08.06.21

Naomi GregorisGuten Morgen

Wann wird es endlich Sommer? Der Frühling war dieses Jahr ja ein Totalausfall. Im April schob ich es auf die üblichen Kapriolen, im Mai rümpfte ich dann öfters die Nase, aber jetzt fühle ich mich mittlerweile ganz persönlich und unmissverständlich angegriffen: I'm really pissed off. Im Regen stehen und die Faust gen Himmel recken – das tu ich zumindest imaginär gefühlte 1000 Mal am Tag. Es hilft nur bedingt. Was eher hilft, ist zu wissen, dass es besser wird. Am Donnerstag sollten wir endlich dieses zyklonale Wetter hinter uns lassen können. Also: Durchhalten! 

zyklonal? So wird Wetter bezeichnet, das unter dem anhaltenden Einfluss von Tiefdruckzonen steht. Woher ich das weiss? Aus unserem Ticker auf bajour.ch

Good News gibt es auch aus dem gestrigen Briefing. Mein Kollege Daniel Faulhaber fragte im Nachzug zu seinem Text über Andrin, der sich ein Samenleiterventil einsetzen lassen will: Sollten Männer beim Thema Verhütung mehr Verantwortung übernehmen? Das Resultat ist beeindruckend deutlich: 95,5 Prozent derjenigen, die mitgemacht haben, sagten JA. Sollte also jemand aus der Pharmaforschung mitlesen: Na, neuer Markt? Und wer noch skeptisch sein sollte: Im Video-Interview kontert Andrin der Kritik und bleibt auch bei kniffligen Fragen ganz cool 😎.
Nach dem Freispruch des Baselbieter Regierungsrats Thomas Weber wurde die Frage der politischen Aufarbeitung der sogenannten «ZAK-Affäre» aufgeworfen. Nun reagiert die SP, die Partei des Strafgerichtspräsidenten Andreas Schröder, der dazu aufgefordert hatte. Das schreibt die bz (Abo): Mit einem Vorstoss sollen entweder eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) oder die mit erweiterten Kompetenzen ausgestattete Geschäftsprüfungskommission (GPK) die Verbandelungen zwischen Kanton und Wirtschaftskammer Baselland untersuchen.

Ob die SP damit Erfolg haben wird, ist unklar, denn sie wird nur von den Grünen unterstützt. Die Bürgerlichen winken ab. Und die Wirtschaftskammer bringt sich bereits in Stellung: In einem Factsheet auf der Webseite und einem Mail an ausgewählte Landrät*innen werden die Aussagen von Andreas Schröder scharf kritisiert und den Zeugen der Anklage als «enttäuschten» und deshalb befangenen Ex-ZAK-Geschäftsführer beschrieben. Die Forderung nach einer politischen Aufarbeitung seien demnach unnötig. 

Die Interessenbindungen der Landrät*innen spielen also bereits: Etwas, das selbst von Politiker*innen offen angesprochen wird: Die EVP Landrätin Sara Fritz sagt gegenüber der bz: «Zu gross sind da die Verbandelungen vieler Landräte. Es bräuchte, wenn schon, eine politisch unabhängige Untersuchung.»

Wie die Debatte verlaufen wird, zeigt sich am 10. Juni, dann tagt der Landrat wieder. 
Letzte Woche hat der Grosse Rat beschlossen, die neue Bettelordnung ohne Vorberatung in einer Kommission direkt zu behandeln. Am 23. Juni werden wir wissen, ob und in welcher Form das Bettelverbot wieder eingeführt wird. Wie geht es dann für die bettelnden Roma in Basel weiter? Dieser Frage ist meine Kollegin Adelina Gashi nachgegangen und hat mit zwei Gruppen von Bettler*innen gesprochen.

Aus dem Gespräch kommt heraus, dass diese Menschen nicht einfach verschwinden werden, egal wie unsicher ihre Perspektive ist. Marina, eine Moldawierin aus Rumänien, sagt: «Wir haben Hunger, wir brauchen Geld, um etwas zu Essen zu kaufen. Was sollen wir denn sonst tun? Arbeit gibt uns ja auch niemand.» Und meint dann noch: «Wir gehören jetzt zu Basel und werden deshalb auch nicht einfach wieder gehen.»

Die ganze Reportage liest du hier 👉🏻«Wir gehören jetzt zu Basel». Ausserdem haben wir ein super Feature für dich 👇🏻

Zu den Corona-News. Das Virus ist noch da, die Ansteckungsrate geht aber kontinuierlich zurück. Gestern wurden in der Region lediglich neun (BS: 5 / BL: 4) neue Infektionen registriert. Dafür kommen wir mit dem Impfen voran. In der letzten Woche erhielten in Basel-Stadt über 20'000 Personen eine Impfung. Mittlerweile sind über 25 Prozent der Kantonsbevölkerung doppelt geimpft. Ob in diesem Tempo der Kanton seine Zielvorgabe – alle registrierten Personen sollen bis Ende Juni mindestens 1x geimpft sein – erreichen wird, ist noch nicht klar, aber es sieht nicht schlecht aus: Stand 1. Juni befanden sich etwas mehr als 26'000 Personen auf der Warteliste, wer sich im März registriert hat, bekommt jetzt einen Impftermin. Detaillierte Infos findest du jeweils im Coronavirus-Bulletin des Kantons und unter dem Twitter-Account Basel impft!
 

