04.06.21

Guten Morgen

Ich war am Montagmorgen bei Manor und habe 20 Franken verdient, indem ich den Verkäufer*innen auf die Finger geschaut und allfällige Verfehlungen an die Chefetage rapportiert habe. Falls du den Artikel dazu schon gelesen hast, dann kannst du weiterscrollen zum Spion-Emoji 🕵️ - es gibt nämlich Neuigkeiten zur Causa "Mystery Shopping". Für die anderen nochmals kurz zur Erklärung, wie es dazu kam: Manor hat schweizweit in allen Filialen überprüfen lassen, ob die Mitarbeiter*innen auch bei Kleinstbeträgen konsequent nach der Manor-Karte fragen. Für die Überprüfung haben sie die Nutzer*innen der App "Streetspotr" aufgeboten, die für wenig Geld verschiedenste Aufträge erledigen - beispielsweis das Überprüfen von Verkäufer*innen (in der Branche "Mystery Shopping" genannt). Was genau passiert ist, habe ich hier aufgeschrieben

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🕵️ Nun hat Manor reagiert und Fehler eingestanden: «Wir haben den Vorgang mit der zuständigen Agentur nicht gut genug aufgesetzt, dies wurde nun korrigiert.» Die Testkäufer*innen seien nun angewiesen, die Namen der Verkäufer*innen auf den Kassenbons unkenntlich zu machen. 

Wir haben im Nachgang der Recherche mit einer Manor-Mitarbeiterin sowie mit der Verantwortlichen für Detailhandel bei der Gewerkschaft Unia gesprochen. Beide zeichnen kein gutes Bild von Manor. Die Angestellte, die anonym bleiben möchte, sagt: "Ich fühle mich als Angestellte nicht wertgeschätzt." Sie und ihre Kolleg*innen würden ohnehin sehr streng für ihre Leistung bewertet und bekämen oft gesagt, sie müssten besser werden. "Und jetzt werden wir auch noch beobachtet. Das geht nicht auf." Zu diesen Vorwürfen wollte Manor keine Stellung nehmen. Hier findest du den Folge-Artikel.

Weisst du, wieso dieses Hochhaus am am Hochbergerplatz 1 nicht im Bajour-Massenkündigungsticker aufgeführt ist? Weil die Besitzerin, die Wohnbau-Genossenschaft Nordwest, den Bewohner*innen der Liegenschaft einen viermonatigen Aufenthalt im Hotel Stücki spendiert, ehe sie wieder zurück in ihre Wohnungen können. Davon berichten heute bz (noch nicht online, Link zum E-Paper-Artikel) und Baz (Paywall). Das Hochhaus wurde 1963 erbaut, eine grundlegende Sanierung sei unausweichlich, sagt ein Vertreter der Genossenschaft. Es habe Asbest im Haus und Eingriffe in die Statik seien nötig, deshalb habe man sich für die Lösung mit den Hotelzimmern entschieden. Ein Teil der 15 Millionen Franken Sanierungskosten werden auf die Wohnungspreise geschlagen, sagt WGN-Geschäftsleiter René Thoma zur Baz. Jedoch maximal 300 Franken pro Monat, eher weniger, "bei uns gilt Kostenmiete", so Thoma.
Im Baselbieter Landrat soll es eine Stellvertreter*innenlösung geben. Ein entsprechender Vorstoss wurde gestern mit knapper Mehrheit überwiesen, wie das Regionaljournal berichtet. Es geht insbesondere um Frauen, die während ihres Mutterschaftsurlaubs ausfallen. Ich kann dir den SRF-Beitrag empfehlen, manchmal lohnt es sich, die Menschen sprechen zu hören, wenn sie ihre Meinungen begründen. PS: Ganz am Schluss führe ich eine neue Rubrik ein, nämlich "Rechnen mit Sämi" (weil ich, wie wir alle bei Bajour, so neidisch bin auf Ina mit ihrem Baseldytsch). Und dabei wird es um die Stellvertreter*innenlösung gehen. 

Die Kurven auf beiden Diagrammen sehen gut aus. Die Grenzwerte von 40 respektive 60 Fällen pro 100'000 Einwohner*innen innert 14 Tagen, ab denen lückenloses Contact-Tracing möglich ist, sind so nahe wie seit langem nicht mehr - deshalb gilt umso mehr: Maske tragen, wenige Menschen treffen, Abstand halten, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen

