14.07.21

Guten Morgen

Auf dem sozialen Netzwerk Twitter bin ich zuletzt immer wieder über einen Hashtag gestolpert, unter dem Wissenschaftler*innen aus ihrem Arbeitsalltag berichteten. Er lautet: #IchbinHanna. 

Die Forscher*innen, Biolog*innen, Soziolog*innen, Physiker*innen waren dabei, brannten für ihre Forschung, das war deutlich spürbar. Aber es gab da einen roten Faden in diesen Tweets. Stress. Unbezahlte Überstunden. Mehrfachbelastung. Extreme Abhängigkeit von Vorgesetzten. Und vor allem: Nie das Gefühl, angekommen zu sein, sondern sich von einem befristeten Vertrag zum nächsten hangeln zu müssen. Eine Studentin aus Basel sagt in einem Bericht, für eine Laufbahn an der Uni gelte die Prämisse: «All in, oder gar nicht.»

Eine Uni-interne Umfrage zeigt jetzt, dass Postdoktorierende auch an der Uni Basel unter teils prekären, familienunfreundlichen Arbeitsbedingungen leiden. Die Universität sagt zur Kritik an Kettenverträgen, sie könne nur teilweise Verantwortung übernehmen, weil viel Geld von ausserhalb, zum Beispiel von Stiftungen, in den Apparat fliesst. Folglich würden die vertraglichen Details mit dem Personal auch von aussen diktiert. So läuft das seit Jahren. Forscher*innen ohne feste Verträge verlangen bessere Arbeitsbedingungen – und die wichtigsten Player der Hochschullandschaft, die Rektor*innenkonferenz swissuniversities, der Schweizerische Nationalfonds SNF, der Bund und die Kantone delegieren die Verantwortung umher, wie auf einem viel zu oft benutzten Meme.

Ein Netzwerk aus den Mittelbauvertretungen vieler Schweizer Unis, unterstützt von Gewerkschaften, hat davon genug. Es lancierte die Petition Academia für längerfristige Arbeitsverträge an den Unis. Ein übergeordneter Plan soll her. Heute bei Bajour: Ein Blick in den Maschinenraum unserer Denkfabriken. 

Den Artikel liest du hier. 👉 www.bajour/Uni-Prekariat.ch
Was heute ausserdem interessiert: Wasser und Wetter. BaZ, bz, 20 Minuten, Telebasel und das SRF-Regionaljournal haben Meteo-News, die ich hier gerne kurz annonciere:
  • Der Rheinpegel steigt und erreichte am Dienstagnachmittag eine Höhe von 8,5 Meter. Das berichtet die BaZ. Der Höchststand von 1999 (10,5 Meter) wird voraussichtlich nicht erreicht, trotzdem ist das Rheinufer vielerorts abgesperrt.
     
  • Dieselbe Geschichte, etwas ausführlicher und mit Blick auf die Schifffahrt hat die bz. Schiffe fahren zur Zeit keine, das führe zu Einbussen. Sagt Jelena Dobric, die Sprecherin der Schweizer Rheinhäfen. Ein Höchststand des Wasserpegels könnte am Donnerstag mit 9,5 Metern erreicht werden, danach entspannt sich die Lage voraussichtlich. 
     
  • Die Meteorologin Barbara Ströbel erklärt bei TeleBasel, dass ein Tief mit Kaltwettermassen im Norden und heisser Luft im Süden für die heftigen Gewitter sorgt. Ausserdem gibts beim Regionalsender ein Wetterquiz, bei dem ich sehr schlecht abschnitt. Mit gutem Wetter kenn ich mich einfach besser aus. 
     
  • Das nasse Wetter schmeichelt Schädlingen wie Pilzen oder dem «falschen Mehltau», die vor allem den Weinbauern zu schaffen machen. Das berichtet das Regionaljournal und besucht einen Weinbauer in Aesch. Ueli Bänninger hat just in diesem Jahr von konventioneller Landwirtschaft auf Bio umgestellt und kann darum nicht mehr synthetische Pestizide gegen die Schädlinge einsetzen. Ein denkbar schwieriges Jahr für eine Umstellung. Bajour schickt Durchhaltewünsche nach Aesch. Du schaffst das, Ueli.
     
  • Der Twitteraccount der Basler Rettungsbehörden meldete gestern:
Themawechsel. Die Corona-News kommen heute in Form eines wichtigen Hinweises: Am kommenden Freitag, 16. Juli, ist Walk-In-Tag im Impfzentrum Basel am Messeplatz. Alle Infos gibts hier 👇.
 🙋 Grüsse gehen raus an den einen Mitarbeiter (und seine Kolleg*innen) im Impfzentrum, der offenbar das BaselBriefing abonniert hat und mich beim letzten Besuch am Namen erkannte. Ihr macht einen Superjob da, weiter so!
Und hier die aktuellen Corona-Zahlen:

Der Kanton Basel-Stadt meldete gestern 8 Neuinfektionen. Im Baselbiet waren es vorgestern Montag 7, gestern fehlten die Zahlen. Wichtig bleibt: Sicherheitsmassnahmen einhalten, Abstand halten, Masken tragen, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen

Kürzlich empfahlen wir im BaselBriefing die Recherche der Sonntagszeitung, wonach die Chemiekonzerne Novartis und Brenntag Schweizerhall AG mit Sitz in Basel zu willkommenen Lieferanten potenziell gefährlicher Chemikalien an Abnehmer aus dem Bürgerkriegsland Syrien wurden. Die EU hatte die Ausfuhr bereits mit einem Embargo belegt. Die Schweiz, kein EU-Mitglied, lieferte weiter.

