02.06.21

Guten Morgen

Falls du dir gerade noch den Schlaf aus den Augen reibst und dich absolut nicht nach Aufstehen fühlst, habe ich hinter meinem Foto etwas für dich versteckt. Klick einfach mal drauf, danach hast du bestimmt bessere Laune. 🎶 Ansonsten geht natürlich auch Kaffee.

Also, bereit für die News? Los geht's! 

Heute kommt der Grosse Rat zusammen. Unter anderem diskutiert er über das Thema Medienförderung. Das mag im ersten Moment etwas trocken klingen, aber ganz so unbedeutend ist es am Ende nicht. Gestern hat bereits der Ständerat sein Ja zur umfangreicheren Medienförderung, inklusive Förderung von Online-Medien, gegeben. Jetzt geht die Vorlage allerdings erst einmal zurück an den Nationalrat. Gibt es keine Einigung, könnte am Ende sogar die Stimmbevölkerung das letzte Wort haben. 

Der Grosse Rat entscheidet heute derweil über die Ausgabe von Gutscheinen für Abos von Online-Publikationen. Vor allem Jugendliche sollen dadurch besser erreicht und über Politik informiert werden. Über die Gutscheine könnten Medien künftig direkt subventioniert werden – ein Novum. Entsprechend kontrovers wird diskutiert.

Für die einen geht es nicht mehr ohne Förderung angesichts der krankenden Medienvielfalt. Etwa für die GLP. Nationalrätin Katja Christ reichte einen entsprechenden Vorstoss auf nationaler Ebene ein, ihr Parteikollege und Grossrat Johannes Sieber formulierte einen Anzug auf Kantonsebene. Für andere sind die Subventionen ein rotes Tuch, für FDP-Grossrat Luca Urgese zum Beispiel. Er sieht keinen Handlungsbedarf bei der Medienförderung und sieht die journalistische Glaubwürdigkeit in Gefahr. Wir haben die beiden um ein Pro und Contra gebeten, hier die Kurzform:

👩🏼 Katja Christ: «Nicht der Staat sondern die Bevölkerung selbst sollte mitentscheiden, wo die öffentlichen Gelder hinfliessen. Diese sollen also nicht direkt an die Medienhäuser, sondern mittels Gutscheine an die Bevölkerung ausgezahlt werden. Die Leserschaft entscheidet dann, welche Publikationen sie mit dem Gutschein unterstützt, wobei der Staat natürlich gewisse Mindestanforderungen an diese festlegt.»

🧑🏻‍🦱 Luca Urgese: «Medien nehmen in der Demokratie eine besondere Rolle ein. Sie hinterfragen das Handeln von uns Politikerinnen und Politikern kritisch und tragen zur öffentlichen Debatte und Meinungsbildung bei. Es ist genau diese besondere Bedeutung, die es unabdingbar macht, generell auf staatliche Medienförderung zu verzichten. Nur wer unabhängig ist, kann frei kritisieren

Ihre kompletten Statements liest du hier.
Ausserdem geht es heute im Grossen Rat um das Bettelverbot. Die SVP möchte einen Antrag einreichen, damit das Thema umgehend behandelt wird. Die Partei will erreichen, dass bereits in drei Wochen über das Gesetz abschliessend beraten wird und es noch im Sommer in Kraft tritt. Primenews hat sich bei den Fraktionen umgehört, ob der Antrag überhaupt eine Chance hat. Sowohl die Bürgerlichen als auch die GLP unterstützen das Vorhaben, damit dürfte es durchkommen.

Diskutiert wird zudem eine Initiative, die vorsieht, dass es künftig nur noch 5 statt 7 Regierungsmitglieder gibt – Vorbild ist die Stadt Bern. Auch das Präsidialdepartement will die Initiative streichen und zwar aus Kostengründen, schreibt die bz (Abo). 

Alle wichtigen Entscheidungen findest im Laufe des Tages in unserem Grossrats-Ticker auf bajour.ch.
Du fragst dich, warum ich dir meine Manor-Einkäufe zeige? Erstens sind es nicht meine Einkäufe, sondern die von Bajour-Redaktor Samuel. Und zweitens handelt es sich dabei um eine Recherche.

