19.07.21

Franziska ZambachGuten Morgen

Bist du so richtig in Sommerferien-Stimmung? Bei mir kommt's langsam. Diese Woche ist zumindest wettertechnisch vielversprechend. Wir knacken vielleicht sogar die 30-Grad-Marke 🤞😎.

Am Wochenende konnte ich mir das fast nicht vorstellen. Die erschütternden Bilder vom Hochwasser in Deutschland, dazu die Szenen, die sich in Basel unterhalb des Rankhofs abspielten, wo am Freitag zwei Galgen wegen eines Hangrutsches in den Rhein gestürzt sind (Bild unten) – da will man nicht an Sommerferien denken, sondern hofft mit den Betroffenen, dass es ihnen gut geht und sich die Lage bald beruhigt.

Foto: Kantonspolizei Basel-Stadt
Noch ein Galgen in Schieflage

Die Wetterlage hat sich gebessert, die Pegel in der ganzen Schweiz sinken langsam wieder. Das hilft Daniel Trachsel aber wenig. Ihm gehört ein Fischergalgen, der als dritter droht, in den Rhein zu stürzen. «Es ist eine Frage der Zeit, bis der Galgen wegbricht», sagt Richard Stammherr, Präsident der Galgenfischer 1920 zur bz. Er und Trachsel machen den Kanton verantwortlich, dass es zum Hangabbruch gekommen ist. Er habe an der Stelle an der Grenzacherstrasse zu wenig unternommen.

Toprak Yerguz, Sprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements, widerspricht. Das Tiefbauamt habe nach dem Hochwasser von 1999 mehrere Massnahmen umgesetzt, um punktuell zur Hang-Stabilität beizutragen. Unter anderem wurden Sensoren installiert, um zu wissen, wann es Bewegungen in den Hängen gibt. «Nichts hat darauf hingedeutet, dass es zu einem Hangabbruch kommen würde», sagt Yerguz. Ausserdem sei es nicht so einfach Zusatzmassnahmen umzusetzen: «Es handelt sich hier um ein Naturschutzgebiet. Da kann man nicht einfach frei Sachen errichten.»
Kein Schiff wird kommen

Die Schweizer Schifffahrt leidet unter Corona und jetzt kommt noch die Sperrung wegen des Hochwassers dazu. Christoph Brutschin (SP), neuer Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Schifffahrt und Hafenwirtschaft (SVS), befürchtet eine Konkurswelle, sollte die aktuelle Saison abgebrochen werden oder jene im 2022 ausfallen, sagt er zur BaZ.

Dazu kommt eine Regelung, die der SVS seit Jahren Bauchschmerzen macht. Dass ein Schiff unter Schweizer Flagge fahren kann, muss zwei Drittel des Eigenkapitals in inländischem Besitz sein. «Weil durch Corona einige Kredite für Kabinenschiffe notleidend wurden, fanden sich die kreditgebenden Banken plötzlich als Schiffseigner wieder», erklärt Brutschin. Und weil sich das Kapital von Grossbanken wie der Credit Suisse nicht zu zwei Dritteln in Schweizer Händen befinde, hätten die betroffenen Schiffe nicht im Schweizer Register eintragen werden können.

Die SVS fordert jetzt eine pragmatische und den heutigen Wirtschaftsbedingungen angepasste Lösung. Brutschin ist hoffnungsvoll: «Helfen wird uns dabei das Argument, dass gerade die von Corona schwer gebeutelte Branche der Flusskreuzfahrt auf Goodwill der Behörden angewiesen ist.»
Das Leben geht weiter

Apropos Brutschin: Wir haben den ehemaligen Basler Wirtschaftsdirektor letzte Woche gefragt, ob das Leben nach der Politik wirklich weitergeht. Auch von Baschi Dürr (FDP) wollten wir wissen: Wie ist das, wenn man plötzlich nicht mehr Berufspolitiker ist?

Zu den beiden Texten geht's hier entlang:
✏ bajour.ch/christoph-brutschin
✏ bajour.ch/baschi-dürr

Heute wollen wir vom Dritten im Bunde wissen: Hans-Peter Wessels (SP), was machen Sie jetzt den ganzen Tag?

Beim Treffen mit Bajour-Reporterin Adelina wirkte Wessels – nicht nur wegen seines Hawaiihemd-Looks – ganz entspannt. Er hat im Juni sein Unternehmen «Wessels Enterprises» gegründet, eine Beratungsfirma. Pro Woche arbeite er noch rund zwanzig Stunden – ein markanter Unterschied zum vollen Kalender eines Regierungsrats. «Es darf schon auch etwas mehr werden, ein, zwei Mandate sind in Aussicht. Aber noch nichts spruchreifes», sagt Wessels.

Der ehemalige Baudirektor stand zwölf Jahre lang unter genauer Beobachtung. Jetzt ist der Druck weg, die Aufmerksamkeit auch. «Kein Problem. Man muss loslassen können», kommentiert Wessels. Es mache ihm Spass, das politische Geschehen mitverfolgen zu können, ohne selbst involviert sein zu müssen.

