindet sich derweil keine Schule im Fernunterricht, sagt eine Sprecherin des Gesundheitsdepartements. Zur Zeit seien nur einzelne Klassen in Qarantäne. 

Die Basler Zeitung wirft einen Blick nach Deutschland und fragt, ob die Schweiz bald für die Deutsche Corona-Trödelei büssen müsse? Die Titelzeile steht erstmal ein bisschen quer in der Landschaft, angesichts der Tatsache, dass die Schweiz ihre Geschäfte noch lange offen liess, nachdem Deutschland bereits einen Shutdown und teilweise Ausgangssperren verhängt hatte. Aber nun geht es um die Einreisebestimmungen und den Fakt, dass Deutschland diese verschärft hat für alle Länder, in denen mutierte Varianten des Corona-Virus' verbreiteter sind, als im eigenen Land. Was das allerdings genau heisst, ist unklar. Deutschland sequenziert seine Virusproben offenbar lückenhaft und weil die Schweiz hier gewissenhafter vorgeht, also in Basel Mutationen zum Beispiel genauer erfasst, könnte den Grenzgänger*innen die statistische präzisere Arbeit in der Schweiz zum Verhängnis werden.

Der Basler Regierungssprecher Marco Greiner wiegelt ab und verweist auf die guten Kontakte zu den Behörden in Baden-Württemberg. Noch blieben Verschärfungen für Grenzgänger*innen aus. Das Bundesland startet nun eine Testoffensive, um die Verbreitung mutierter Viren genauer zu messen. Aus Basler Sicht ist das eine gute Nachricht, schreibt die BaZ, denn wenn sich dadurch die Statistik zwischen der Schweiz und Deutschland angleicht, bleibt die Grenze offen. 
Die Zahlen:

In Basel-Stadt wurden gestern 11 Neuansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet, im Baselbiet waren es 28. Dafür, das ist die gute Nachricht, musste in keinem der Basler Halbkantone ein Todesfall im Zusammenhang mit Corona gemeldet werden. Trotzdem gilt weiterhin: Maximal fünf Menschen auf einmal treffen, Abstand halten, auf Handhygiene achten, Maske tragen, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen

Die Kurz-News:
  • Der Wald in der Region hat unter der Last des letzten Schneefalls arg gelitten, bei vielen Bäumen machen sich die Spätfolgen des letzten, sehr trockenen Sommers, bemerkbar. Markus Lack ist Revierförster im vorderen Leymental, das SRF-Regionaljournal war mit ihm auf Tour und der Beitrag beginnt so: «Dr Markus Lack kennt dr Wald wie sin Hoosesagg.» Bravo.
  • Traurige Nachrichten aus dem Gundeli: Der Bastelladen von Fredi und Heidi Schleiss an der Dornacherstrasse muss wegen geringer Umsätze und gesundheitlicher Probleme der Geschäftsführer*innen schliessen. Das berichtet die bz. Der Laden war Kult, sein Verschwinden tut weh. 
  • Lesetipp: Die bz publiziert heute ausserdem das Abschiedsporträt über den scheidenden Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels. Der Text entstand konsequenterweise auf einer Autofahrt durch die Stadt mit dem Magistraten als Beifahrer. Wessels hat immer noch keinen Führerschein. Den Rest liest du, wenn du magst, hier (Abo).
  • Für heute Abend ist auf dem Marktplatz eine Platzdemonstration «für ein zeitgemässes Sexualstrafrecht» angekündigt. Die bewilligte Demo formiert sich auch in Solidarität mit dem Opfer einer mutmasslichen Vergewaltigung, der Fall wird heute am Strafgericht verhandelt. Meine Kollegin Naomi Gregoris hat mit der Klägerin gesprochen, bei Bajour erscheint morgen ein Text zum Fall.    
  • Ich weiss nicht, wer das wissen muss, aber wir befinden uns aktuell in einem perfekt geordneten Monat. Er begann Montags mit dem 1. 2. und zieht jetzt kalendarisch sauber durch zu einem vier mal sieben-Paket in deiner Kalender-App. Im Internet freuen sich viele User*innen über das unverhoffte Stückchen Ordnung in einer wilden Zeit. Man nimmt was man kriegen kann. 
  • Und gleich noch ein Stimmungs-Aufheller: Gegen Ende der Woche darf mit Sonnenschein gerechnet werden, es wird warm. 
  • Und gleich noch einer, nenn mich Gönnjamin: Gestern ging das Video eines Riesenpandas viral, der im Zoo von Washinton kopfvoran und auf dem Rücken liegend einen schneebedeckten Abhang runterschlittelt. Dieses Tier ist mein Spirit Animal. Etwas anderes musst du heute nicht gesehen haben.
Und jetzt zur Kirsche auf der Sahne, dem Unterhaltungstipp: 
Die ganze Welt hält die schotten dicht, aber ausgerechnet jetzt macht wiewärsmalmit, Basels hipste Adresse für Gutes und Schönes einen Schritt aus dem Digitalen ins Analoge. ZUR WAND ist ein Raum an der Andlauerstrasse 2, der günstig für Ausstellungen oder andere Auftritte genutzt werden kann – auch von dir – und er wird für Ausstellungen genutzt werden. Und zwar jetzt, im Februar, mit Schutzkonzept natürlich, aber wie das genau läuft, werden die Macher*innen bestimmt noch genauer erläutern. Die Infos auf der Homepage sind noch spärlich gesäht, aber der Look stimmt jetzt schon massiv. Wie alles, was aus der Werkstatt von wiewärsmalmit und Konsorten kommt. Darum ist auch dieser Unterhaltungstipp hier so gut. Wenn du eh kein Bock hast auf Ausstellungen zur Zeit, dann schau doch einfach mal wieder auf der Seite dieses Basler online-Magazins vorbei. Ihre Homepage ist NOCH schöner als unsere bei Bajour (geht weinend ab). 
Ich wünsche dir einen Supertuesday und mit freundlichem Gruss,
Daniel Faulhaber
Das Nützliche zum Schluss
Ein Herz für die Kunst II: In der alten Markthalle Basel wird sich zwischen dem 7. und 13. Februar eine Künstler*innen-Compagnie einrichten und mit ihr wird in dieser Zeit auch ein heisser Draht unter die Kuppel gelegt. Konkret: Die Künstler*innen der Compagnie Trottvoir sammeln Stimmen zur aktuellen Lage. Hast du Herzschmerz, eine Million gewonnen, bist du auf einem Spaziergang und es regnet dir ins Gesicht, willst du jemandem deinen neusten Haiku vorlesen: Dann ruf da an. Mit dir entsteht, wenn ich das richtig verstanden habe, ein auditives Kaleidoskop der aus der zweiten Welle. Die Nummer lautet 0041(0)78 211 23 89, anrufen kannst du jeweils von 12-14 und von 19-21 Uhr.  


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