14.05.21

Naomi GregorisGuten Morgen

Auffahrt ist vorbei, Jesus ist emporgestiegen, Corona wütet noch immer. Und du machst hoffentlich die Brücke und liest schön ausgeschlafen dieses Briefing, das etwas mager daherkommt, weil auch viele Journalist*innen heute bereits im Wochenende sind.

Ein paar lesenswerte Lokalnews sind seit Mittwoch trotzdem zusammengekommen, machen wir vorwärts, los gehts.

Das Parkhaus Landhof wird nun doch nicht gebaut

Neu-Baudirektorin Esther Keller zu Gast am Mittwoch beim Telebasel-Talk. En passant erwähnt sie, dass sie gestern ein Telefon gemacht habe, um nachzufragen, wie es eigentlich um den Landhof stehe. «Da habe ich Bescheid bekommen, dass sie nicht bauen werden.»

Kurzer Kontext: Die Basler Regierung plant seit ungefähr tausend Jahren (ok sechs) ein Parkhaus für 200 Autos unter dem Rasen der altehr­würdigen FC-Basel-Heimstätte Landhof. Darauf legten 90 An­wohnende gegen das Baubegehren Rekurs ein

Bei Telebasel äusserte sich Keller noch nicht zu den Gründen, die bz fragte nach (noch nicht online). Kelller und Parking-Planer Christoph Stutz bestätigten: Die Investoren geben auf. Dafür gebe es zwei Gründe:

Erstens: Die serbelnde Messe. «Da stehen 1000 Parkplätze zur Verfügung, die nicht mehr so beansprucht werden wie früher», sagte Stutz. Ausserdem würden für das Messeparking keine Restriktionen bezüglich der Benutzer und der Preisgestaltung gelten.

Zweitens: Das noch hängige Verfahren gegen das generelle Baubegehren vor Bundesgericht. Es sei davon auszugehen, dass dieselben ­Rekurrent*innen auch gegen ein künftiges konkretes Baubegehren wiederum den Gang vor die Gerichte beschreiten werden. Diese Verfahren dürften etwa drei Jahre dauern. «Da investieren wir lieber in Projekte, die realisierbar sind.»

Bei den angefragten Mitgliedern der Bau- und Raumplanungskommission des Grossen Rats sei die Überraschung über den Rückzug der Investorenschaft gross. Man verstehe allerdings die Begründungen des Investors. Es hat noch keine Besprechung mit der Kommission dazu stattgefunden.
Von Autos zu Trams. Am Mittwoch haben die Kantone Baselland und ­Basel-Stadt zusammen mit der Baselland Transport AG (BLT) und den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) bekannt gegeben, wie sie sich das künftige Tramliniennetz vorstellen. Buzzwords: Direktere Verbindungen, Entlastung, Pünktlichkeit, neue Areale.

Die wichtigsten Punkte:
  • Weniger Trams zwischen Schifflände und Barfi: Während heute bis zu sieben Tramlinien zwischen Schifflände und Barfüsserplatz verkehren, sollen es ab 2030 zwei weniger sein – Linie 17 kommt weg und die Linien 16 und 15 werden neu zu einer Ringlinie verknüpft: Die Trams fahren vom Bruderholz als Linie 16 durch die Innenstadt zur Schifflände und als Linie 15 auf einer neuen Tramstrecke im Petersgraben via Gundeli. 
     
  • Neue Strecken: Dazu gehören der Petersgraben, der Claragraben, der Margarethenstich und das ehemalige Werkareal Klybeck.
     
