05.07.21

Guten Morgen

Wurden Chemikalien aus Basel für die Herstellung von Massenvernichtungswaffen in Syrien eingesetzt? Die Sonntagszeitung (Abo) publiziert neue Details einer Recherche, wonach fünf Tonnen Isopropanol und 280 Kilogramm Diethylamin Ende 2014 von der Brenntag Schweizerhall AG, der Basler Filiale des deutschen Brenntag-Konzerns, nach Syrien geliefert wurden. Ein Grossteil davon, so berichtet die Sonntagszeitung auch unter Berufung auf einen syrischen Ex-General, könnte für die Herstellung der Chemiewaffe Sarin verwendet worden sein.

Das  Westschweizer Fernsehen RTS hat die Lieferung der Chemikalien vor drei Jahren publik gemacht. Neue Spuren zeigen nun, dass ein Teil der Lieferung nie das vereinbarte Ziel, ein syrisches Pharmaunternehmen, erreichten. Isopropanol und Diethylamin sind sogenannte Dual-Use-Chemikalien. Sie werden zur Herstellung von Schmerzgels wie zum Beispiel Voltaren Emulgel, auf das Novartis die Lizenz hat, benötigt – aber im Verhältnis eins zu eins gemischt mit einer zweiten Chemikalie ergeben sie die Chemiewaffe Sarin, ein Nervenkampfstoff. Wo sind die verschwundenen Chemikalien gelandet?

Die Geschichte ist kompliziert, aber die Kurzfassung lautet: Die in Basel sitzenden Konzerne Brenntag Schweizerhall AG und Novartis haben 2014 Chemikalien an eine Firma nach Syrien geliefert, die vorgab, damit Medikamente wie Voltaren herzustellen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde Basel als nicht-EU-Lieferstandort dazu benutzt, damals schon bestehenden internationalen Sanktionen auszuhebeln – und die Chemikalien könnten unterwegs unter der Hand an die Waffenlabors von Diktator Bashar al-Assad weitergereicht worden sein. In mindestens zwei Fällen, 2013 und 2017, starben in Syrien zwischen 400 und 1800 Menschen an Sarin aus syrischen Armeebeständen. 

Novartis und Brenntag sagen, sie hätten sich an sämtliche damals bestehende Handelsrechte gehalten. Das Staatssekretariat für Wirtschaft hatte die Lieferung ausserdem abgesegnet. Dass die verschwundenen Chemikalien wirklich zur Produktion von Chemiewaffen einsetzten ist nicht hieb- und stichfest bewiesen. Reporter Kurt Pelda sagt: «Der Verdacht ist sehr gross.» Hier gehts zum Interview des Reporters mit dem syrischen Ex-General.

Kurzer Schulterblick in den Rückspiegel, für alle, die das nicht mitgekriegt haben sollten: Die Schweiz schied an der EM gegen Spanien im Elfmeterschiessen aus. Sämtliche Schlagzeilen (es waren viele) in einem Satz zusammengefasst: «Toll gekämpft, tapfer verloren, Kopf hoch und danke für alles.» 

Hier drei Fotos mit Symbolcharakter, festgehalten von Fotograf*innen der Bildagentur Keystone.
Ansonsten war am Wochenende nicht viel los. 
  • Vor dem Corona-Testzentrum des Uni-Spitals bildeten sich lange Schlangen mit teilweise Wartezeiten bis zu drei Stunden. Grund ist der heutige Ferienstart an den Basler Schule, und die Ferienziele vieler Basler*innen im Ausland. In vielen Ländern ist ein negativer PCR-Test oder ein Covid-Zertifikat gefragt, wenn man einreisen will. Telebasel20 Minuten und die BaZ (Abo) berichten aus der Warteschlange. 
     
  • Apropos Übersicht: Die Republik hat das Umsichgreifen der Delta-Variante zum Anlass genommen, eine neue Bestandsaufnahme in Sachen Covid19 zusammenzustellen. Was ist der Wasserstand und welche Rolle spielt die Delta-Mutation für die Ferienplanung? Auf welche langfristigen Ziele freuen wir uns – über welche Gefahren sollten wir reden? Und die wichtigste Frage: Wie lange noch? Ein sehr guter Service der Republik. 👉 Leseempfehlung!
     
  • Das Nützliche, heute vorgezogen: Welche Einreisebestimmungen gelten dort, wo du deine Ferien verbringen willst? Ich empfehle für die Planung sehr gerne nochmal die Regel-Übersicht meiner Kollegin Ina Bullwinkel. Albanien, Frankreich, Italien, Spanien: 👉 Hier hast du den Überblick. 
Und hier die aktuellen Corona-Zahlen:

Der Kanton Basel-Stadt meldete über das Wochenende 12 Neuinfektionen. In Baselland waren es am Samstag 3, für Sonntag fehlte ein Update der Statistik. Insbesondere in Innenräumen gilt weiterhin: Wenn möglich Abstand halten, Masken tragen, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen

Das ist Patrick. Patrick arbeitet seit zwölf Jahren bei der Stadtreinigung Basel-Stadt und hat dabei so viele Zigarettenstummel aus den Ritzen der Gassen gefegt, dass man damit wahrscheinlich – grobe Schätzung – das runde Loch unter den Messehallen wie einen Aschenbecher füllen könnte. Die unbeschwerte Leichtigkeit des Litterings wird auch diesen Sommer wieder auf dem Rücken von Reinigungskräften wie Patrick ausgetragen, was in den sozialen Medien zu Entrüstung und mit eins komma fünf Promille im Ausgang zu einer Egal-irgendwer-wirds-schon-erledigen-Ignoranz führt.

