25.05.21

Guten Morgen

An einem langen Wochenende entschleunigen wir automatisch. Ich habe mir das volle Outdoor-Programm gegeben: Die erste Schifffahrt auf dem Rhein, die ersten Erdbeeren, ein Spaziergang durch die Rebberge und einen Haufen Schneckenhäuschen, die mein Kind überall in der Wohnung verteilt hat. Ich starte also entspannt in die kürzere Woche und liefere dir eine kompakte Übersicht und ein paar schöne Geschichten, um gut informiert und freudig in den Tag zu starten. 

Wir beginnen mit einem Wunder der Forschung. Ein Team des Instituts für Molekulare und Klinische Ophthalmologie Basel (IOB) präsentiert einen revolutionären Ansatz, der gewisse Formen von Blindheit heilen könnte. Es handelt sich um eine Gentherapie, mit welcher ein erblindeter Patient, der jahrzehnelang nichts mehr sah, nun wieder Objekte, die vor ihm liegen, erkennen kann. Die Forscher*innen sprechen von einem Meilenstein bei der Behandlung von erblichen Erkrankungen der Fotorezeptoren im Auge, die oft zu Blindheit führen. Die Hintergründe zur Studie findest du in der Mitteilung des IOB, das Regionaljournal hat einen hörenswerten Beitrag dazu aufgenommen.
Und nun zu wahren Herzensgeschichten. Wohin die Liebe fällt – in diesem Fall in Basel – hat meine Kollegin Ina Bullwinkel aufgezeichnet. In der Geschichte geht es um Margret und Willy, sie aus dem fernen Nordrhein-Westfalen, er aus Bottmingen. Die beiden haben sich auf eine Art kennengelernt, die heute praktisch verschwunden ist: Aus einer Annonce in der Zeitung wurde eine Brieffreundschaft, aus dieser dann eine grosse Liebe, die 1958 Margret nach Basel geführt hat. Ihre Tochter erzählt, dass das Ankommen für Margret alles andere als einfach gewesen sei, aber auch, wie resolut die Mutter war, die sich ganz als Baslerin verstand. Und in ihrem Leben über 300 Pullover gestrickt hat. Ich kann nicht einmal eine Masche auffädeln. Darum aber auch für ihre eindrückliche Lebensgeschichte bin ich voller Bewunderung und empfehle die Lektüre des Textes wärmstens weiter.
 

Der Verein cassiopeia hat in Zusammenarbeit mit der Spitex Allschwil-Binningen-Schönenbuch eine wunderschöne Aktion ins Leben gerufen – die Musik-Spitex. Mirjam Toews, Musikerin und Mitgründerin des Vereins machte sich während der vergangenen Weihnachtszeit Gedanken darum, dass viele ältere Menschen einsam sind, besonders auch, weil die Coronapandemie die soziale Kontakte einschneidend einschränkt. Sie dachte sich, dass wahrscheinlich viele von ihnen Freude daran hätten, ein kleines Live-Konzert in den eigenen vier Wänden geschenkt zu bekommen. Mitte März ist aus der Idee ein richtiges Projekt geworden, das sehr gut ankommt und vielen Mitmenschen grosse Freude bereitet. Wie ein solches Konzert abläuft und wie es sich anhört, kannst du bei der BaZ (Abo) nachlesen oder auf Telebasel nachschauen. 

Das ist Martha L. Sie kommt aus Bolivien und kann zum ersten Mal nach 15 Jahren einen Flug in ihre Heimat buchen, ohne zu befürchten, nicht mehr in die Schweiz einreisen zu können. So lange hat sie ihre Kinder nicht gesehen. Aber jetzt hat sie eine Aufenthaltsbewilligung. Sie ist eine von zehn ehemaligen Basler Sans-Papiers, die innerhalb eines Testlaufes einen Härtefallgesuch beim Kanton eingereicht haben. Ihre Geschichte, die sie der bz (Abo) erzählt hat, soll anderen Betroffenen Mut machen. Allerdings kommt im Artikel auch Kritik auf: Fabrice Mangold, Leiter der Anlaufstelle für Sans-Papiers, empfand den Testlauf als langwierig, es bestünde noch Klärungsbedarf. Darum fordert er nun von der Regierung eine departementsübergreifende Lösung. Das angefragte Justiz- und Sicherheitsdepartement spielt jedoch den Ball an den Bund weiter, der für die Einzelfallprüfung zuständig sei. 

Die aktuellen Corona-Zahlen:

Basel-Stadt registrierte über das verlängerte Pfingstwochenende 58 Neuinfektionen. Eine Person starb an den Folgen einer Covid-Infektion. Baselland meldete 43 neue Fälle. Die Inzidenzzahl (14-Tage-Ansteckungswert pro 100'000 Einwohner*innen) zeigt nach unten. Trotzdem bleibt wichtig: wenige Menschen treffen, Abstand halten, Masken tragen, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen

Und die Neuigkeiten rund um das Coronavirus:

Masken schützen vor der Verbreitung des Virus.
Ob das so ist, wurde besonders bei Beginn der Ausbreitung der Pandemie kontrovers diskutiert. Nun legt ein internationales Forschungsteam eine neue Studie vor, die belegt, dass auch die einfachen OP-Masken, einen ausreichenden Schutz vor dem Virus bieten. Wo man jedoch von einer hohen Viruslast in der Luft ausgehen muss, wie beispielsweise in Innenräumen, bieten FPP2-Masken besseren Schutz. 

