28.06.21

Guten Morgen

Heute Abend spielt die Schweiz im EM-Achtelfinal gegen den amtierenden Weltmeister Frankreich.  Optimist*innen können viel Geld gewinnen; die Wettquoten stehen 7-zu-1 gegen uns. Anpfiff ist um 21 Uhr, wenn du das Spiel gemeinsam mit anderen schauen möchtest, dann habe ich weiter unten einen Tipp für dich. 

Hopp Schwiiz braucht es aber derzeit nicht nur auf dem Fussballplatz⚽, sondern auch in der Forschung🎓. Bundespräsident Guy Parmelin (SVP) sagte es im Interview mit der Schweiz am Wochenende (Paywall, aber gratis bei Watson) klipp und klar: "Dass die Schweiz beim EU-Forschungsprogramm Horizon Europe als Drittstaat eingestuft wird, wäre sehr bedauerlich, aber auch keine Überraschung. Es war im Bundesrat bewusst, dass dieses Risiko besteht, als wir uns für den Abbruch der Verhandlungen entschieden haben."

Prime News hat bei der Uni Basel und beim besonders betroffenen Friedrich Miescher Institut (FMI) nachgefragt, was eine Nicht-Teilnahme am wichtigsten europäischen Forschungsprogramm bedeuten würde. «Wenn die Schweiz von Horizon Europe ausgeschlossen wird, so wird es in Zukunft äusserst schwierig sein, gute Forscherinnen und Forscher an die Universität Basel zu berufen», sagt Uni-Rektorin Andrea Schenker-Wicki. Und FMI-Sprecherin Isabelle Bauman sagt: Werde die Schweiz definitiv von «Horizon Europe» und damit vom «ERC Grant»-Wettbewerb ausgeschlossen, werde der Standort weniger attraktiv für Talente aus der ganzen Welt. Hier geht es zu Prime News.

Die LDP Basel-Stadt hat sich gestern per Medienmitteilung in die Diskussion eingeschaltet. Die Partei setze sich national und kantonal dafür ein, dass die Schweiz weiterhin am EU-Forschungsprogramm teilnehmen könne. "Für den akademischen Nachwuchs und den Forschungsstandort Schweiz ist dies essentiell", schreibt die Parteileitung. Und: "Es müssen alle Massnahmen getroffen werden, um rasch eine Korrektur des heutigen Zustands zu erreichen."

Um Bildung und Geld geht es heute auch bei Bajour.
Student*innenjobs wie das Bedienen der Garderobe am Theater oder Aushelfen in einer Bar waren die ersten, die wegen Corona weggebrochen sind. Und doch blieben die Studierenden bisher unter dem Radar – auch der Vorstoss für finanzielle Unterstützung, eingereicht von der Basler SP-Ständerätin Eva Herzog, wurde vergangene Woche abgeschmettert. Was bedeutet das für die Student*innen? Bajour-Reporterin Adelina hat mit vier von ihnen gesprochen, hier die Geschichte von Ann (23), die ihr Geld während des Studiums als Schwimmlehrerin und Büroassistentin verdiente. «Im Oktober des letzten Jahres, ich war gerade auf dem Weg zur Arbeit, klingelte mein Telefon: Das Unternehmen hätte Corona-bedingt das Budget kürzen müssen und könne mich deshalb nicht weiter beschäftigen. Weil ich nur im Stundenlohn angestellt war, konnten sie mir kurzfristig kündigen. Das war ziemlich beängstigend für mich. Von einem Tag auf den anderen musste ich mir überlegen: Wie finanziere ich mich jetzt?» Antwort in kurz: sie hatte Glück und begann, ab November als Stellvertreterin an einer Schule zu arbeiten. Antwort in ausführlich + drei weitere Geschichten aus Student*innenleben, die wegen Corona plötzlich umgekrempelt wurden 👉hier.
Weiter mit Salome Lang. Die Baslerin hat gestern an der Leichtathletik-Schweizermeisterschaft ihren eigenen Schweizerrekord im Hochsprung überboten (1.97 Meter). Regionaljournal-Journalist Lionel Mattmüller (Körpergrösse: 193 cm) musste im Interview als erstes feststellen, dass Lang ihn mit ein bisschen Anlauf überspringen könnte. «Das Problem ist, der Kopf ist dicker als die Latte, also wahrscheinlich hättest du die Füsse im Gesicht, aber ja, würde gehen», war der Auftakt zu einem munteren Gespräch. Hier kannst du es nachhören, und wenn nicht, dann schau dir zumindest den Rekord-Sprung als .gif an. 
Im Stadtcasino sassen die Stars des Abends gestern in den Zuschauerrängen: Die neuen Corona-Lockerungen machten es möglich, dass die Basel Sinfonietta vor bis zu 1000 Leuten spielen durfte. Ganz so viele waren es dann doch nicht, weil alles sehr schnell gehen musste, wie Chefdirigent Baldur Brönnimann gegenüber dem Regionaljournal sagte. Wie es war, kannst du im Livestream nachschauen – die Freude von Musiker*innen und Zuschauer*innen ist schon beim Begrüssungsapplaus spürbar. 

