17.11.21

Guten Morgen

Die Covid-Fallzahlen an den Schulen steigen rasant. Gestern kam es zu langen Warteschlangen vor den Testzentren, die Einzel-Spucktests anbieten für jene Klassen, deren Pool-Test positiv war. Noch fehlen tagesaktuelle Zahlen, aber der Trend für für vier- bis 15-Jährige in Basel ist eindeutig: 

Im Baselbiet sieht es ähnlich aus. Die Anzahl positiv getesteter Schüler*innen pro Woche hat sich innerhalb von drei Wochen verdreifacht auf derzeit 137 Fälle. Das ist der stärkste Anstieg von Fallzahlen an Schulen während der Pandemie. "Die Situation ist aktuell angespannt, insbesondere an den Primarschulen", sagt Michael Lehner, Sprecher der Baselbieter Bildungsdirektion, in der Abendsendung des SRF-Regionaljournals. Im Moment werde an der Strategie der Pool-Tests festgehalten - mit einer Neuerung: Auch geimpfte Jugendliche sollen künftig mitmachen. 
Wie geht es dir mit den steigenden Zahlen? Machst du dir Sorgen, was da mit unseren Kindern geschieht? Oder hast du Enkel und weisst nicht mehr, ob du sie noch sehen sollst, bis du deine Booster-Impfung erhalten hast? Schreib' es uns, indem du auf dieses E-Mail antwortest, wir werden heute zum Thema recherchieren und Bildungsdirektor Conradin Cramer mit den Sorgen und Ängsten, aber auch den Vorschlägen und Wünschen unserer Leser*innen konfrontieren. Andrea hat dazu schon gestern die Fühler innerhalb unserer gärngschee-Facebookgruppe ausgestreckt - du darfst dich natürlich auch an der dortigen, lebhaften Diskussion beteiligen. 
Wie jeden Tag habe ich auch heute die Zeitungen gelesen und die lokalen Newsportale durchforstet, mehr dazu weiter unten, weil die heutige Perle kommt von Bajour selbst. Es ist zwar keine tiefgründige Recherche und auch keine atemberaubende Reportage. Es ist ein Stück aus dem Alltag und gerade deshalb so stark. Daniel Faulhaber hat mit Menschen gesprochen, die Stickers produzieren und auf Regenabflussrohre oder Laternenpfähle kleben. Hier zwei Beispiele, die du vielleicht kennst - und wenn nicht, dann werden sie dir demnächst ins Auge stechen. 
Die aktivsten Sticker-Macher*innen sind zu Crews zusammengeschlossen und bleiben anonym, weil Sticker-Kleben gebüsst werden kann. Die beiden Sticker-Urgesteine, mit denen Daniel gesprochen hat, gehören zur Sticker-Crew "Slap me Baby". Und sie haben viel zu erzählen, zum Beispiel über den  "dini mueter"-Sticker. "Diese Demeter-Anspielung ist ja ein bisschen ein Gingg ans Schienbein des Bio-Bürgertums. Die Fallhöhe zwischen dieser pastellfarbenen Demeterwelt und diesem rotzigen Spruch ist ja evident, darum ist das auch sofort so lustig", so die Werkkritik der Sticker*innen. 

Die machen sich ganz schön viele Gedanken, denkst du jetzt? Ich auch beim Lesen, aber es geht noch weiter, denn eine andere Person aus der Szene hat die Basler Sticker-Landschaft sogar kartographiert. Schau mal: 
Ich könnte weiter und weiter erzählen über diesen Artikel, aber dafür haben wir im Briefing ja Links - gleich hier sowie ganz am Ende des Mails beim "Link des Tages"-Button.
zum Artikel
Weiterhin Thema in in den Basler Medien ist der Bericht der Klimakommission. Romina hat Kommissionspräsidentin Jo Vergeat gestern zur Basler*in des Tages gekürt. Weniger begeistert war Primenews-Herausgeber Christian Keller. Er findet, das zusätzlich zum 130-seitigen Bericht produzierte Video sei ein "Staats-Filmli, das es nicht braucht" und dass die Selbstdarstellung Überhand nehme. Zum Kommentar.