Im Kanton Basel-Stadt wurden gestern 5 Neuinfektionen registriert. Im Baselbiet wurden 4 Neuansteckungen gemeldet. Das ist sehr erfreulich, dennoch wichtig bleibt: Maske tragen, wenige Menschen treffen, Abstand halten, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen

Gleichzeitig steigt die Mobilität wieder an, die Sommerferien sind bald da und die Menschen wollen reisen. Weil selbst Geimpfte in vielen Ländern nur mit negativem PCR-Test über die Grenze gelassen werden, steigen Nachfrage und Angebot: Der Test-Markt wird immer grösser. Der Preisunterschied in der Region Basel beträgt ganze 85 Franken pro Test. Am günstigsten ist der PCR-Test am Euroairport, wo er aber auch am teuersten ist. Der Unterschied hängt von der Schnelligkeit des Resultats ab: Ein Express-Test kostet 195 Franken und ist in 90 Minuten da. Das hat mein Kollege David Sieber festgestellt, als er die Preise der Tests recherchiert und verglichen hat. Die Hintergründe findest du im gestrigen Bajour-Ticker.

Wichtig, um zu reisen wird auch das Covid-Zertifikat. Das weiss auch der Bundesrat, der die Einführung der Bescheinigung auf gestern, 7. Juni, versprochen hatte.

Und darum kommt das Nützliche heute nicht zum Schluss, sondern hier:
Tatsächlich werden ab sofort (wenige) Covid-Zertifikate ausgestellt, die belegen sollen, dass man komplett geimpft, genesen oder aktuell auf das Virus getestet wurde. Die Ausstellung des Zertifikats liegt in der Kompetenz der Kantone (ganz ohne Running Gag). Basel Stadt will die dazugehörigen Infos 👉🏻 hier aufschalten, das Zertifikat wird in Papierform oder als PDF-Dokument mit einem aufgedruckten QR-Code zur Verfügung gestellt. Dieser QR-Code kann in der «COVID Certificate»-App gespeichert werden, die iOS-Nutzer*innen bereits im App-Store herunterladen können, im Gegensatz zu Android-Nutzer*innen, die sich noch gedulden müssen (Argh!).

Das Zertifikat ist sechs Monate gültig, was für manche bereits jetzt zum Problem wird.
Kantonsarzt Thomas Steffen meint dazu im Interview auf Telebasel, dass dem Kanton diese Problematik bewusst sei und spricht von einer «Never-Ending-Story», denn es wird regelmässig ein neues Zertifikat fällig. Aber, so Steffen: «Wir gehen davon aus, dass der Bund die Frist noch vor Veröffentlichung des Zertifikats anpassen wird», von sechs auf neun oder zwölf Monate. 
 
Was du alles über die Impfung wissen musst, inklusive den neusten Entwicklungen zum Zertifikat findest du übrigens 👉🏻 hier im Bajour-Q&A, das meine Kollegin Ina Bullwinkel sorgfältig aktuell hält.
Die Kurz-News aus der Region:
  • Gastro-Betriebe dürfen während der EM länger offen haben. Das teilt das Bau- und Verkehrsdepartement von Basel-Stadt in einem Communiqué mit. Sowohl im Innen- als auch im Aussenbereich dürfen die Betriebe an Spieltagen bis 15 Minuten nach Spielende wirten, unabhängig von den grundsätzlich bewilligten Öffnungszeiten.
     
  • Basler Kinder und Jugendliche sollen gratis ÖV-Abo erhalten. Das fordert eine Initiative der SP, Grünen, BastA und der Grünliberalen, die letzten Freitag eingereicht wurde. Die Kosten sollen vom Kanton getragen werden – die Initiant*innen sehen das Gratis-ÖV-Angebot als Beitrag zum Umweltschutz. Die Hintergründe hat das Regionaljournal.
     
  • Alle Musikstile sollen gleichermassen gefördert werden. Die IG-Musik lanciert eine Initiative, um eine ausgeglichene Verteilung des Förderbudgets zu erreichen: Institutionen und freischaffende Künstler*innen sollen je mindestens einen Drittel erhalten, der Rest soll frei verteilt werden können. 
     
  • Die Eröffnung des Hafenkrans verzögert sich weiter. Das hat die bz (Abo) recherchiert. Derzeit würden von der Stadt Leitungen und Anschlüsse gelegt, erläutert der verantwortliche Gastronom Simon Lutz, eigene Installationen könnten nicht rechtzeitig auf die Sommersaison realisiert werden. Neue Deadline: Sommer 2022. 
Der Unterhaltungstipp: Die Königinnen rocken wieder
Heute gibt es einen guten Grund wieder mal ins Theater zu gehen. Das legendäre Frauenkollektiv Les Reines Prochaines – erweitert um ein paar Friends – entert die Grosse Bühne des Theater Basel und kapert mir nichts, dir nichts den altehrwürdigen Grimm'sche Kanon. Aus der Fabel «Die Bremer Stadtmusikanten» wird das Stück «Alte Tiere hochgestapelt», in welchem Esel, Hund, Katze und Hahn in die Besetzer*innenszene wechseln und die Königinnen ihr Leben Revue passieren lassen. Garantiert pathosfrei, dafür mit viel Pomp, Punk und Ironie. Was will man mehr? Ach, ja:  Tickets gibts 👉🏻 hier.
Es war mir eine Freude,

Romina
Zum Schluss noch das: 
So ganz ohne ein Augenzwinkern möchte ich dich nicht in den Tag starten lassen. Darum, voilà. Ein cooles Schaf. Ein RICHTIG cooles Schaf. Und ein richtig cooler Song im Hintergrund: I Want To Break Free von Queen – wenn das nicht nützlich ist. 🤷🏻‍♀️


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