15.07.21

Guten Morgen

Ich schalte mich heute ausnahmsweise aus dem Home Office in Norddeutschland zu dir und bekomme den vielen Regen und das Hochwasser deshalb nur aus der Ferne mit. Ich hoffe, dein Keller ist noch trocken und deine Füsse auch. Vielleicht heitert dich der Schluss vom Briefing ja auf. Da erfährst du heute, wie ich neulich ein baseldytsches Wort erfunden habe. Na ja, so halb. 🪄

Aber erstmal zu den News.
Hochwasser in Basel
Der hohe Rheinpegel beschäftigt die Menschen in Basel derzeit, vor allem jene, die regelmässig mit dem Boot oder Schiff unterwegs sind. Auf dem Foto (Keystone/SDA/Patrick Straub) siehst du, wie hoch das Wasser steht.
  • Im Interview mit der BaZ (Abo) spricht der Hydrologe David Volken derweil von einer «heiklen Hochwasserlage». Er geht davon aus, dass der Rhein womöglich noch stärker steigen wird. Der Peak werde erst für Freitagabend kurz vor Mitternacht erwartet, könne sich aber noch verschieben, sagt Volken. Bis sich die Lage beruhigt soll es ausserdem noch dauern, unabhängig davon, wie stark es nächste Woche regnet. Es sei damit zu rechnen, dass die Schifffahrt auch nächste Woche und vielleicht noch länger blockiert sein wird.
     
  • Die BaZ (Abo) hat ausserdem ein Q&A zum aktuellen Hochwasser erstellt. Darin beantwortet sie etwa, wie sich die Behörden auf das Hochwasser vorbereiten (in Riehen mit aufblasbaren Sperren, in Basel vor allem mit Absperrgittern und Sandsäcken) oder wie sich das Hochwasser auf die Trinkwasserversorgung auswirkt (unproblematisch).
     
  • Wie die bz (Abo) berichtet, haben einige Wasserfahrer*innen ihre Weidlinge an Land geholt, etwa der Wasserfahrverein Horburg und der Rhein-Club Breite. Sie wollen verhindern, dass der Strom ihre teuren Boote mitreisst. Andere Vereine sichern ihre Weidlinge mit zusätzlichen Seilen, lassen sie aber auf dem Rhein. Wie die bz schreibt, ist die Situation auch für die Fährimänner und Fährifrauen nicht einfach. Teilweise würden die Pächter*innen nachts den Pegelstand des Rheins kontrollieren und bei Bedarf bei ihrer Fähri nach dem Rechten sehen. Belastend sei zudem, dass sie momentan kein Geld verdienen können.

Einspruch gegen Bauvorhaben
Das SRF-Regionaljournal und die Basler Zeitung (Abo) berichten über einen neuen Vorstoss mehrerer Politiker*innen, die sich dafür einsetzen, dass gegen Bauprojekte künftig erleichtert Einspruch erhoben werden kann. Unter anderem Beat Leuthardt, Grossrat für das Grün-Alternative Bündnis und Co-Geschäftsleiter des Mieterverbands Basel, macht sich dafür stark, dass sich Menschen aus dem Quartier einen Einspruch künftig besser leisten können.

Was etwas sperrig klingt, lässt sich ganz gut am Fall der Pizzeria «Da Gianni» in St. Johann erklären. Das Gebäude, in dem sich das Restaurant befindet, soll zugunsten eines Neubaus abgerissen werden. Der Quartierverein hatte mit einem Einspruch versucht, die Pizzeria zu retten. Genauso der Mieterverband. Beide zogen ihren Einspruch zurück, weil das Verfahren zu teuer gewesen wäre. Denn wer bei der Baurekurskommission verliert, muss die Anwaltskosten der Gegenseite, in diesem Fall des Investors, tragen. Leuthardt und Co. wollen deshalb, dass diese Kosten wegfallen, und bei einer Niederlage nur die eigenen Anwalts- und Gerichtskosten getragen werden müssten. Gerade bei grossen Immobilienfirmen herrsche ein finanzielles Ungleichgewicht zwischen Quartiersbewohner*innen und Gegenseite, argumentieren Leuthardt und seine Mitstreiter*innen, darunter auch Bürgerliche wie Thomas Müry (LDP). 
 
Gegenwind bekommt Müry aus seiner eigenen Partei. Patricia von Falkenstein, Präsidentin des Hauseigentümerverbands Basel-Stadt sowie der LDP, befürchtet, es würde durch die neue Regelung eine Flut von Einsprüchen geben, Bauprojekte würden dadurch verzögert. Ausserdem müsse Basel-Stadt aufpassen, durch Massnahmen wie diese nicht die Investor*innen zu vertreiben, sagt sie gegenüber dem Regionaljournal. Weitere Argumente beider Seiten findest du ausserdem in der BaZ. Bald wird das Thema dann im Grossen Rat diskutiert.

Die aktuellen Corona-Zahlen:

Der Kanton Basel-Stadt meldete gestern 29 Neuinfektionen, so viele wie schon seit mehr als zwei Monate nicht mehr. In Baselland erhielt die Statistik kein Update, vorgestern waren es 18 neue Fälle. Weiterhin bleibt es wichtig: wenige Menschen treffen, Abstand halten, Masken tragen, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen

Die Kurz-News:
  • Autofreie Güterstrasse: Grünen-Grossrat Oliver Thommen möchte die Güterstrasse im Gundeli von Autos befreien. Mit einem Vorstoss fordert er den Regierungsrat auf, zu prüfen, ob der Abschnitt zwischen Meret Oppenheim-Platz und Tellplatz künftig weitgehend autofrei sein kann, berichtet die bz (noch nicht online). Damit soll das Quartier attraktiver werden. CVP-Grossrätin Beatrice Isler gibt gegenüber der Zeitung zu bedenken, man müsse zuerst mit der Quartiersbevölkerung sprechen und den Bedarf klären.
     
