28.05.21

Guten Morgen

In Basel wird mehr operiert als anderswo, besonders in der Orthopädie. Jeder fünfte Eingriff in Hand- und Kniechirurgie dürfte unnötig sein, sagt die Statistik. Mit Folgen für dich und mich - denn am Schluss bezahlen wir diese Eingriffe, mit Steuergeldern und vor allem mit Krankenkassenprämien. Die beiden Basel gehen nun gegen diese Überversorgung vor - indem sie festlegen, welche Spitäler welche Eingriffe machen dürfen. Ziel: Die Kantone können nachprüfen, wenn in einem Spital mehr operiert wird, als statistisch vorgesehen. Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger sagt im Regionaljournal: "Wir behalten uns auch vor, zu überprüfen, ob tatsächlich alle Eingriffe medizinisch gerechtfertigt gewesen sind." In den beiden Zeitungen wird der Schritt unterschiedlich kommentiert. Die bz schreibt, dass die Regierungen zwar "nicht unbedingt zum Zweihänder, aber mit wuchtigen Hieben" eingriffen. "Das schmerzt - doch das muss sein", lautet denn auch der Kommentar-Titel. Ganz anders die Baz: "Das Prinzip Hoffnung ist zu wenig", ist der Kommentar überschrieben - kritisiert wird, dass weder die Kosten signifikant gedämpft noch die Hochschulmedizin gesichert werde (Kommentar hinter der Paywall). Im Regionaljournal übernimmt ein Experte die Kritik: Felix Schneuwly vom Vergleichsdienst Comparis. Dass die Kantone die Kontrolle bis auf einzelne medizinische Eingriffe übernehmen, sei eine gigantische bürokratische Staatsplanung mit unabsehbaren Kollateralschäden. "Richtig wäre, wenn der Patient aufgrund transparenter Qualitätsindikatoren entscheiden kann, welches Spital überlebt und welches nicht." Zum Regi-Beitrag. 

Viel Spital, und vielleicht ist es dir aufgefallen: auch viel Regionaljournal. Das hat nicht nur, aber auch mit dieser Überleitung zu tun, denn jetzt geht es um diesen jungen Radioreporter in der Bildmitte:

Der Mann heisst Dieter Kohler und das Bild stammt von der Live-Seundung "Rendez-Vous am Mittag" aus dem Jahr 1990. Die letzten elf Jahre hat Kohler das SRF-Regionaljournal Basel/Baselland geleitet, jetzt gibt der 60-Jährige die Verantwortung weiter und macht sich selbständig. Andrea hat ihn zum Gespräch getroffen und dort sagt er Dinge wie "Das SRF lässt ja immer alle Seiten zu Wort kommen und beleuchtet alle Blickwinkel, so dass sich der Zuhörer ein eigenes Bild machen kann. Das ist unser Erkennungsmerkmal." Und: "Man soll den Leuten Informationen bieten und nicht Meinungen aufdrängen." Klingt nach PR-Geschwurbel, aber die gestrige Sendung zur Spitalliste zeigt eben genau, dass es so ist. Das Interview mit Dieter Kohler findest du auf bajour.ch.
Genug Spital, das andere grosse Thema in der Region sind die anstehenden Corona-Lockerungen und wie Restaurants, Thermalbäder und Firmen damit umgehen. Die bz hat einen derart umfangreichen Online-Artikel erstellt, dass es sogar ein Inhaltsverzeichnis braucht (Paywall). Grundtenor: Alle freuen sich, dass sie wieder öffnen können. Am interessantesten ist die Situation beim Homeoffice. Ab Montag dürfen die Angestellten wieder ins Büro, wenn getestet wird. Und genau das ist das Problem, wie die Umfrage von Adelina bei Basler Firmen ergeben hat. Die Baloise sieht eine "Spilt-Office-Situation" vor, mit einem Teil der Belegschaft vor Ort und einem Teil zuhause. Man habe einen Antrag auf Massentests beim Kanton gestellt, jedoch noch keine Zusage erhalten, sagt ein Sprecher. Ähnlich tönt es bei Roche. Die Mitarbeiter*innen der Basler Kantonalbank sowie der Basler Callcenter-Anbieter "Callpoint" hingegen bleiben vorerst im Homeoffice. Letzterer begründet: "Wir haben entschieden, dass wir bis auf weiteres an der Homeoffice-Pflicht für unsere Mitarbeitenden festhalten, da ein wöchentliches Testen aus logistischen Gründen nicht möglich ist und die Mitarbeitenden das Homeoffice sehr schätzen." Auf bajour.ch findest du den ganze Artikel.
Bisschen viel Hühner heute in der Baz? Tatsächlich kommen in der heutigen Ausgabe gleich zwei Bauern zu Wort, die sich um die Auswirkungen der Agrar-Initiativen auf ihren Berufsstand sorgen, einmal im Mantelteil, einmal im Regionalteil. Im Regiobund spricht Kurt Jordi vom Hof Klosterfiechten in Basel. Er ist Biobauer und trotzdem gegen die Initiativen, weil er nicht genügend Futter produzieren könne für Pferde und Kühe. Er sagt aber auch: "Würden die Konsumenten 20 oder 30 Prozent mehr bezahlen für die Produkte und auch mal einen schrumpeligen Apfel nehmen, so würde die Welt für uns anders aussehen." Zum Artikel (Paywall).