Ich selbst bin überhaupt erst durch Kellers Artikel auf das dreieinhalbminütige Youtube-Video aufmerksam geworden und habe es, ehrlich gesagt, ziemlich gerne angeschaut. Es ist definitiv eine neue und andere Art der Kommunikation, aber vielleicht machst du dir selbst ein Bild: 
Basler*innen des Tages sind diese Familiengarten-Pächter, weil ...

... sie hinstehen und sich für ihre über 5000 Kolleg*innen stark machen. Und zwar dagegen, dass die Schlösser der Zugangstore zu den Familiengärten ersetzt werden. Im Artikel der Baz, der noch nicht online zugänglich ist, beklagen sie sich über die künftig fällige, hohe Depotgebühr von 100 Franken pro Schlüssel. "Viele Pächterinnen und Pächter sind finanziell nicht sehr gut gestellt", sagt Pächter Oswald Leitner. Gerade wenn man sich innerhalb der Familie den Garten teile, brauche es drei oder vier Schlüssel. Die zuständige Stadtgärtnerei verspricht, auf die Forderungen einzugehen - wir wünschen den Gärtner*innen viel Glück!

Der Kanton Basel-Stadt meldete gestern 97 Neuinfektionen, im Baselbiet waren es 180. Wichtig bleibt: Masken tragen, bei Symptomen sofort testen lassen und – wenn noch nicht getan – impfen lassen.

Kurz-News:
  • Die elsässer Gemeinde Fessenheim liebäugelt mit einem Mini-Atomkraftwerk. Das schreibt die bz (nicht online) mit Verweis auf die "Dernières Nouvelles d'Alsace". Demnach würden sich bürgerliche Politiker dafür einsetzen, dass die bestehende Infrastruktur des stillgelegten AKWs künftig für einen sogenannten SMR ("small modular reactor") genutzt werden solle.
  • Die Basler SP will für jedes der sieben Departemente eine eigene Gleichstellungsbeauftragte. Das schreibt die Baz (noch nicht online). Die bereits bestehende Fachstelle Gleichstellung beim Kanton würde nicht ausreichen und auch der Vorschlag der Regierung, eine zusätzliche Stelle für LGBTIQ-Anliegen zu schaffen, sei nicht genug, zitiert die Zeitung ab einer Medienmitteilung. 
  • In Baden-Württemberg gilt ab heute die Corona-Alarmstufe, weil die Auslastung der Intensivstationen den Grenzwert von 390 Covid-Patient*innen überschritten hat. In Restaurants, Clubs oder Museen wird die 2G-Regel eingeführt - Einlass haben demnach nur Leute, die geimpft oder genesen sind. In den Läden gilt neu die 3G-Regel - mit Ausnahme von Läden des täglichen Bedarfs, also zum Beispiel Lebensmittelgeschäften oder Apotheken. Mehr dazu im Regionaljournal. 
Unterhaltungstipp: 
Roche hat vergangene Woche angekündigt, dass der sogenannte «Salvisberg-Bau» nicht abgerissen, sondern um 16 Meter in Richtung Grenzacherstrasse verschoben werden soll. Crazy, aber nicht mal Rekord: 1971 musste ein Mehrfamilienhaus in der Breite der neuen Autobahn weichen und um 30 Meter versetzt werden. Wir haben den Beitrag aus der Schweizer Filmwochenschau aufgestöbert und neu eingefärbt. 🎞️ Film ab 🎞️

PS: die Hausverschiebung ist heute auch Thema bei "Rechnen mit Sämi" ganz unten in diesem Mail. 
Ich wünsche dir einen schönen Tag, 
Herzlich

