01.06.21

Guten Morgen

 

Wie geht es den Beizer*innen, jetzt, wo sie endlich wieder Gäste in ihren Innenräumen empfangen dürfen? Dieser Frage ist die BaZ bei einer Tour durch die Stadt nachgegangen. Ganze 189 Tage, sprich 27 Wochen, waren die Basler Restaurants und Bars geschlossen. Der grosse Ansturm blieb am Montag aber aus. Die meisten Gäste sassen lieber draussen in der Sonne. In den Innenbereichen waren kaum Besucher*innen anzutreffen, schreibt die BaZ (Abo)
Das hat einerseits sicher mit dem angenehmen Wetter zu tun und andererseits aber auch damit, dass sich viele noch im Homeoffice befinden. Den Stand-Betreiber*innen in der Markthalle vermiest das aber nicht die Laune. Sie sind einfach unheimlich froh, dass sie wieder Gäste empfangen dürfen. «Es geht wohl noch ein paar Tage, bis die Leute zurückkommen. Aber wir freuen uns!», so der Koch des Carribean House. 

Bis gestern Montag war es übrigens für Unternehmen ausserdem möglich, beim Kanton finanzielle Unterstützung zu beantragen. 87.1 Millionen Franken an Hilfsgeldern hat Basel bisher ausbezahlt. Wenig überraschend: Ein grosser Teil davon ging an die Gastronomie, nämlich 31.7 Millionen Franken. Das entspricht 36.4 % des Gesamtbetrags. Der Gastronomie-Bereich ist es auch, der leider hohe Arbeitslosenzahlen verzeichnen musste. Seit Beginn der Corona-Pandemie im Februar 2020 hat sich die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen im Gastgewerbe verdoppelt.  Das schreibt die bz heute (Abo). Auch sie haben sich am ersten Tag der Öffnung der Innenräume auf eine Tour durch die Basler Restis gemacht und festgestellt, dass die Gäste im Moment noch lieber im Freien sitzen, dass das aber die Euphorie der Beizer*innen nicht dämpfen kann. Mehr dazu liest du hier (Abo).
Jetzt haben wir den Salat. Ok, sorry für das schlechte Wortspiel, aber es war eine Steilvorlage: SP-Regierungsratspräsident Beat Jans wehrt sich mit einem Schreiben an Bundesrat Ueli Maurer (SVP) gegen ein neue Zollrichtlinie, die am 1. Januar 2022 in Kraft treten soll. Für Basler Gastronomiebetriebe wird es ab dann nicht mehr möglich sein, lokales Gemüse frisch vom Hof aus Südbaden zu beziehen.

Bis jetzt war es nämlich so, dass die Lieferung landwirtschaftlicher Produkte aus grenznaher Produktion kaum an bürokratische Hürden gebunden war, sondern durch ein vereinfachtes Zollverfahren eingeführt werden konnte. Jans hat den Staatsrechtsprofessor Markus Schefer damit beauftragt, ein Gutachten zu dem Fall anzufertigen. Eine Anpassung der Zollrichtlinien brauche es nicht, so Schefer. Die bisherige Praxis verstosse das Gesetz in keiner Weise. 

Jans fürchtet, dass bei einer Umsetzung der neuen Zollbestimmungen, die Basler Betriebe darauf angewiesen wären, ihr Gemüse von weiter weg zu importieren. Das wäre «ökologischer Blödsinn», sagt Jans. Darum hofft er, dass sein Appell an den Bundesrat Wirkung zeigen wird. 

Hier geht's zur weiterführenden Lektüre in der bz (Abo) und BaZ.
Werfen wir einen Blick auf die Corona-Zahlen und den Impf-Fortschritt und in Basel: 

Basel-Stadt vermeldete gestern zum ersten Mal seit acht Monaten Null Neuinfektionen. Baselland verzeichnete gestern Montag 9 neue Fälle. Das sind Good News. Aber weiterhin gilt: Maske tragen, wenige Menschen treffen, Abstand halten, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen

Da wir bereits beim Thema sind: Meine beiden Kolleginnen Ina Bullwinkel und Andrea Fopp haben Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (Mitte) zum Interview getroffen und mit ihm über die Basler Impfstrategie, Kommunikationspannen und Corona-Massnahmen gesprochen. Andrea und Ina haben nichts ausgelassen und Engelberger ordentlich auf den Zahn gefühlt. 

Hier ein Ausschnitt: 

Anfang März gab Ihr Departement bekannt, dass alle Basler*innen, die sich Anfang März registriert haben, bis Ende Mai mit der ersten Impfung rechnen können. Und wenige Tage später hiess es plötzlich, man müsse jetzt doch bis Ende Juni warten. Herrscht ein wenig Chaos im Gesundheitsdepartement?