Die Kurven auf beiden Diagrammen sehen gut aus. Die Grenzwerte von 40 respektive 60 Fällen pro 100'000 Einwohner*innen innert 14 Tagen, ab denen lückenloses Contact-Tracing möglich ist, sind so nahe wie seit langem nicht mehr - deshalb gilt umso mehr: Maske tragen, wenige Menschen treffen, Abstand halten, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen

Die Kurz-News aus der Region:
  • Basler Dominanz auf der Shortlist für den Reporter*innenpreis des Reporterforums, einer Schweizer Plattform von und für Reporter*innen. Besonders gross die Freude im Bajour-Büro: Daniel Faulhaber ist dabei, mit seinem Artikel "Wie in Basel demonstrieren gefährlich wurde" (gemeinsam mit Anja Conzett/Republik). Wer sonst noch dabei ist und Links zu deren Artikel im Bajour-Ticker. 
  • Easyjet zieht zwei Flugzeuge von Basel ab. 70 Stellen gehen verloren, schreibt die Baz (Paywall), es bleiben zehn Maschinen am Euroairport stationiert. Die Massnahme sei eine direkte Auswirkung der Pandemie auf die Kundennachfrage, so die Firma.
  • In Riehen sollen 16-Jährige wählen und abstimmen können. Das Gemeindeparlament hat einen entsprechenden Vorstoss überwiesen, schreibt die Baz (Paywall)
  • Hans-Peter Wessels macht sich selbständig. Das hat die bz recherchiert. Der ehemalige Baudirektor hat die Firma Wessels Enterprises gegründet und bietet Strategie, Management und Mediation. 
  • Ab nächster Woche ersetzen die BVB in der Wolfschlucht und der Bruderholzstrasse die Tramgleise. Von 31. Mai bis 28. November 2021 erschliesst deshalb ein Tramersatz mit Bussen das Bruderholz und Teile des Gundeli. Zur Mitteilung. 
Veranstaltungstipp:
Am Sonntag ist der erste Quartier-Flohmi des Jahres und zwar im St. Alban/Breite. Ab 10 Uhr geht's los, über hundert Haushalte haben sich registriert, Dutzende weitere werden spontan einen Tisch vor der Haustüre aufstellen und allerlei Schönes und Nützliches verkaufen. Ich bin ein grosser Fan von Quartier-Flohmärkten, drum gebe ich dir gleich die ganze Liste zum in der Agenda notieren: 
Ich wünsche dir einen guten Schlussspurt bis ins Wochenende,
Samuel
Das Nützliche zum Schluss:
Das ist unbezahlte Werbung und der Absender - der Sporthändler "Ochsner Sport" - hat sie sich verdient, weil ich die Idee genial finde: Es ist ein Podcast für Läufer*innen, den du nur hören kannst, während du tatsächlich am Rennen bist. Ja wirklich, die Sendungen stoppt einfach, wenn das GPS-Modul deines Smartphones keine Jogging-ähnliche Bewegung mehr feststellt. Die zwölf Episoden sind unterschiedlich lange, es beginnt bei 20 Minuten, und zu Gast bei Moderator Marc Jäggi ist jeweils Marathon-Europameister Viktor Röthlin. Hier kannst du dir die App runterladen: Android | Iphone


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