Hier kannst du das ganze Porträt lesen:
bajour.ch/hans-peter-wessels 
Kanton will Kugelahorne umpflanzen

Wessels Nachfolgerin im Bau- und Verkehrsdepartement (BUD), die Grünliberale Esther Keller, muss sich nun mit Themen befassen, wie dem Aufschrei wegen 17 Bäumen, die an der Margarethenstrasse einer behindertengerechten Tramhaltestelle weichen sollen. Der neuste Vorschlag des BUD: Acht der 17 Kugelahorne sollen verpflanzt werden. Sieben in die Baumschule der Stadtgärtnerei, einer vor Ort in die bestehende Allee.
Baumpflegespezialisten geben in der BaZ (Abo) dem Vorhaben wenig Erfolgschancen: «Auch bei einer sorgfältigen Ausgrabung werden die Wurzeln der Bäume Schaden nehmen, sodass das Ende der Bäume besiegelt ist», sagt Marcel Schweizer von der Gartengestaltung Marcel Schweizer AG in Riehen.

Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei beim Baudepartement, bestätigt die Bedenken des Baumspezialisten. Der Zeitpunkt sei suboptimal. Man müsse sich jedoch nach dem Fortschritt der Baustelle richten. Er wolle aber wegen des öffentlichen Drucks nichts unversucht lassen, um einen Teil der Bäume zu verpflanzen.
Die Kurz-News:
  • Hirschi arbeitet Vorfälle auf: Ende März meldete das Restaurant Hirscheneck via einem Facebook-Post, dass es zu sexualisierten Übergriffen innerhalb des Kollektiv, das das Hirschi betreibt, gekommen sei. Das Hirschi schrieb damals, dass es die Vorfälle gründlich aufarbeiten wolle. Jetzt meldete sich das Kollektiv wieder mit einem Facebook-Post zu Wort und berichtet, wie es mit den Vorfällen umgeht. Die BaZ hat den Post aufgenommen. Das Hirschi habe die eigene Strukturen hinterfragt, heisst es darin. Es gebe neu einen regelmässigen Austausch mit den Betroffenen und auch einen informellen Austausch mit der übergriffigen Person. Zudem soll ein Raum geschaffen werden, wo jede*r Ängste und Kritik äussern könne und Aspekte wie Hierarchien, Bewusstsein und Verantwortung thematisiert werden. 
     
  • Corona-Fälle nach Party im Barock Club: Mehrere Personen, die am 9. Juli Party im Barock Club an der Freien Strasse machten, haben sich mit dem Coronavirus infiziert, heisst es in einem Schreiben vom Basler Kantonsarzt Thomas Steffen. Allen Gästen, die an diesem Abend anwesend waren, wird geraten, sich umgehend testen zu lassen. Bei einer Kontrolle am vergangenen Freitag, stellte das Gesundheitsdepartement (GD) fest, «dass die Eintrittskontrolle Mängel aufweist», sagt GD-Sprecherin Anne Tschudin zur BaZ (Abo). Zudem sei das Schutzkonzept des Clubs veraltet. Wegen «gravierender Verstösse» gegen die Corona-Verordnung habe das GD bei der Staatsanwaltschaft eine Busse beantragt. Die Club-Verantwortlichen wollten sich gegenüber der BaZ nicht äussern.
Die aktuellen Corona-Zahlen:

Im Kanton Basel-Stadt wurden übers Wochenende (Freitag bis Sonntag) 51 Neuinfektionen registriert. Im Kanton Baselland werden erst wieder heute aktuelle Zahlen kommuniziert. Für ausführliche Informationen empfehlen wir dir die täglich aktualisierte Grafiken und Analysen von SRF. Grundsätzlich bleibt weiterhin wichtig: wenige Menschen treffen, Abstand halten, Masken tragen, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen

  • Ohne Zertifikat kein FCB: Am Donnerstag startet der FC Basel mit dem Quali-Spiel für die Conference League gegen FK Partizani in die neue Saison. Dann dürfen auch wieder Fans ins Joggeli. Matchbesucher*innen benötigen aber ein gültiges Covid-Zertifikat. Wer nicht vollständig geimpft oder genesen ist, kann mit einem negativen Antigen- oder PCR-Test Einlass erhalten. Der muss aber vorher gemacht werden. Es werde voraussichtlich erst zum ersten Heimspiel in der Super League (1.8.) eine Möglichkeit geben, sich vor Ort testen zu lassen, schreibt die bz. Alles was du sonst noch für den Matchbesuch wissen musst, hat die bz im Q&A zusammengefasst.
     
  • Alex Wilson läuft Europarekord: Der Basler Sprinter Alex Wilson wird in zwei Wochen an den Olympischen Spielen in Tokio auflaufen. Gestern hat er bei einem Vorbereitungsrennen für 100 Meter in den USA unerwartet den Europarekord geknackt. 9,84 Sekunden brauchte er. Es ist weltweit die zweitschnellste Zeit des Jahres. Auch über 200 Meter läuft er Schweizer Rekord. Gratulation!
Unterhaltungstipp: 
Normalerweise ist es meine Chefin Andrea, die ihren Interview-Partner*innen toughe Fragen stellt. Diesmal war es aber umgekehrt. Andrea wurde von unseren geschätzten Kolleg*innen von PrimeNews zu Bier und Gespräch eingeladen – und war für einmal diejenige, die die Fragen beantworten musste. Das launige Gespräch über eineinhalb Jahre Bajour, die Neo-Regierungsrät*innen, Andreas Bündner Wurzeln und ihre Liebe zur Dreirosenbuvette kannst du entweder mit einem PrimeNews-Abo lesen oder du schaust dir einen kurzen Werbeclip an, um den Artikel freizuschalten.
Ich wünsche dir einen guten Start in die Woche.

Herzlich,
Franziska
PS: Das Nützliche zum Schluss

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