  • Zack Leimental: Es sollen schnel­lere Verbindungen aus dem Leimental in die Stadt gebaut werden – durch den Margarethenstich, aber auch durch das Expresstram, das nur an ausgewählten Stationen hält.
Die Veränderungen des Tramnetzes sollen in den nächsten zehn Jahren umgesetzt werden, die vorgestellten Ausbauprojekte kosten ins­gesamt gegen 400 Millionen Franken. Mehr dazu liest du bei der bz (noch nicht online) und bei der BaZ.
Basel-Shanghai zu einfach

Regierungspräsident Beat Jans traf sich diese Woche mit dem Bürgermeister von Shanghai und unterhielt sich über die seit 2007 bestehende StädtepartnerschaftStatt wie versprochen die von verschiedenen Parteien kritisierte Beziehung zu hinterfragen, hielt sich Jans mit Kritik zurück und thematisierte stattdessen wirtschaftliche Zusammenarbeit, einen Direktflug Basel-Schanghai oder die Instandhaltung des Basilisk-Brunnens in Schanghai. Nun melden sich Experten und Politiker in der bz zu Wort und kommentieren die aktualisierte Vereinbarung zwischen den beiden Städten:

🧔🏻🧐 China-Experte Ralph Weber (Uni Basel): Differenzen würden in der Vereinbarung nicht deutlich angesprochen. Es werde «spannend zu beobachten sein», wie Jans seine Versprechen bezüglich kritischem Hinschauen halten werde.

🧑🏻😩 David Wüest-Rudin (Grünliberale): «Ich bin enttäuscht. Das Ganze kommt sehr zahm daher.»

👱🏻😤 Pascal Messerli (SVP): «Die Städtepartnerschaft ist und bleibt ein Hochglanz-Schwachsinn.»
Das Unternehmen Mitte meldet sich nach externem Audit

Nachdem die Wochenzeitung im März über problematische Zustände im Unternehmen Mitte berichtete und ehemalige Mitarbeitende und die Interprofessionelle Gewerkschaft der ArbeiterInnen (IGA) in einem offenen Brief unter anderem die Leitungskultur des Hauses kritisierten, veranlasste die Geschäftsleitung eine externe Überprüfung. Am Mittwoch gab sie in einer Medienmitteilung die Ergebnisse bekannt.

Zusammengefasst sind das:

Bio-Kennzeichnung: Die Vorwürfe in Bezug auf Fehldeklarationen auf der Speisekarte haben sich bestätigt. Die Mängel seien per sofort behoben. Eine Zertifizierung als Bio-Gastronomie sei aufgegleist.

Löhne: Die Lohnschere sei marktkonform, die Löhne der Gesellschafter vertretbar. Die Geschäftsleitung habe sich nicht bereichert. Investitionen würden im üblichen Umfang und im Verhältnis von Unternehmens- und Liegenschaftsgrösse getätigt. Es gäbe jedoch «mögliche Handlungsfelder und Entscheidungsspielräume». Die Einstiegslöhne sollen erhöht werden.

Leitungskultur: Die Geschäftsleitung stehe in einem intensiven Austausch mit den eigenen Mitarbeiter*innen. Dazu gehörten Treffen, Retraiten und die gemeinsame Erarbeitung einer Unternehmens-Charta, in der «Ziele, Vision und die Unternehmenskultur geschärft werden». 
Herr Marchand und sein Bücherreich

Ich habe einen soft spot für kurlige Menschen und ihre Räume und die BaZ hat so eine Kombination aufgestöbert – auf dem Bruderholz, im Hobbyraum eines unscheinbaren Backsteingebäudes.
Dort hält der ehemalige Lehrer Hansjörg Marchand (83) seine Sammlung von rund 10'000 Büchern, die er in wochenlanger Mühe eigenhändig einsortiert hat. Zwei- bis dreimal pro Woche steigt er hinunter in seine Bibliothek, liest und bereitet sich auf das Philosophiekränzchen vor, das er einmal im Monat abhält.

Ich weiss nicht, wie es dir geht, aber mich berühren solche Orte immens. Dazu die filmstill-artigen Fotos im Artikel – eine Freude. 

