23.10.2020

Franziska ZambachGuten Morgen 

Bald ist Wochenende. Die Euphorie darüber ist aber in diesen Zeiten ein wenig getrübt. Gehst du am Abend noch was trinken? Oder lässt du's momentan lieber sein?

Ich habe mir in den vergangene Tagen zweimal einen Feierabenddrink gegönnt. Und beide Male haben die Barkeeper sich regelrecht bei mir bedankt, dass ich mich noch «traue», ihr Lokal zu besuchen. Das war schon ein komisches Gefühl.

Die Gastrobranche serbelt

Es ist offensichtlich. Die Gastrobetriebe leiden. Marcel Colomb, Gitarrist der Band Bitch Queens und SP-Grossratskandidat ist Mitglied der überparteilichen Lobby Kulturstadt Jetzt. Er warnt: «Die Nachtkultur braucht Hilfe, sofort!»

Im Bajour-Interview liest er der Basler Regierung die Leviten. Bei der extra gegründeten «Taskforce Nachtkultur» des Kantons sei einiges schief gelaufen. «Im Frühling waren wir alle überrumpelt, ja, aber jetzt müsste doch allen klar sein, dass eine zweite Welle kommt. Es muss einen Plan geben und Abfederungsmassnahmen, von beidem habe ich in den vergangenen Tagen nichts gehört», beklagt er. Und auch in Sachen Kommunikation hätten die Behörden versagt.

Das ganze Interview kannst du hier lesen 👉 bajour.ch/colomb 

Wir haben Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann mit den Vorwürfen konfrontiert und warten auf Antwort.

Lockdown mit allen Mittel verhindern

Der Basler Gewerbedirektor Gabriel Barell bläst in ein ähnliches Horn. Er kritisiert den Kanton, weil dieser die sozialen Auswirkungen und die Sorgen des Gewerbes in der zweiten Welle vernachlässige. Speziell die Gastrobetriebe und der Eventbereich würden leiden. «Für die Bars und Clubs sind die aktuellen Auflagen ein Schock und gleichen einem Öffnungsverbot.»

Es dürfe auf keinen Fall einen Lockdown geben, meint Barell. Er will mit allen Mitteln den Konsum aufrechterhalten. Da sei auch der eingeschränkte Weihnachtsmarkt willkommen. Auch wenn es nur ein Tropfen auf den heissen Stein sei. 

Das ganze Interview findest du hier 👉 bajour.ch/barell

Schweiz ist Risikogebiet – Basel hat Sonderrechte 

Deutschland hat die gesamte Schweiz zum Corona-Risikogebiet erklärt, wie «SRF» berichtet. Das bedeutet für Schweizer*innen: Wer nach Deutschland will, muss 14 Tage in Quarantäne oder einen negativen Corona-Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Ausgenommen von dem Beschluss sind die Grenzkantone, darunter Basel-Stadt und Baselland. Basler*innen sind von der Quarantäne- und Testpflicht ausgenommen, solange sie nicht länger als 24 Stunden in Deutschland bleiben.

Damit du auf dem Laufenden bleibst, was der erneute Anstieg der Fallzahlen für Kultur und Gesellschaft konkret bedeutet, haben wir einen Übersichtartikel erstellt, der laufend aktualisiert wird. Schau mal rein 👉 bajour.ch/diezweitewelle
Die Corona-Zahlen im Überblick

Kommen wir zu den aktuellen Fallzahlen. Neu zeigt unsere Grafik sowohl Neu-Ansteckungen pro Tag und Kanton (Balken) als auch die 14-Tage-Inzidenz pro 100'000 Einwohner*innen (Kurve). Im Baselbiet wurden innert 24 Stunden 75 Personen positiv auf das Virus getestet, in Basel-Stadt waren es 66.
Wir wollen, dass die Kurve wieder abflacht. Denke deshalb ans Händewaschen, trag eine Maske 😷, halte den nötigen Abstand zu anderen Menschen und installiere und nutze die SwissCovid-App
Hilfe bei der Swisscovid-App

Am 21. Oktober starteten wir einen Angriff auf Covid-19 nach dem Motto: Gemeinsam besiegen wir Corona! Und zwar haben wir die hilfsbereiten Basler*innen unserer «Gärn Gschee»-Facebookgruppe gebeten, dabei zu helfen, dass mehr Menschen sich die Swisscovid-App herunterladen.

Und es gab Tonnenweise Hilfsangebote! Bajour-Reporterin Adelina und Community Manager Christo stellen euch ein paar der freiwilligen Helfer*innen vor. Mit einem Klick aufs Bild, gelangst du zum Artikel.
Hilfe für minderjährige Asylbewerber*innen

Die Non-Profit-Organisation familea hat sich letzte Woche bei uns gemeldet: Sie suchen ganz dringend nach Pflegefamilien für UMA (unbegleitete minderjährige Asylbewerber*innen). Die Anforderungen variieren je nach Fall, aber grundsätzlich braucht es dafür Offenheit für andere Kulturen, Flexibilität und Geduld.