In Basel-Stadt haben über 100'000 Personen die Erstimpfung bekommen, 30'000 sind vollständig geimpft. Dies teilt das Gesundheitsdepartement mit einem Communiqué mit. Die hunderttausendste Geimpfte bekam von Regierungsrat Lukas Engelberger sogar einen Blumenstrauss. 

Covid-Zertifikat: Viele offene Fragen. Das Covid-Zertifikat soll am 7. Juni parat sein, das kündigte der Bundesrat letzte Woche an. Die Kantone sind jedoch skeptisch. Aufgrund offener Fragen zum Datentransfer und zu den Kosten befürchten sie eine Verspätung. Das berichtet die bz (Abo) und die BaZ (noch nicht online) schreibt darüber, dass die Ärzt*innen- und Apotheker*innenverbände den Bund dafür kritisieren, dass er beim Zertifikat auf die Zusammenarbeit mit den Privaten – das heisst mit ihnen – verzichtet und eine eigene Lösung entwickelt.
Die Kurz-News aus der Region:

Besteht bei Elektrobussen eine höhere Brandgefahr?
Diese Frage stellt die BaZ (Abo) den BVB – die ihre Flotte auf Elektrofahrzeuge umstellen –, weil in China mehrere Busse wegen überhitzter Lithiumbatterien gebrannt haben. BVB-Sprecher Benjamin Schmid beruhigt und erklärt: Die Busse brauchen eine besondere Wartung. Die Temperatur würde während des Ladeprozesses ständig überwacht, wenn sie zu stark ansteigen würde, schalte sich der Prozess automatisch ab.

Die Basler Sektion des Nachrichtendienstes beobachtet die linksextreme Szene viel stärker als die rechtsextreme. Das stellt die Aufsichtskommission fest, die von Rechtsprofessor Markus Schäfer präsidiert wird. Diese will sich nun ein eigenes Bild machen und dafür sorgen, dass «keine Betriebsblidheit» herrsche. Das schreibt die bz (Abo).
Kurz vor Schluss noch ein Highlight des Wochenendes: Das Gärngschee-Foodsharing ist ein Erfolg und geht weiter. Letzten Samstag wurde das Bajour-Büro kurzerhand wieder zur Lebensmittelabgabe umgebaut. Während ein paar Stunden konnten armutsbetroffene Menschen benötigte Nahrungsmittel und Güter des täglichen Gebrauchs abholen. Im Verteil-Team waren diesmal verschiedene Grossrät*innen: Christoph Hochuli von der EVP und Michela Seggiani und Nicole Amacher von der SP. Das Gärngschee-Team sagt Danke 💛 Und falls du die Aktion unterstützen möchtest, findest du 👉🏻 hier alle Angaben. 
Unterhaltungstipp: Tschau Seppine 
Etwas anderes, dass ich nicht kann: jassen. Ich verspürte nie den dringenden Wunsch, das Spiel zu lernen. Aber diese Karten könnten mich dazu verleiten. Anlässlich des 50 Jahr Jubiläums des Frauenstimmrechts in der Schweiz gibt das Kollektiv Kohlmeise nämlich neue Jasskarten heraus und verpassen der Tradition eine nötige Auffrischung. Die Regeln bleiben gleich, von Frau bis Mann sind alle Formen und Farben abgebildet. Der König ist nun König*in, die Dame ist Dame*Herr und der Bauer Bäuer*in. Die Geschlechter sind gleichgestellt. Um die Kartensets zu produzieren, sammelt das Kollektiv momentan Geld über ein Crowdfunding, das du hier unterstützen kannst. 

 


Es war mir eine Freude,


Romina

 
Das Nützliche zum Schluss: Selber pflücken! 
Apropos 🍓: Mein Urteil nach dem ersten Schmaus der Saison war eher durchzogen. Zur vollen Reife braucht es wohl noch etwas Sonnenschein, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Und wenn man die Erdbeeren selber pflückt, schmecken sie umso besser. Das ist, zu meiner grossen Freude, auf vielen Höfen möglich. Wo überall zeigt die Webseite selberpfluecken.ch: Auf der interaktiven Karte sind alle Orte vermerkt, wo man Beeren und Früchte selber pflücken kann. Man kann nach Region, nach Obstsorte oder nach Produktionsart filtern und bekommt alle wichtigen Infos zu den Angeboten der jeweiligen Landwirt*innen. Rund um Basel gibt es beispielsweise 5 Erdbeerfelder, die darauf warten, geerntet zu werden. Nichts wie hin! 


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