  • Wieder mehr Passagiere am EuroAirport: Die gelockerten Corona-Massnahmen machen sich beim EuroAirport bemerkbar: Die Passagierzahlen steigen wieder. Stand heute rechne man mit rund drei Millionen Passagieren in diesem Jahr, zitiert Telebasel die Mediensprecherin. Das sei mehr als im Vorjahr, liege aber deutlich unter dem Rekordwert.
     
  • Bevölkerungswachstum: Das Statistische Amt Basel-Stadt hat drei Szenarien berechnet, die den möglichen Bevölkerungszuwachs im Kanton zeigen sollen. Bis ins Jahr 2045 rechnen die Statistiker mit einem Zuwachs um 11 Prozent bzw. 22'000 Einwohner*innen, schreibt die bz. Vor allem im Kleinbasel soll die Bevölkerung in den kommenden 25 Jahren stark wachsen.
Unterhaltungstipp: 
Egal ob Rockröhre, Spass mit den Kids oder Jazz. Lory hat in seinen Kulturtipps mal wieder ein buntes Programm für dich zusammengestellt. Am besten gefällt mir allerdings sein Chill-Tipp. Lorys Meinung nach lässt es sich nämlich am besten im neuen Lido Basel chillen. Zumindest, wenn das Wetter gut ist, ansonsten bleibt es geschlossen. Das neue Lido auf dem Lysbüchelareal habe eine entspannte Atmosphäre mit Buvette, Volleyball, Petanque und Padeltennis, schreibt Lory. Ich finde, das klingt super. Also warten wir den nächsten Schauer ab und chillen dann im Lido! 🙏☀️

Ich wünsche dir einen fabelhaften Donnerstag! Ich bin ab nächster Woche in den Ferien, wir sehen uns im August wieder. Versprochen. 🏝

Herzlich
Ina
 
P.S.: Das Nützliche zum Schluss

Vor lauter Home Office brauche ich manchmal Auslauf wie eine träge Hundedame. Und dann gehe ich «die grosse Runde». Das bedeutet für mich: Start in St. Johann über die Johanniterbrücke, dann den ganzen Weg am Rhein entlang durchs Hafengebiet, bis nach Weil am Rhein. Von dort geht es weiter über die Dreiländerbrücke nach Frankreich und dann am Rhein zurück bis zum St. Johanns-Park und das letzte Stück nach Hause. Diese Strecke hat für mich etwas Beruhigendes, dank dem Rhein als stoischem Begleiter. Gerade bei nicht ganz so tollem Wetter, wenn kaum etwas los ist. Und ja, den Weg bin ich auch schon im strömenden Regen gegangen und es hat gut getan. Unterwegs kann man den Regen so richtig schön verfluchen, zwischendurch verzweifelt lachen und dann weitertraben. Dann freut man sich auch wieder aufs Zuhause. Und was ist deine «grosse Runde»? Mich würde sehr interessieren, wo du spazieren gehst für genügend Auslauf. 🐶

Übrigens: Letzte Woche empfahl ich dir, alte (Sonnen-)Brillen zu spenden. Einige Leser*innen schrieben mir, dass dies bei vielen (womöglich allen) Optiker*innen möglich sei in Basel, etwa bei Beyeler Optik oder Ramstein Optik. Auch bei Apollo in Weil am Rhein gebe es eine Abgabemöglichkeit. Du musst deine Brillen also nicht extra nach Deutschland schicken.

Und noch ein Hinweis: Fauli empfahl gestern, Gummistiefel beim Landi zu kaufen. Der nächste Laden ist allerdings in Aesch (Tramhaltestelle Arlesheimerstrasse) und nicht in Reinach, wie er schrieb. 

P.P.S.: Baseldytsch mit Ina
Als Kind habe ich immer mitgesungen, wenn Musik im Radio lief. Meistens waren es Lieder mit englischem Text und ich hatte keine Ahnung, was ich da höre beziehungsweise singe. Meine grossen Cousinen müssen heute noch darüber lachen – ganz offensichtlich habe ich die Texte nicht richtig wiedergegeben, sondern in irgendeiner eigenen Fantasie-Sprache geträllert.

Daran musste ich denken, als ich letztens ein Interview transkribiert habe. Beim Abhören stiess ich auf ein baseldytsches Wort, das ich mir einfach nicht übersetzen konnte. Gleichzeitig war ich mir nicht sicher, ob ich es richtig verstanden hatte. Ich hörte Folgendes raus: «wie e verbaffketzter Typ.»

Ich war der Überzeugung, es müsse irgendein abgefahrenes Adjektiv sein, dass nur die eingefleischten Basler*innen kennen. Die Google-Suche brachte mich nicht weiter. Verbaffketzter, nochmal! Als Schimpfwort funktioniert es zumindest gut.

Schliesslich teilte ich die entsprechende Aufnahme im Redaktions-Chat: Was hört ihr?

Ich habe schon lange nicht mehr so viele Lach-Emojis gesehen, so viel steht fest. Denn wie Fränzi richtig feststellte, sagte die Person eigentlich: «wie e vom Aff ghetzter Typ.» 😂🙈 Also ich finde «verbaffketzter» ist auch ein schönes Wort, nämlich mein ganz eigenes.


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