Was ist das für ein Job bei der Stadtreinigung und was ist der Patrick für einer, der sich über die Jahre eine raffinierte Besen-Technik angeeignet hat? Wie denkt er über uns und die Konsumgesellschaft ohne Gewissen?

Meine Kollegin Pauline Lutz hat Patrick und das Team für eine Schicht lang begleitet. Ein schöner Text für mehr Sorgfalt und Einsicht. 👉 Leseempfehlung. 
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  • Und eine Empfehlung geht ebenfalls raus für dieses Video auf Tiktok. Der Power-User T_ronimo nimmt dort normalerweise mit feiner Ironie klischierte Unterschiede zwischen Schweizer*innen und Ausländer*innen aufs Korn, aber in diesem Take über das Abfallwegwerfen gibt es keinen Unterschied, sagt T_ronimo in Richtung Mülleimer. «Hau dä Shit da ie. Es isch nöd z viel verlangt!»
     
  • Auch die BaZ (Abo) berichtet heute über Abfall und zwar über die Kampagne «Basel isst Abfallfrei» des Kantons. Die Kampagne dauert bist im August und soll Konsument*Innen dazu anregen, Essen im Mehrweg- statt im Wegwerfgeschirr zu geniessen. 73 Gastrobetriebe beteiligen sich, indem sie einen entsprechenden Sticker an die Tür anbringen und ihre Kund*innen fragen, ob sie das Besteck, Serviette und Papiertüte wirklich benötigen. In Basel bleiben im Jahr 5000 Tonnen Abfall liegen, schreibt die BaZ.
Kurznachrichten:
  • Das Bau und Verkehrsdepartement will an der Margarethenstrasse 17 Kugelahorne fällen, um eine behindertengerechte Tramhaltestelle zu bauen. Ein Anwohner hat innert weniger Tage 470 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt, berichtet die BaZ (Abo). Die Petitionskommission des Grossen Rates nimmt sich jetzt des Themas an. 
     
  • Der Wirtschaftsteil der NZZ publiziert heute ein ausführliches Interview mit Bernhard Heusler, dem FCB-Präsidenten von 2012-2017. Heusler hat heute eine Beratungsfirma für Führungskräfte und folgerichtig dreht sich das Interview um die Frage, was Manager*innen von Fussballer*innen lernen können. Kurzantwort: Vertrauen ins Team schüren. Heuslers Anekdote dazu: 
Das hier sind zwar keine News, aber ich finde du solltest trotzdem ein Auge drauf werfen. Der ausgezeichnete Basler Fotograf Roland Schmid, der auch schon für Bajour gearbeitet hat und eindrückliche Bilder aus dem ersten Lockdown in Basel lieferte, hat für die bz eine schöne Bildstrecke fotografiert. Zu sehen sind Pissoirs, die aufgrund der Coronamassnahmen mal mehr, mal weniger kreativ gesperrt werden mussten, damit der Mindestabstand gewährt war. HIER kannst du die leider viel zu kurze Bildstrecke anschauen. 

Und mit diesen Soft News im Gepäck kommen wir folgerichtig zum
Unterhaltungstipp: Sounds of Basel
Seit drei Tagen kursiert auf Facebook ein Musivideo, in dem so viel musikalische Basisarbeit aus Basel drinsteckt wie in wahrscheinlich keinem Video mehr seit dem 70 Minuten langen Rap-Epos 1City1Song. Der neue Track dauert verhältnismässig kurz, nämlich nur etwas über drei Minuten, aber visuell wirkt Sounds of Basel viel grösser, heller, länger als das. Der Künstler Arthur Henry aus La Chaux-de-Fonds hatte vor einigen Wochen einen Aufruf in die Sozialen Netzwerke gepostet, wonach sich Basler*innen, ob Künstler*innen oder nicht war egal, in diesem Musikvideo verewigen konnten. Er ist dann ein paar Tage lang durch die Stadt gefahren, hat alles aufgezeichnet und dann die Samples zu einem elektronischen Track zusammengeschnitten. HIER kannst du dir das Resultat anschauen. Vielleicht hat jemand mitgemacht, die*den du kennst?
Das wars von mir, ich wünsche dir einen guten Start in die Woche oder, noch besser, die Ferien. Lass dirs gutgehen!

Mit freundlichen Grüssen,
Daniel Faulhaber


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