Samuel
PS: Das Nützliche zum Schluss

Ich habe bereits vergangene Woche an dieser Stelle erläutert, weshalb Weihnachtsgeschenkideen in diesem Jahr mehr Vorlaufzeit brauchen und deshalb bereits im November ziemlich nützlich sind. Deshalb heute wieder ein Geschenktipp und zwar personalisierte Karten vom Bundesamt für Landestopografie swisstopo. Für 28 Franken inkl. Versand kannst du deinen Liebsten eine offizielle Landkarte im Massstab 1:10'000 drucken und falten lassen. Du kannst eine Gegend wählen, zu dem die beschenkte Person einen besonderen Bezug hat, und den Ausschnitt metergenau auswählen - zum Beispiel die zwei, drei Kilometer rund ums Ferienhaus oder das Lieblings-Bänkli. Auf den Umschlag kannst du ein eigenes Foto drucken lassen sowie der personalisierten Karte einen eigenen Titel geben. Das Online-Tool zum Erstellen findest du hier.


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"Rechnen mit Sämi" war beim letzten Mal zu einfach, ich habe über 150 richtige Antworten erhalten. Natürlich erhöhen Winterreifen die Sicherheit, auch wenn fast alle verunfallten Fahrzeuge im Winter auf Winterreifen unterwegs sind (ein Bravo auch an alle, die die Option "was hat das jetzt mit Corona zu tun" angeklickt haben - ich zähle diese Klicks ebenfalls zu den richtigen Antworten). 

Heute geht es um Pläne von Roche, eines ihrer historischen Gebäude nicht abzureissen, sondern 16 Meter in Richtung Grenzacherstrasse zu verschieben. Ich behaupte: das Basler Münster hat sich seit seiner Erbauung im Jahr 1091 alleine durch den Kontinentalplattendrift bereits weiter verschoben. Du kannst raten, oder rechnen, für letzteres brauchst du noch diese Angabe: die eurasische Platte entfernt sich jährlich im Durchschnitt 1,89 Zentimeter von Amerika. 
Übrigens 1: falls du es übersehen/überlesen hast, der Veranstaltungstipp ist heute ein ein Video von einem anderen Haus, das noch weiter verschoben worden ist

Übrigens 2: Wenn dir angesichts von Pandemie und Klimakatastrophe wieder mal alles zu viel wird, dann empfehle ich dir die Lektüre des Abschnitts "Plattenverschiebungen in der Zukunft" auf Wikipedia, das erdet irgendwie. Ich erspare dir sogar den Klick und copy/paste, bitteschön. 
  • Indien wird sich noch einige Zeit unter den Himalaya schieben und vielleicht völlig unter Tibet verschwinden. Dafür werden im Norden die Erhebungen des Mongolischen Plateaus weiter wachsen und schliesslich wird sich eine ausgedehnte Gebirgskette bis zum Baikalsee vorschieben.
  • Grosse Veränderungen sind vor Australien zu erwarten, das rasch nach Norden driftet und sich wahrscheinlich unter die Sunda-Inseln schieben wird. Diese wachsen dann zu einer neuen Gebirgskette empor, die auf die Australische Platte aufgleitet.
  • Entlang der Seenplatte des Ostafrikanischen Grabens, dem südlichen Teil des Grossen Afrikanischen Grabenbruchs, ist die Entstehung eines neuen Ozeans zu beobachten, der sich mit dem Roten Meer verbinden wird. Als Folge wird sich eine neue kontinentale Platte von Afrika abspalten und weiter nach Osten driften. Aus dem Grabenbruch wird dann ein neuer mittelozeanischer Rücken werden.
  • Der Atlantik wird sich weiterhin entlang des mittelatlantischen Rückens öffnen. Im Gegenzug wird sich der Pazifik sukzessive verkleinern und in ferner Zukunft vollständig verschwinden. Der Pazifik ist ein Überbleibsel von Panthalassa – jenem Ozean, der einst den Superkontinent Pangaea umgeben haben soll, von dessen früherer Existenz jedoch keine geologischen Nachweise vorliegen. Der mittelozeanische Rücken des Nordpazifiks, der ostpazifische Rücken, wurde unter Nordamerika subduziert. Vor Südamerika steht dieser Prozess kurz bevor. Es ist davon auszugehen, dass sich dies fortsetzen wird.
Link des Tages | Kleb mir einen: Was Sticker über unsere Stadt erzählen


Bajour Clarastrasse 10 4058 Basel Switzerland