Sämi war für eine Microjob-App als «Mystery Shopper» unterwegs. Der Auftrag lautete: «Du sollst für je max. 5 CHF zwei Produkte kaufen und beim Bezahlvorgang überprüfen, ob der Mitarbeiter dich nach der Manor-Kundenkarte fragt.» Der Job war also, die Kassierer*innen bei Manor zu kontrollieren – heimlich.

Nach den Käufen musste Sämi als Beweis die beiden Quittungen so abfotografieren, dass man den Namen des*r Mitarbeiter*in erkennen kann. Laut Auftrag deshalb, damit das Unternehmen sehen kann, dass die Produkte jeweils an unterschiedlichen Kassen gekauft worden sind.

Wir haben bei Manor nachgefragt, warum das Unternehmen Testkäufer*innen in seine Filialen schickt, um die Mitarbeiter*innen zu kontrollieren und ob dies datenschutzkonform sei. Manors Antwort: «Die Informationen werden nicht personenbezogen erhoben und verarbeitet. Sie dienen ausschliesslich zum Vergleich auf Filial- oder Rayonebene für eventuell weitere Schulungen und sind eine zulässige und im Detailhandel übliche Form der Leistungsüberprüfung

Silvia Böhlen, Sprecherin beim eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten, sieht das anders: «Es liegt sehr wahrscheinlich eine unverhältnismässige Datenbearbeitung vor.» Im Arbeitsrecht sind Verhaltensüberwachungen am Arbeitsplatz verboten. Ausnahmsweise erlaubt sind einzig Leistungskontrollen, diese müssen jedoch stets verhältnismässig sein. Silvia Böhlen bezweifelt allerdings, dass es sich im aktuellen Fall um die vom Gesetz vorgeschriebene mildeste Massnahme handle.

Den ganzen Artikel liest du 👉 hier.
Corona-Kurznews:
  • Erste Bilanz zu Massentests: In den baselstädtischen Schulen werden seit Mitte Mai 2021 Massentests durchgeführt. Die ersten zwei Testwochen verliefen erfolgreich, in den Schulen wurden insgesamt fünf positive Fälle entdeckt, teilt der Kanton mit. Es wurden mehr als 6000 Personen getestet.
     
  • Diabetes durch Corona: Das Coronavirus kann Zellen der Bauchspeicheldrüse, die das Hormon Insulin produzieren, infizieren. Das berichtetet ein internationales Forschungsteam mit Basler Beteiligung im Fachmagazin «Cell Metabolism». Dadurch wird der Zuckerstoffwechsel gestört, was Diabetes auslösen kann. Mehr dazu liest du im Bajour-Ticker.
     
  • Hilfe bei Corona-Depressionen: Die Baselbieter Regierung reagiert darauf, dass viele Jugendliche wegen der Pandemie psychisch angeschlagen sind. Um Abhilfe zu schaffen, führt der Kanton unter anderem eine psychologische Notfallberatung ein, berichtet das SRF-Regionaljournal
Und hier die aktuellen Corona-Zahlen:

Der Kanton Basel-Stadt meldete gestern 14 Neuinfektionen. In Baselland wurden gestern 17 Fälle registriert. Die Inzidenzkurve (14-Tage-Ansteckungswert pro 100'000 Einwohner*innen) zeigt nach unten. Trotzdem bleibt es wichtig: wenige Menschen treffen, Abstand halten, Masken tragen, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen

Wenn du dich auf den Klick auf mein Foto eingelassen hast, bist du wahrscheinlich in genauso grosser Partylaune wie der Regierungsrat. 🥳 Dieser lässt nämlich 190'000 Franken dafür springen, dass in den Monaten August, September und Oktober in Basels Gassen gefeiert wird. Aber der Regierungsrat nennt es nicht Feiern, sondern: «Durchführung mehrerer kultureller Veranstaltungen im öffentlichen Raum mit entsprechenden Schutzmassnahmen.» Aber egal, profitieren sollen hiesige Konzert- und Clubveranstaltende, regionale Kunstschaffende und das lokale Veranstaltungsgewerbe. Mehr dazu in unserem Bajour-Ticker – falls du den noch nicht kennst: es lohnt sich. David Sieber hat dort immer die wichtigsten News aus Basel für dich.
Die Kurz-News:
  • Zwei Tesla für den Regierungsrat: 150'000 Franken investiert der Kanton in zwei Tesla. Die beiden E-Autos lösen zwei der drei Mercedes 500 ab, die der siebköpfigen Regierung zur Verfügung stehen (mehr Infos im Ticker).
     
