01.07.21

Guten Morgen

Heute gibt die Medienschau vor allem Hintergründes her, die «schnellen News» müssen hinten anstehen. Nimmt dir also ruhig etwas mehr Zeit für die Lektüre. Was kein Problem sein sollte, Fussball ist erst am Freitag wieder. 

Nur kurz: Heute ist der 1. Juli. Hast du auch diese 2021-Fomo? Sechs Monate rum und noch gar nichts erlebt. Kann auch am Wetter liegen, Summertime Sadness. Und damit ab in die Nachrichten.

Im Stücki Einkaufszentrum eröffnet ein neuer Kinokomplex. Das klingt erstmal erstaunlich, nachdem sich das Stücki in den letzten Jahren als kommerzieller Freizeitfriedhof einen Namen gemacht hat, aber das neue Kino soll diesem Ruf unter anderem mit günstigen Ticketpreisen entgegenwirken und neue Kund*innen anlocken. Der Eintritt kostet für Erwachsene irre 10 Franken, Eröffnung ist am kommenden Freitag. Die BaZ hat Fotos und einen Bericht über das neue Kino, das mit allerlei Sondereffekten wie Seifenblasen, Wind, Schneeeffekten und Gerüchen aufwartet. Nimm das, Netflix. Was wohl die anderen, krisengebeutelten Kinos in der Steinenvorstadt zur Preispolitik der neuen Konkurrenz sagen? Der Grund für den preislichen Tiefflug ist klar: Im Kinopalast in nahegelegenen Weil am Rhein kostet der Eintritt zwischen sechs und acht Euro. 

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Unklar ist andererseits, ob in den neuen «Arena Cinemas Basel» auch der Spezialeffekt Spanische Tränen (heisser Sprühregen von der Decke) und Sessel mit Bodycheck-Effekt für ein authentisches Fussballerlebnis beim Public Viewing sorgen könnten. Da müsste man noch nachhaken, ich wittere Geschäfte.
Amanuel Berhe Weldemichael hatte sich in Eritrea auf allgemeine Chirurgie spezialisiert, als er vom Regime als Militärarzt eingezogen und damit in den Zwangsdienst versetzt wurde. Eine auswegslose Situation, schlecht bezahlt, ohne Chance auf Entwicklung. Weldemichael floh nach Äthiopien, erhielt kurz Luft unter den Flügeln, aber drohte wegen der politischen Spannungen zwischen der Länder Äthiopien und Eritrea gleich wieder abzustürzen.

Durch eine zufällige Begegnung kam es anders. Heute lebt Weldemichael in der Schweiz. Hier arbeitet der gelernte Chirurg als Putzkraft. Weldemichael will zurück in den weissen Kittel, will wieder Arzt sein und die Universität Basel könnte das Nadelör zu einer neuen Zukunft werden. Weldemichael hat sich hier für einen Master in Medizin beworben. Adelina Gashi hat die Geschichte von Weldemichael aufgeschrieben und dabei ein feines Porträt gezeichnet. 👉 Leseempfehlung. 
Wie bereits die Schweiz am Wochenende (Abo), berichtet nun auch TeleBasel über aufgewühlte Anwohner*innen im Kleinbasler Rotlichtviertel, die sich wegen zunehmender Aggressivität und möglicher Drogengeschäfte auf der Strasse nicht mehr wohl fühlen in ihrem Quartier. Eine Anwohnerin, Andrea Strähl, hat eine Petition lanciert zur «Wahrung der Lebensqualität im Bermuda-Dreieck». Strähl sagt gegenüber dem Telebasel-Report, es sei in diesen Gassen schon immer laut gewesen, aber man wollte sich früher nichts Böses. Seit drei, vier Jahren kippe die Stimmung. Jetzt liege Stress in der Luft, die Polizei aber ignoriere die Anrufe der Ruhegestörten. Mit den Vorwürfen konfrontiert sagt die Polizei gegenüber Telebasel, wenn viel los sei, könne es vorkommen, dass andere Anliegen gegenüber Lärmklagen priorisiert werden. 