Also ich kann dem nichts Chaotisches abgewinnen. Richtig ist, wie Sie sagen: Wir haben am 17. Mai die Ankündigung bekommen, dass wir auch für unter-50-Jährige öffnen und dass wir nach Reihe der Registrierung impfen. Bis jetzt (Stand 31. Mai) haben die einen Termin bekommen, die sich bis und mit 5. März angemeldet haben. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir falsche Versprechungen gemacht haben.

Das war nicht die einzige Kommunikationspanne. Nach den Frühlingsferien bekamen die Eltern am Sonntag vor Schulbeginn einen Brief, dass ihre Kinder neu auch mit leichten Erkältungssymptomen zu Hause bleiben müssen. Zwei Wochen später musste das Erziehungsdepartement wieder zurückbuchstabieren.

Ich habe ein bisschen Mühe nachzuvollziehen, was da als so neuartig angekommen ist. Es war immer so, dass man ein erkältetes Kind nicht in die Schule schickt.

Wissen Sie was, Herr Engelberger, es geht uns gar nicht um jedes einzelne Detail. Aber die Leute sind müde und hängen sich an jede Aussage von den Behörden. Wir fragen uns, ob Ihre Kommunikation dieser sensiblen Stimmung gerecht wird. 

Also, Sie sind jetzt die Ersten, die mir dieses Chaos so auftischen, das ist ansonsten nicht meine Wahrnehmung.

Das ganze Interview liest du hier.

Die Kurz-News aus der Region:
  • Abstimmung: Am 13. Juni stimmt die Schweiz über eine Reihe von Vorlagen ab. Unter anderem über das Bundesgesetz über polizeiliche Massnahmen zur Bekämpfung von Terrorismus, kurz PMT. Die Vorlage sorgt für eine menge Kritik, besonders bei den Jungparteien. Nun meldet sich der frühere Basler Polizeikommandant Markus Mohler in der BaZ (Abo) zu Wort. Das PMT verstosse gegen die Menschenrechte, so Mohler. «Ich bin für eine wirkungsvolle Terrorismusbekämpfung, aber mit diesem Gesetz gelingt dies nicht; es wird vom Rechtsstaatlichen her richtig ungemütlich in der Schweiz», sagt er.  
  • Spitalliste: Stephan Fricker ist der Präsident der Basler Privatspitälervereinigung. Im Interview mit der bz nimmt er Stellung zur Spitalliste der beiden Basel, die ab 1. Juli gilt. «Gewinner sind die grossen öffentlichen Spitäler, Verlierer sind die privaten Spitäler. Die Gleichbehandlung ist nicht gegeben», sagt er.  
  • Joggelihalle: Die Sanierung der St. Jakobhalle kostet nochmal elf Millionen Franken mehr. Das habe unter anderem mit Sicherheitsmängeln zu tun, die noch behoben werden müssten. Patrick Hafner, ehemaliger Grossrat (SVP) und MItglied der Geschäftsprüfungskommission ist darüber nicht besonders erfreut, schreibt die bz. 
Unser Kulturredaktor Lory Roebuck hat sich für dich den Film «Arada» des Basler Regisseurs Jonas Schaffter angeguckt. In senem Film begleitet Schaffter drei Männer, die aus der Schweiz ausgewiesen wurden und in der fremden Heimat ihrer Eltern nach Anschluss suchen. Schaffter hofft damit Aufklärungsarbeit zu leisten. Er glaubt, dass vielen Zuschauer*innen kaum bewusst ist, wie rigoros die Schweiz im internationalen Vergleich vorgeht. «Das harte Einbürgerungsrecht und die harte Ausweisungspraxis bei kriminellen Ausländern ist eine explosive Mischung.» 

Hier geht's zur Filmbesprechung. 
Veranstaltungstipp: Basler Kunsttage
Am Donnerstag beginnen die Basler Kunsttage. Du weisst, was das heisst: Schwarzen Rollkragenpulli montieren, Lieblings-Power-Blazer entfusseln und Hornbrille aufsetzen. Style-technisch bist du dann tiptop ready, um dir die ganze Ladung Kunst zu gönnen. Vom 3. bis 6. Juni öffnen nämlich 55 Basler Museen, Galerien und Ausstellungsräume für dich ihre Tore. Der Eintritt ist während dieser Tage für fast alle Angebote gratis. Mein persönlicher Tipp ist die Gruppenausstellung «Big City Life» im Cartoon-Museum. Das ganze Programm findest du hier. 
Ich wünsche dir einen schönen Tag.

Herzliche Grüsse,

Adelina 
Das Nützliche zum Schluss
Vor circa einem Jahr unternahm ich mit einer Freundin einen Roadtrip durch die Romandie. Wir hatten uns einen Camper gemietet, das Nötigste eingepackt und sind einfach losgefahren. Ein wirkliches Ziel hatten wir dabei nicht. Wir fuhren einfach dort hin, wo es uns hinzog. Die Nächte verbrachten wir in unserem Camper. Dabei half uns «park4night». Dank der App konnten wir die schönsten Abstellplätze ausfindig machen: Zum Beispiel auf einem Berg mit Seeblick. 


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