Im Kanton Basel-Stadt wurden gestern Mittwoch 37 Neuinfektionen gemeldet, im Baselbiet 44. Die Kurve zeigt nach unten, wichtig bleibt: Maske tragen, wenige Menschen treffen, Abstand halten, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen

Die Kurz-News aus der Region:
  • Der Bundesrat beschliesst Öffnungsschritte ab dem 31. Mai Ende Mai, wenn alle Risikopersonen geimpft sind (ausser Schwangere, dazu ein lesenswerter Artikel hier), geht die Schweiz von der Schutz- in die Stabilisierungsphase des Drei-Phasen-Modells des Bundesrats. Was das bedeutet hat mein Kollege David für dich in unserem Ticker zusammengefasst.
     
  • Verstärkte Polizeipräsenz am Hafen In den sozialen Medien war für Mittwochabend wieder eine Party angekündigt. Deshalb zeigte sich die Basler Polizei am Mittwochabend an der Uferstrasse besonders präsent: 104 Personen sollen laut bz kontrolliert worden sein. Die Party habe nicht stattgefunden.
     
  • Shopping in Deutschland wieder möglich Ab gestern gelten in Deutschland neue Aufenthaltsregeln. Die BaZ hat heute die wichtigsten Punkte zusammengetragen. Darunter: Wer sich weniger als 24 Stunden in Deutschland aufhält, braucht keinen negativen Corona-Test / Wer für länger als 24 Stunden nach Deutschland einreist, muss ein Anmeldeformular ausfüllen / Es gelten die in der Schweiz ebenfalls bekannten Hygieneauflagen wie das Tragen von OP- oder FFP2-Masken.
     
  • Anna Aaron hat ein neues Album herausgebracht Es heisst Moonwaves und ist gemäss Kollege Lory Roebuck kein typisches Anna-Aaron-Album. Grund: Aaron macht nicht mehr Pop, sondern Ambient. Was das bedeutet und wie ihre Fans darauf reagieren, hat sie Lory bei einem Kaffee erzählt. Zu lesen hier: «Anna unleashed».
     
  • Da mag jemand keine Biber Auf der Kraftwerkinsel wurden als Nahrung für Biber seit 2018 Dutzende Weiden gesetzt  – doch Unbekannte haben fast alle Jungbäume entfernt, wie die bz heute berichtet (Abo). Bei der Biberfachstelle Baselland zeige man sich kon­sterniert.
     
  • Reaktion auf Baselbieter Baustellenskandal Am Mittwoch berichtete die BaZ, wie die konkursite Chemiefirma Rohner in Pratteln seit Dezember gesetzeswidrig osteuropäische Arbeiter beschäftigt. Am selben Tag teilte die Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) mit, dass das kantonale Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (Kiga) bereits am Montag den Antrag erhalten habe, die Arbeiten auf der Baustelle «umgehend einzustellen». Kiga und VGD beurteilen die Vorwürfe als «gravierend» und würden nun den Antrag prüfen. Wie der Vorstandsdelegierte der AMKB  gegenüber der bz sagte, habe die beschuldigte Firma bis Montag Zeit, die Missstände zu beheben und dies auch zu belegen. 
Und bevors in die Tipps geht, noch dies: 
Am Mittwoch gabs auf der Redaktion was zu Feiern – und zu Putzen. DENN: Ina hat über 300 neue Unterstützer*innen gefunden. Sie lässt ausrichten: Ihr seid die Besten! Als Dank und wie versprochen gibt es hier Gedicht Nummer 3 (und Räppli-Action): 