Ein interessanter Report mit leichter Schlagseite ins Mutmassliche. Einerseits ist der Nacht, in der die Journalist*innen filmten, nichts passiert. Zu Wort kommen aus dem Quartier einzig die Anwohner*innen, und die wohnen zum Teil hinter sehr weissen, gehäkelten Gardinen. Einige der gefilmten Protagonisten könnten oder könnten auch nicht Drogendealer sein, man weiss es nicht. Aber weil wir selbst zur Situation noch nichts recherchiert und folglich keine bessere Einschätzung haben, halte ich mich mit Urteilen besser zurück. 👉 Hier gehts zum Report. 
Das SRF-Regionaljournal hat Tonaufnahmen eines Trickbetrügers in der Sendung, der das Ehepaar Schneeberger aus Lupsingen BL am Telefon um ihr Geld bescheissen wollte. Die bz hatte die Story publik gemacht. Ich muss sagen: Gar nicht mal so unauffällig, wie der Mann da vorgeht. Schneebergers, sofort alarmiert, telefonierten über eine Stunde lang mit dem Banditen beim Versuch, diesen hinzuhalten bis die Polizei kommt. Die Polizei sagte auf der anderen Leitung bei Herrn Schneeberger, sie mache sich auf die Socken, aber dann kam sie wegen Personalmangels doch nicht. Was wiederum die Schneebergers ärgert: Wozu telefoniert man eine Stunde lang, die man ja auch anderweitig verwenden könnte, mit Kriminellen, wenn dabei nichts für den Rechtsstaat herausspringt?

Die Polizei will sich jetzt persönlich mit einem kleinen Geschenk bei Schneeberges entschuldigen. Ich sag: Das ist Stoff für einen Film im neuen Stücki Kinokomplex. 
Das Amt des Honorarkonsuls klingt ein bisschen aus der Zeit gefallen. Tatsächlich sind Honorarkonsul*innen Leute, die sich in ehrenamtlicher Arbeit für den Ruf und die (wirtschaftlichen) Beziehungen ihres Heimatlands zu einem anderen Land einsetzen. Hermann A. Beyeler ist so ein Mann. Er wohnt in Pratteln und lobbyiert von da ausgerechnet für den Unrechtsstaat Belarus. Wie passt das zur Schweiz und warum gibt sich der Mann gegenüber Schweizer Medien zahm, während er in den Sozialen Medien mit dem Belarusischen Machthaber Alexander Lukaschenko paktiert? Primenews hat einen ausführlichen Text dazu. 
Und hier die aktuellen Corona-Zahlen:

Der Kanton Basel-Stadt meldete gestern 3 Neuinfektionen. In Baselland erhielt die Statistik kein Update. Insbesondere in Innenräumen gilt weiterhin: Wenn möglich Abstand halten, Masken tragen, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen

Conradin Cramer, Erziehungsdirektor Basel-Stadt, Buchautor («Sei ein Machtmensch») und Medienprofi, haut wieder einen raus. Weil die alljährliche Feier zur bestandenen Lehrabschlussprüfung von 1242 Lehrlingen auch dieses Jahr coronabedingt ins Wasser fiel, hat sich der Gewerbeverband als Veranstalter etwas Peppiges überlegt und ein Video drehen lassen. Das Video heisst LAP REWIND 2021 und, ich will nicht zu viel verraten, aber Conradin Cramer redet an einer Stelle mit der Stimme von Hollywood-Prügelknabe Dwayne Johnson aka «The Rock». Ich muss zu meinem Leidwesen zugeben, dass ich ein bisschen gelacht habe, aber vielleicht bin ich langsam einfach weichgekocht von all den Videos aus der Basler Regierung 😭. Hier kannst du dir das Video anschauen, es dauert 15 Minuten und zum Glück kriegen auch die Lehrlinge ordentlich Screentime. 

Die Prüfungen dieses Jahr waren übrigens darum ein bisschen besonders, weil der Bundesrat letztes Jahr aufgrund von Covid-19 die Durchführung der praktischen und schriftlichen Qualifikationsverfahren grösstenteils abgesagt hatte. Das schreibt der Gewerbeverband in einer Mitteilung. Gratulationen gehen raus an alle Geprüften 🙌.
Die Kurz-News:
  • Zweieinhalb Jahre nach der feierlichen Eröffnung, kann die St.-Jakob-Halle immer noch nicht benutzt werden. Das Feuerschutzkonzept hat Mängel, die Nutzungsbewilligung steht aus. Die Geschäftsprüfungskommission hat diesen Umstand in ihrem Jahresbericht deutlich kritisiert. Insgesamt wurde die mangelhafte und intransparente Planung von Bauprojekten gerügt. Ausserdem gab es Rüffel für die umstrittenen Abfallkübel am Rheinbord. Hier gehts zur ganzen Schimpfe bei Bajour.
     
  • Die Basler Polizei will diverser und sensibler werden. Das gab die Behörde gestern in einer Mitteilung bekannt. Nach einem ersten Fokus auf Sensibilisierungsmassnahmen im Bereich Racial Profiling soll die Gesamtstrategie auch weitere Aspekte des Polizeialltags, das heisst, auch der Umgang der Beamt*innen untereinander, umfassen. Der Bajour-Ticker hat die News und das allerbeste Gif zum Thema (zweitunterster Themenblock). 
     