Apropos Normalisierung, hast du Bammel vor der Rückkehr ins Büro? Pauline hat für Bajour mit einem Psychologen gesprochen und ihm sechs Tipps für Arbeitgeber*innen und -nehmer*innen entlockt. Zum Artikel.

Weiterhin tiefe Fallzahlen und gute Fortschritte beim Impfen, aber Achtung, die Delta-Mutation kommt (wie man aktuell sehr gut auf dem Twitter-Feed von Tagesanzeiger-Datenjournalist Marc Brupbacher verfolgen kann). Deshalb bleibt wichtig: Impfen, Maske tragen, wenige Menschen treffen, Abstand halten, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen

Die Kurz-News aus der Region:
  • Dem Boxclub Basel droht die Verbannung vom Kasernenareal, schreibt die bz (Paywall). Offenbar spielt der Club, der 2015 mit dem Integrationspreis der Stadt Basel ausgezeichnet wurde und der seit 50 Jahren im Kasernenareal beheimatet ist, bei der weiteren Planung des Areals keine Rolle. Cheftrainer Angelo Gallina sieht einen Umzug kritisch: "Von den rund 150 Kindern, die regelmässig das Training besuchen, kommen die meisten aus der unmittelbaren Umgebung."
  • Am frühen Sonntagmorgen wurde eine junge Frau bei der Heuwaage von drei Unbekannten sexuell belästigt. Als sie den Lohweg durchquerte, habe einer der drei Männer begonnen, sie unsittlich anzufassen, schreibt die Staatsanwaltschaft. Als zwei Passanten intervenierten, habe die junge Frau flüchten und sich in einem Gebüsch verstecken können. Die Täter konnten noch nicht gefasst werden. Wenn du den Vorfall beobachtet hast, dann melde dich bei der Kriminalpolizei: Tel. 061 267 71 11.
Unterhaltungstipp:
Heute ist Schweiz-Deutschland und deshalb auch von mir ein Public-Viewing-Tipp: Suche nicht die angesagtesten Plätze, sondern gehe auf Entdeckungstour. Das habe ich am Samstag vor einer Woche bei Portugal-Deutschland getan und bin auf dem Dorfplatz von Birsfelden gelandet (nachdem alles am Rhein völlig überfüllt und auf der Kraftwerkinsel geschlossene Gesellschaft war). Birsfelden Dorfplatz war nicht das unvergleichbare Erlebnis, aber gerade deshalb ein Tipp wert: kalte Getränke ohne anstehen und als Familien-Bonus ein Spielplatz gleich nebenan. Wie gesagt, es muss keineswegs Birsfelden sein, aber halt einfach das Public Viewing um die Ecke.