Die Kurz-News aus der Region:
  • Gestern haben wir über den Prozessauftakt rund um den Baselbieter Regierungsrat Thomas Weber berichtet. Dabei ist uns ein Fehler unterlaufen. Mitbetreiberin der Zentralen Arbeitsmarktkontrolle ZAK ist die Baselbieter Wirtschaftskammer, nicht die Handelskammer beider Basel. Wir bitten um Entschuldigung. Das Urteil in diesem Fall wird heute erwartet - im Bajour-Ticker bleibst du up to date
  • In Basel werden im Juni testweise drei Grossversanstaltungen mit bis zu 600 Teilnehmer*innen durchgeführt, wie die Abteilung Kultur gestern mitteilte. Es handelt sich um Konzerte des Sinfonieorchesters Basel, die "Guitar Night" des Jazzfestivals Offbeat sowie eine Outdoor-Party im "Viertel"-Club. Die Veranstalter müssen nun Schutzkonzepte vorlegen, dann kanns (getestet, geimpft oder genesen) losgehen. 
  • Gestern war der deutsche Youtube-Star "Pumping Mnky" in Basel. Gemacht hat er nichts, aber mehrere hundert Fans kamen trotzdem - so viele, dass selbst die Polizei einschreiten musste, wie Telebasel schreibt. Wenn du einen Instagram-Account hast, kannst du dir hier die Szene anschauen (und dich dabei richtig alt fühlen), ansonsten gibts bei Telebasel einen Auszug. 
  • Ein Übergang, wie er nur im Basel Briefing geht, von Pumping Mnky zu Politologe Claude Longchamps. Dieser hat gestern Abend eine ausführliche und optisch sehr schön aufgemachte Panaschierstatistik der Basler Grossratswahlen 2020 präsentiert - hier kannst du genau nachschauen, welche Parteien die meisten fremden Stimmen gemacht haben (und von wem). 
  • Und zuletzt noch eine gute Meldung aus der Medizin: Forscher*innen der Uni Basel ist es gelungen, Zellen von Krebs-Metastasen in einer Art Winterschlaf zu halten. Damit soll die Chance eines erneuten Krebs-Ausbruchs nach Chemotherapie vermindert werden. Ticker-David hat das für Bajour verständlich zusammengefasst, wenn du es noch genauer wissen möchtest: unibas.ch
Veranstaltungstipp:
Die drei öffentlichen Gartenbäder in Basel sowie das Naturbad Riehen sind geöffnet, die Badetemperaturen reichen von 18 (Riehen) bis 26 (Sportbecken im Joggeli, geheizt) Grad und heute Nachmittag wirds richtig sommerlich - also nichts wie ab ins kühle Nass. Du dürftest nicht der*die Einzige sein mit diesem Gedanken, deshalb ein Tipp: Auf jsd.bs.ch gibts Livestreams von den Eingängen in Joggeli und Bachgraben, die dir zeigen, wie viele Leute gerade anstehen. Datenschutztechnisch alles im Grünen, schreibt der Vogel Gryff, weil verpixelt. Und nötig, weil die Anzahl Menschen in der Badi coronabedingt beschränkt sind. Hier gehts zum Livestream.

Als Alternative gäbs am Samstag den nächsten Quartier-Flohmi. Und zwar im Gundeli (der lohnt sich besonders, auch wenn du nichts kaufst, es gibt wunderbare Innenhöfe zu entdecken, die du ohne Flohmarkt nie hättest betreten dürfen). 


Ich wünsche dir einen guten Schlussspurt ins Wochenende,
Samuel
Das Nützliche zum Schluss:
Ich habe nicht mitgezählt, aber das hier dürfte ungefähr mein hundertstes Basel Briefing sein. Und noch nie habe ich mich beim "Nützlichen zum Schluss" wiederholt. Bis auf jetzt, denn es ist wieder Zeit für das Holunderblütensirup-Familienrezept. Das habe ich den Briefing-Leser*innen bereits am 14. Mai 2020 verraten, auch damals (drei Wochen früher!) standen die Holundersträuche in Vollblüte. 
Was mich zur Frage bringt: Würdest du es schätzen, wenn wir sämtliche Tipps aus "das Nützliche zum Schluss" auf bajour.ch in einem durchsuchbaren Verzeichnis zusammenfassten? 



Wie versprochen und weil ich neidisch auf "Baseldytsch mit Ina" bin, kommt hier Ausgabe 1 von "Rechnen mit Sämi". Ich weiss, es ist noch früh, vielleicht zu früh für Mathematik, aber ich habe mir bezüglich Stellvertreter*innenlösung im Landrat folgende Überlegung gemacht: In einem idealen 90-köpfigen Parlament gibt es 45 Frauen, ungefähr normal über die Altersklassen verteilt, zur Vereinfachung beispielsweise je eine Frau im Alter von 18 bis 63 Jahren. Sie bekommen durchschnittlich 1,5 Kinder und fallen pro Kind durchschnittlich acht Monate aus (ein halbes Jahr Schwangerschaftsurlaub plus zwei Monate Krankschreibung vor Geburt). Jetzt die Frage: Wie viele zusätzliche Sitze bräuchten Frauen im gleichmässig verteilt besetzten Landrat, wenn es keine Stellvertreter*innenlösung gäbe, damit der Wähler*innenwille bezüglich Geschlechterverteilung gewahrt bleibt? Du kannst direkt auf dieses E-Mail antworten, wenn du die Lösung kennst. Und mir gerne auch schreiben, ob es zu einfach, zu schwierig oder einfach nur doof war - ich würde mich freuen.


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