  • Der Kanton Basel-Stadt und die ivorische Millionenmetropole Abidjan/Yopougon haben die formelle Grundlage für eine «Städtepartnerschaft im Sinne eines sozialen Engagements» gelegt, wie die Regierung in einer Medienmitteilung schreibt. Im Fokus steht dabei ein Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation und Gesundheitsversorgung vor Ort, sagt die Regierung. Die Partnerschaft ist als Pilotprojekt vorerst auf die Jahre 2021 bis 2024 begrenzt.
Damit könnte dieses Briefing am Ende sein aber halt, meine unrasierten Beine und ein Hot-Take aus der Bajour-Marketing-Abteilung leisten hartnäckig Widerstand: In Kooperation mit dem Tarzan Pop-up Store an der Schneidergasse haben wir nämlich ein paar Textilien in den Basler Fashion Sommer geschleust und wenn du richtig Bock hast auf herzliche Couture, dann kannst du dir hier die ganze Kollektion anschauen. Unklar, ob das mit meinem Gesicht zu tun hat, aber von allen zur Auswahl stehenden Teile wurde ich als Model für die Socken gebucht. Du siehst sie oben auf den Bild. Süss oder? Um herauszufinden, welches Piece am besten zu dir passt, kannst du dich hier durch das Quiz arbeiten oder du gehst direkt in den Tarzan Shop und kaufst denen die Bude leer. Charmanter wirds nicht, meine Zehen lassen grüssen und damit ab in die Schlussrunde mit
Lorys Kulturtipps Nr. 10!
Auf den Donnerstag als Kulturtipp-Tag haben wir uns ja geeinigt. Über die Auswahl von Bajour-Saltbae Lory Roebuck darf selbstverständlich gestritten werden. Aber ich bleibe da aussen vor und serviere nur das Mahl. Heute bestehend aus einem Ausflug ins Autokino zu Pratteln (die Filme sind fast egal, du musst das einfach mal erlebt haben, geht auch ohne Auto), dem Stimmen Festival, das heute beginnt, dem Glaibasler Bluesfest und einem Konzert in der Villa Castelen bei Augusta Raurica mit anschliessendem Podium zu den Themen Musik und Gleichstellung. Es spielen und diskutieren die Rapperin La Nefera und die Schlagzeugerin Béatrice Graf. Moderieren wird Bajour-Tausendsassa Andrea Fopp. Da ist für alle was dabei, oder wie mir ein Regenwurm kürzlich sagte: Dig in. 
🎁 Kultur-Verlosung ✨: Heute gibt es 2 x 2 Tickets für das Konzert mit anschliessender Diskussion in der Villa Castelen in Augusta Raurica zu gewinnen. Das Konzert ist der Auftakt zur musikalischen Reihe Reconnect, die bei gutem Wetter draussen, bei schlechtem im Innern der Villa Castelen stattfindet. Wann? Am Sonntag, 4. Juli um 19 Uhr.

Teilnahmeschluss ist heute um 16 Uhr. Hier kannst du dein Glück versuchen:
🍀mitmachen🍀
Das wars von mir, ich wünsche dir einen frischen Donnerstag!

Mit freundlichen Grüssen,
Daniel Faulhaber
P.S.: Das Nützliche zum Schluss: ZwischenZeit Basel – Veranstalte ein Konzert
Im August, September und Oktober sollen auf verschiedenen Plätzen in Basel Konzerte stattfinden können. Das Projekt heisst ZwischenZeit Basel und wird veranstaltet von Verein Kultur und Gastro, der dafür bei der Regierung lobbyiert hat und dort auch Geld zugesprochen erhielt. 🔥 Jetzt bist du dran 🔥 . Alle lokalen Betriebe (Konzertlokale, Clubs & Bars) aus dem Kanton Basel Stadt sowie frei- und selbstständig schaffende Veranstaltende mit starkem Bezug zur lokalen Szene können sich bis zum 19. Juli für eine Veranstaltung im Rahmen der ZwischenZeit bewerben. Die Infrastruktur stellen die Veranstalter*innen, du organisierst die Bands. HIER kannst du dich bewerben. Klingt so, als könnte das zu einem feinen dezentralen Spätsommerfestival werden. Hoffentlich wird die Anzahl angefragter Dezibel noch nach oben korrigiert. 


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Bajour Clarastrasse 10 4058 Basel Switzerland