Der Unterhaltungstipp: Juhu Beuys! - aber bitte kritisch
Am Dienstag verkündete das Kunstmuseum Basel, es habe eine Schenkung von Maja Oeri und ihren Söhnen bekommen: Elf Vitrinen des grossen Joseph Beuys, pünktlich zum 100-Jahre-Jubiläum. Eine «in seiner Monumentalität für das Schaffen von Joseph Beuys ausgesprochen signifikante Werkgruppe» hiess es in der Medienmitteilung. Monumental! Wer über Joseph Beuys redet, spart nicht mit grossen Worten, besonders nicht im Jubiläumsjahr. Und doch lohnt es sich, gerade in diesem Jahr nicht nur in tiefer Ehrfurcht vor dem öffentlich gepriesenen Genius zu versinken, sondern Beuys auch als die umstrittene Figur wahrzunehmen, die er mittlerweile ist. Drum hier drei Lese-Tipps, die das Bild erweitern:

💡 «Ein deutscher Heiland»  in der ZEIT: Zu seinem 100. Geburtstag wird Joseph Beuys als Überkünstler gefeiert. Doch wie links, wie grün war er wirklich?

💡«Ich hielt ihn für links, das war wohl das größte Missverständnis» im Spiegel: Ein Gespräch mit dem Beuys-Biograf Hans Peter Riegel darüber, wieso er den Künstler für einen Vorläufer aktueller Verschwörungstheoretiker hält.

💡 «Achtung Beuys – Aktionskünstler, Visionär, Provokateur» in der Sternstunde Philosophie: Ein Gespräch mit dem Kunsthistoriker Philip Ursprung über Beuys und wie sich seine Rezeption 34 Jahre nach seinem Tod verändert hat.

Ganz ein schönes Wochenende dir,

Naomi
 
Das Nützliche zum Schluss: Krah!
Du magst dich vielleicht erinnern: Am Montag habe ich einen Aufruf gestartet, der mir mit unserem Krähen-Dilemma helfen sollte. Was soll ich sagen: Ihr seid besser als das Internet! Danke für die ausführlichen, informativen und mitfühlenden Rückmeldungen. Ich fahre gleich weiter mit meinem Experiment, euer Wissen abzugrasen.

Aber erst zu den Krähen. Ich zitiere unsere Leserin Esther, die, wie ich finde, eine super Erklärung für die Zustände geschickt hat, die vor unserer Haustür herrschen: 

Ihr Geschrei ist nichts anderes als Kommunikation. Krähen fangen irgendwann im Februar an mit dem Nestbau und da die lebenslang zusammenbleibenden Paare mit anderen zusammen in Kolonien brüten, geht das nicht ohne Verständigung unter einander. Sie erkennen sich an der Stimme und natürlich gibts auch ab und zu Streit unter Nachbarn, den man ausdiskutieren muss. Und wenn dann der Nachwuchs geschlüpft ist, wird natürlich gebettelt und es gibt noch viel mehr zu besprechen in der Familie und zwischen den Nachbarn.

Aber spätestens Ende Juni wird es dann wieder ruhig - die Jungen ziehen aus und es besteht keine Notwendigkeit mehr, dicht zusammen im Baum zu hocken. Das Gute: Es gibt nur eine Brut pro Jahr. Nicht wie bei den Tauben bei mir auf dem Dach, die im Dauerbalz, -brut und -bettelmodus sind.

Die weniger tolle Nachricht für Platanennachbarn: Die Saatkrähen suchen sich für ihr Brutgeschäft immer die selbe Baumart, auf der sie selbst aufgewachsen sind.


Danke, liebe Esther! Ich habe gleich eine Nachfrage: Die Stadtgärtnerei schneidet die Platanen jeweils zeitlich und räumlich versetzt über die Jahre. So wechseln auch die Krähen ab und zu den Baum. Geht die Stadtgärtnerei nach einem Schema vor? Also zum Beispiel: Die nächsten drei Jahre triffts das 4055, und dann kommt das 4057 dran? Damit fair verteilt geplagt wird? 

Und wenn wir schon bei Tauben sind: Leserin Marlene fragt, ob jemand weiss, was nachhaltig gegen Tauben hilft – ausser einem Netz und ohne dass man selber ständig präsent sein muss (zb. mit einer Wasserpistole). Was sind eure Tipps?
 

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