Wenn du Lust hast, dich zu engagieren, kannst du dich bei der familiea melden. Angaben dazu findest du auf ihrer Webseite, per Mail oder direkt unter dieser Nummer: 061 260 83 80

Es wäre schön, wenn die Bajour-Community hier einen Beitrag leisten könnte. ♥

Zum Thema Solidarität empfehle ich dir gerne noch das Interview mit dem Basler Kantonsarzt Thomas Steffen in der «BaZ» (Paywall). Er sagt mit einem Blick in die Vergangenheit: «Epidemien wurden immer dann gut überwunden, wenn eine gewisse Solidarität mitspielte.»
Aber genug Corona 😳, Basel-Stadt bewegen auch noch andere Themen. Zu den Kurznews:
  • Das Bettelverbot soll wieder kommen | Der Grosse Rat will das Bettelverbot wieder einführen. Er hat am Mittwoch eine Motion der SVP überwiesen. Den Ausschlag für das Ja gaben die drei GLP-Stimmen. Wir wollten von GLP-Aushängeschild und Regierungskandidatin Esther Keller wissen: «Was haben Sie sich dabei gedacht?» Hier sind ihre Antworten 👉 bajour.ch/keller
  • Nächste «Nazifrei»-Demo angekündigt | Noch immer sind zig Strafprozesse offen gegen Teilnehmer*innen der «BaselNazifrei»-Demo vom November 2018. Jetzt hängen in der Stadt wieder Plakate, die für eine weitere «Nazifrei»-Demo werben, schreibt «Primenews» (Paywall). Stattfinden soll sie am 28. November 2020 auf dem Theaterplatz. Bei der Polizei habe man Kenntnis von dem Aufruf, sagt Toprak Yerguz, Sprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements. Ein Gesuch sei bisher allerdings noch nicht eingegangen.
  • Homosexuelles Paar angegriffen | Zwei Männer wurden in der Joggeli-Lounge an der Lehenmattstrasse zusammengeschlagen. Der «bz» erzählen sie, wie sie grundlos angegriffen wurden. Sie vermuten, dass die Angreifer, homophob waren. Von der Polizei fühlen sie sich im Stich gelassen. Jetzt haben sie sich an die Organisation Pinkcross gewandt und hoffen auf Aufklärung des Falles.
  • Jodel-Event abgesagt | Co-Briefer Samuel hat es gestern prophezeit: Die Baselbieter Gemeinde Therwil hat den Jodel-Event, der in einer Woche hätte stattfinden sollen, doch noch abgesagt. Es ist jene Veranstaltung, die sich im Kanton Schwyz zu einem Superspreader-Event entwickelt hat. Die Gemeinde kommt nach Medienberichten zum Schluss, dass das Sicherheitskonzept in der Mehrzweckhalle in Therwil doch nicht verhebt, schreibt die «bz».
  • Maskenpflicht an Basler Schulen | Das Basler Erziehungsdepartement hat neue Massnahmen für den Schulbetrieb beschlossen, wie die «bz» berichtet. Neu müssen Schüler*innen auch während des Unterrichts Masken tragen, das betrifft auch Lehr- und Fachpersonen. Ausserdem wird der Sportunterricht angepasst und Lager werden bis Ende Jahr nicht mehr durchgeführt.
  • FCB Frauen kämpfen für Gleichberechtigung | Während die Männer des FC Basel sich damit abfinden müssen, dass sie (wenn sie zurück aus der Quarantäne sind) wieder nur vor 1000 Zuschauer*innen spielen dürfen, ärgern sich die FCB Frauen. Weil sie auf dem FCB-Campus spielen und dort keine Zuschauer*innen zugelassen sind, spielen sie seit Monaten vor leeren Rängen. Jetzt fordern sie lautstark auf Social Media: «Gleichberechtigung!», berichtet die «bz».
Unterhaltungstipp: Die Herbstmesse kann leider nicht stattfinden. Trotzdem läutet Messeglöckner Franz Baur am Samstag um punkt 12 Uhr das 550-Jahre-Mäss-Jubiläum ein. Corona-bedingt wird auf den öffentlichen Anlass auf dem Martinskirchplatz verzichtet. Dafür steht das Riesenrad 🎡 auf dem Münsterplatz bereit und daneben gibt es Herbstmesse-Spezialitäten von der Confiserie Madeleine & Urs Wolf. Während den nächsten zwei Wochen werden wir dir täglich einen Herbstmesse-Tipp mitgeben. So kannst du trotzdem ein bisschen Mäss-Luft schnuppern. 

Mäss-Tipp #1: Schau am Samstag beim Flying Tiger am Märtplatz vorbei. Dort haben «die guete Fraue mit de schöne Wulle-Socke» einen Stand aufgestellt.
Ich wünsche dir ein schönes coronafreies Wochenende.

Herzliche Grüsse,
Franziska

PS: Das Nützliche zum Schluss: 
Am Sonntag wählt Basel-Stadt Regierung und Parlament neu. Da im Congress Center die Platzzahl auf 100 Personen beschränkt ist, werde ich die Wahlen von zuhause aus verfolgen. Damit es so richtig gemütlich wird, bestelle ich einen frischgebackenen Zopf von der Pfadi St. Martin-Ursula. Und ich empfehle dir, es mir gleichzutun. Alle Infos siehst du hier auf dem Flyer. Bestellschluss ist heute Nacht. Und dein Zopf (300 oder 500g) wird dir am Sonntag vor die Haustüre geliefert – und zahlen kannst du, was dir der frische Zopf wert ist.

Bajour
Clarastrasse 10
4058 Basel
Switzerland