Und dann noch zum Vormerken für Sonntag und vier weitere Sonntage im Sommer (und damit du früh genug bist im Vorverkauf): Auf dem Landgut Castelen, gleich neben dem Museum Augusta Raurica, gibt es kulturell-musikalische Begegnungen zwischen Musikschaffenden und Journalist*innen. Den Auftakt diesen Sonntag machen die Schlagzeugerin, Komponistin und Schweizer Musikpreisträgerin 2019 Béatrice Graf und Empowerment-Rapperin und Förderpreisträgerin 2020 La Nefera, die mit Bajour-Chefredaktorin Andrea Fopp sprechen. Tickets für die Veranstaltung (19 bis 21.30 Uhr) gibts hier, alle weiteren Informationen zur ganzen Veranstaltungsreihe unter theater-augusta-raurica.ch.


Ich verabschiede mich in die Sommerferien☀️😎🏄 . In der ersten August-Woche schreibe ich fünf Briefings am Stück, aber bis dann trete ich ein wenig kürzer.

Geniess die Zeit, liebe Grüsse, 
Samuel
Das Nützliche zum Schluss:
Ich weiss nicht mehr wo, aber ich habe im Frühling eine Nachhaltigkeits-Werbung von Birkenstock gesehen. Gemerkt habe ich mir, dass es einen Reparatur-Service gibt, der sich auch aussichtslosen Fällen annimmt. Und ein solcher Fall waren meine Finken definitiv (Bild links, Homeoffice hat ihnen den Rest gegeben). Also habe ich sie eingeschickt (ging gerade noch als Maxi-Brief durch für 9 Franken) an die Adresse: 

Birkenstock GmbH & Co. KG Services
Rheinstraße 10
D-53560 Vettelschoß

Was dann geschah, ist wie aus einem anderen Jahrhundert. Ich erhielt einen Brief mit Kostenvoranschlag (alles ersetzen, ausser Schnallen und Lederriemen, kostet 45.21 Euro inkl. Versand) und dann noch einen Brief, weil ich nicht geantwortet habe (ich habe einfach das Geld überwiesen). Und einige Wochen später dann die reparierten Finken, wirklich, wie neu (aber auch fast zum Neupreis). Also kein Schnäppchen, aber definitiv nachhaltig und ein Erlebnis dazu. 
Und hier noch "Rechnen mit Sämi", heute gehts um natürliches Wachstum. Die neue Basler Baudirektorin Esther Keller (Grünliberale) will entlang der Margarethenstrasse eine Allee aus hohen Bäumen wie zum Beispiel Linden, Eichen oder Platanen erstellen. Vor allem aber will sie, dass nicht mehr über die längst beschlossene Fällung von 17 gesunden Kugelahornen gesprochen wird, weil ja als Ersatz eben noch höhere Bäume kommen sollen. Das Schema zeigt, dass diese Bäume dereinst dreimal so hoch wie ein Tram oder siebenmal so hoch wie ein durchschnittlicher Passant (1,78 für CH-Männer) sein sollen. Frage nun: mit welcher jährlichen Geschwindigkeit müssten die Bäume wachsen, damit Keller, Jahrgang 1984, dereinst als frisch pensionierte 70-Jährige darunter promenieren könnte? Als Annahmen gebe ich noch mit auf den Weg, dass die Eichen 2024 als zwei Meter hohe Jungbäume gepflanzt werden . 

Ich freue mich über Feedback und Lösungsvorschläge, am besten im Mailprogramm direkt auf "antworten" klicken. Und ich schulde dir noch die Antwort vom letzten Mal, es ging ums Impfen und darum, wie viele Dosen in Basel verabreicht werden dürften, wenn im weltweiten Gleichschritt geimpft würde. Unter zahlreichen richtigen Antworten war jene von Jürgen, er schreibt: «Wenn man weltweit im Gleichschritt impfen würde, dürften im Moment in Basel 543 Impfungen pro Tag gesetzt werden. Allerdings müsste man wahrscheinlich zunächst alle Impfungen hier für Monate sistieren bis die Länder aufgeholt haben, die bisher noch gar keine oder nur wenige Impfdosen bekommen haben.»


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