  • Mehrwertabgabe: 87 Millionen Franken schwer ist der basel-städtische Mehrwertabgabefonds. Damit werden öffentliche Grünflächen, wie Parkanlagen, Stadtwälder, Alleen und Promenaden neu geschaffen, respektive attraktiver gestaltet. Gerade mal 8,2 Millionen Franken wurden 2020 ausgegeben – bei Einnahmen von 33,4 Millionen Franken. Dies zeigt die Jahresrechnung.
     
  • Staatswein kommt neu aus Baselland: Basel-Stadt wird künftig den gleichen Staatswein haben wie Baselland. Anders als in den Jahren zuvor stammt der Wein damit nicht mehr als Deutschland, sondern aus dem Baselbiet, berichtet das Regionaljournal.
     
  • Einmalig in der Schweiz: Basels Tramfahrer*innen dürfen seit gestern Radio beim Fahren hören. Die BaZ klärt alle Fragen, etwa, ob es für andere Verkehrsteilnehmer*innen dadurch gefährlicher wird.
Unterhaltungstipp: 
Heute läuft auf 3Sat eine interessante Doku-Serie über «Starke Frauen». Um 20:15 geht es los mit dem ersten Teil. Er dreht sich um Frauen und Macht, Teil 2 handelt von Frauen und Medien und Teil 3 von Frauen und Pornografie. Bei allen Folgen geht es um Frauen, die auf die eine oder andere Art in der Öffentlichkeit stehen und die Widerstände, die ihnen begegnen – schlicht, weil sie Frauen sind. Interviewt wurden für das schweizerisch-deutsch-österreichische Projekt z.B. die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Im zweiten Teil steht die Schweizer Netzaktivistin Jolanda Spiess-Hegglin im Fokus (siehe Foto). Neben ihrer werden die Geschichten zwei weiterer Frauen erzählt. Gezeigt wird anhand der Erfahrungen, wie ungerecht und teils sexistisch Medien, das Justizsystem oder die Nutzer*innen Sozialer Netzwerke mit Frauen umgehen. Im letzten Teil kommt Erika Lust zu Wort. Sie ist eine der wenigen weiblichen Pornoregisseurinnen und gilt als prägend in der feministischen Pornografie. Ich bin sehr gespannt, wie die Macher*innen die Serie umgesetzt haben.

Ich wünsche dir einen schönen Mittwoch!

Herzlich
Ina
 
P.S.: Das Nützliche zum Schluss
Ich habe seit ein paar Monaten ein neues Lieblingsessen: Älplermagronen. Aus meiner Sicht die beste schweizerische Erfindung, weil da alles reinkommt, was ich gern mag: Kartoffeln, Nudeln, Gruyère, Sahne, Zwiebeln, Knoblauch und natürlich Apfelmus (Speckwürfel lass ich weg)! So fein! Aber jetzt, wo es warm ist, passt das nicht mehr so gut und es gibt öfter Salat. Und jetzt komme ich zum Nützlichen: Den Salat mit Granatapfelkernen aufpeppen – ohne sich komplett einzusauen beim Schälen! Es gibt die Methode, den Granatapfel auf eine bestimmte Art aufzuschneiden und zu sechsteln. Oder, und diese Variante war mir neu: halbieren und dann klopfen. Falls dann immer noch dieses nervige weisse Zeugs dranklebt, kommt hier noch mein Lieblings-Hack: Wasser drübergiessen, dann treibt die Haut nach oben, und man kann sie einfach abschöpfen. Tadaaa! 
P.P.S.: Baseldytsch mit Ina
Ich möchte heute die Floskeln «scheens Daagli» und «scheens Öbeli» mit dir diskutieren. Meine erste Frage: Hä? Meine zweite: Sagt das wirklich jemand? Gut, die zweite Frage kann ich mir selbst beantworten. Letztens war ich in der Confiserie Schiesser (ich bemühe mich übrigens sehr SchiEsser zu sagen, DEN Fehler macht man nur einmal) und dort hörte ich, wie die Verkäuferin e scheens Daagli wünschte. Ich selber hab dann nur ein «Aadie» bekommen. Na ja. Das scheene Daagli muss man sich vielleicht erst verdienen. Seit Kurzem kenne ich dafür ein neues Wort um auf komische Wörter zu reagieren: Hejobigoscht!


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