Nun zeigen Recherchen der niederländischen Investigativ-NGO SOMO weitere ~Vorteile der Insel Schweiz, genauer: der Steueroase Basel. Weil hier der Steuersatz für Unternehmen tiefe 13 Prozent beträgt, hat offenbar der Impfstoffhersteller Moderna seinen Sitz in Basel unter dem Namen Moderna Switzerland GmbH. Wie aus geleakten Verträgen zwischen dem Konzern und der Europäischen Union hervorgeht, könnte ein Grossteil der europäischen Gelder für den Impfstoff Moderna (über 10 Milliarden) in Basel versteuert werden. Das ist insbesondere darum stossend, schreibt das englischsprachige Magazin Politico, weil Moderna riesige Summen öffentlicher Gelder (unter anderem aus den Subventionstöpfen der EU und der USA) für die Forschung am Impfstoff kassierte.

Davon fliesst jetzt aber nichts in Form von Steuerrückzahlungen an die geldgebenden Länder, sondern Basel kassiert. Die Autoren des niederländischen NGO-Berichts prangern die «Steuervermeidungs-Struktur» der Schweiz an und schreiben: Es ist eine ökonomische Ungerechtigkeit, wenn Steuerzahler*innen die Entwicklung eines Stoffes finanzieren, der ihnen dann zu hohen Preisen zurückverkauft wird. Die Profite machen dann auch noch die Steueroasen.»

Die SRF-Regionaljournale widmen ihre Sommerserie dieses Jahr dem Thema Schätze im Boden. Im aktuellen Beitrag geht es – Schätze sind auch nicht mehr, was sie mal waren – um Chemiemüll unter dem Areal des geplanten Stadtteils im Klybeckquartier. Der Streitpunkt der Altlasten begleitet die Arealplanung schon eine ganze Weile und weil das 300'000 Quadratmeter grosse Quartier zu den grössten Entwicklungsarealen der Schweiz gehört, lohnt es sich auch, da ganz genau hinzuschauen. Die SRF-Journalistin Anna Jungen tut das. Hörempfehlung

☝️

Und wo wir schon beim Klybeckareal sind: Die Fachstelle Stadtteilentwicklung machte gestern Abend darauf aufmerksam, dass die beteiligten Planungspartner Swiss Life, Rhystadt und Kanton Basel-Stadt bis im August 2021 das städtebauliche Leitbild für das Klybeckareal erarbeiten. Noch bis zum 20. Juli 2021 hast du über DIESEN LINK die Möglichkeit, den Stand der Planung zu beurteilen. 

Die Kurznews:
  • Die LDP will einen erneuten Versucht unternehmen, Flugpassagiere zu einer freiwilligen CO2-Abgabe auf Flugtickets zu animieren. Das berichtet die bz. Ein ähnlicher Versuch war bereits 2019 gescheitert, nun unternimmt LDP-Grossrat Michael Hug einen neuen Anlauf und reicht einen Vorstoss ein. Die Regierung soll Massnahmen für eine freiwillige Abgabe prüfen. 
     
  • Die Basler Verkehrsbetriebe haben seit dem 1. Juli einen neuen Sprachleitfaden und benutzen zum Beispiel für Job-Ausschreibungen neu das Gendersternchen. Das berichtet Primenews, nachdem es im Tram eine Stellenausschreibung als Elektroinstallateur*in entdeckt hatte. 
     
  • Klimaschutz ist Handarbeit. Dachte sich die BaZ (noch nicht online) und hat mit dem Massband einen Meter über dem Boden den Stamm-Umfang der Kugelahorne gemessen, die an der Margarethenstrasse einer Tramhaltestelle weichen sollen. Siehe da: 4 sind vor dem Gesetz zu dick (über 30 Zentimeter Durchmesser) und einer zu neu (geschützte Erstpflanzung 2009), um ohne Baupublikation gefällt zu werden. Hilft nichts, die Bäume werden trotzdem gefällt und zwar ohne erneuten Möglichkeit zur Einsprache, weil 2017 bereits eine Planungsauflage erfolgte. Damals waren die meisten Bäume noch dünner, die einzige Einsprache des WWF war abgelehnt worden. Baudirektorin Esther Keller zieht nochmal den Kopf aus der Massbandschlinge, wie pariert sie die nächste Intervention? Die Causa Kugelahorn bleibt spannend. 
Unterhaltungstipp: In die Röhre gucken
Es gibt eine Homepage, die nichts weiter bietet als einen alten Fernseher und das Fernsehprogramm der 90er Jahre. That's it, das ist der Tipp.
Ich wünsche dir einen schneidigen Mittwoch und liebe Grüsse,
Daniel Faulhaber
 
PS: Das Nützliche zum Schluss (Nützliches #5)

Ich sag dir wie's ist: Ich bin langsam ausgeschossen mit den Tipps und die Ferien nahen, darum gibts heute ausnahmsweise einen Tiefflieger: Die besten und günstigsten Gummistiefel gibts bei der Landi. Da denkt man ja je nachdem nicht dran, aber ich weiss noch wie wir früher vor dem Sommerfestival zur Landi gepilgert sind und jede*r sein Paar Stiefel abstaubte. Die nächste Landi ist leider in Reinach. Jumbo geht auch, aber Landi ist besser. Ich wünsche trockene Füsse und dankt mir dann im August. 

Ps: Wenn du Ideen und Tipps hast für etwas sehr sehr Nützliches, einen richtigen Cowboy-Fix oder so, dann darfst du uns das gerne ins allzeit offene Ohr namens info@bajour.ch flüstern. Danke!


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