12.07.21

Guten Morgen

Es wurde spät gestern Nacht. Ich habe gezittert, geschwitzt, geschrien. Und am Ende eine Träne verdrückt. Wie du vielleicht an meinem Nachnamen erkennst, war ich alles andere als ein neutraler Zuschauer.

🦁🦁🦁

1:1 nach Verlängerung, 3:2 nach Penaltyschiessen. Wenige Minuten vor Mitternacht stand schliesslich fest: Italien ist der neue Fussball-Europameister! 🇮🇹🏆 Das wurde in der Basler Innenstadt natürlich frenetisch gefeiert, TeleBasel hat Bilder von Flaggen, Pyros und Hupkonzerten in der Steinen.

Mir lag schon das ganze Wochenende der Song «Three Lions» im Ohr, die wohl beste Fussballhymne aller Zeiten. Doch statt «it's coming home» heisst es nun, O-Ton Bonucci, «it's coming to Rome». Und Englands «years of hurt» gehen weiter.

Ich freue mich trotzdem für Italien. Denn die Azzurri spielten den mitunter aufregendsten Offensivfussball an dieser EM. Und als ihr Captain Giorgio Chiellini, dieser alte Fuchs, den Pokal in die Höhe stemmte, habe ich mich dabei erwischt, wie ich spontan geklatscht habe.
Tränen gelacht habe ich dann bei diesem Twitter-Video des italienischen Komikers Sam Picone. Er gibt sich darin als italienischer Fussballfunktionär aus, der den englischen Fans aufzählt, an welchen «italienischen» Restaurants sie nun ihren Frust ablassen dürfen:
Von der Fussball- auf die Politbühne:

Von Hundert auf Null, so in etwa könnte man die lose Bajour-Serie nennen, in deren Zuge wir mit ehemaligen Basler Politiker*innen über das Leben danach sprechen.

Nach Christoph Brutschin ist heute Lorenz Nägelin (im Bild unten nicht grundlos ganz relaxed) an der Reihe.

Der Absturz des ehemaligen SVP-Präsidenten war steil und brutal. Eben noch der Mann, der die basel-städtische SVP zur bürgerlichen Koalitionspartnerin maskiert hatte, dann auf einmal Opfer eines innerparteilichen Putsches, dem er im April 2019 mit seinem Rücktritt zuvorkam.

«Es ist die beste Entscheidung, die ich treffen konnte», blickt Nägelin nun im Gespräch mit Bajour zurück. «Ich bereue sie keine Minute.» Heute ist der 54-Jährige immer noch Teamleiter bei der Rettung Basel-Stadt. Und seit Januar ist er neu auch als Unternehmer tätig und beschäftigt 35 freie Mitarbeiter*innen.

«Dies alles wäre gar nicht möglich gewesen, wenn ich noch in der Politik wäre», sagt Nägelin, der sein früheres Amt kein bisschen vermisst und für die Zukunft der Basler SVP schwarz sieht. Woran die Volkspartei seiner Meinung nach krankt – und was die aktuelle Parteispitze von diesen Vorwürfen hält – erzählt dir mein Kollege David Sieber

👉 in diesem einsichtsreichen Personen-und-Partei-Porträt

Die Corona-News:

🏆📉 Die beiden Basel haben die Pandemie, zusammen mit Graubünden, von allen Kantonen am besten gemeistert. Zu diesem Schluss kommt eine Corona-Bilanz in der SonntagsZeitung (Abo). Sie gab den beiden Basel gute Noten in den Kategorien Testen, Impfen, Niedrighalten der Positivitätsrate und Übersterblichkeit. Am schlechtesten schnitten die Kantone Freiburg, Jura und St. Gallen ab.

🦠🍂 Der Virologe Volker Thiel, Mitgield der Corona-Taskforce, warnt im Interview in der NZZ am Sonntag vor der Delta-Variante: «Delta scheint sowohl besser übertragbar zu sein als auch Antikörpern auszuweichen.» Thiels Prognose: «Im Sommer werden wir noch keine grossen Probleme haben, da die Zahlen jetzt noch niedrig sind. Sie steigen aber wieder, doch bis wir das im Alltag merken, dauert es. Aber im Herbst kann es schmerzen.»

🕳️🌊 Die Delta-Variante ist bei Abwasserproben in Basel nachgewiesen worden, teilt das Basler Gesundheitsdepartement mit. Kontrolliert wurde in 20 Kanalisationsstellen des Stadtgebiets und im Zulauf der Kläranlage von Pro-Rheno. Dabei seien von April bis Juni in einem Drittel bis zur Hälfte der Kontrollstellen Viren nachgewiesen worden – immerhin mit einer abnehmenden Tendenz im Verlauf der Zeit.

🥳✅ «Alle Tests waren negativ», sagt die Medizinstudentin Marina Moser, die am Samstagabend vor einem Basler Club Coronatests durchgeführt hat, im Gespräch mit dem Regionaljournal. «Wir haben zu dritt etwa 300 Personen getestet.» Die Stimmung unter den teils auch angetrunkenen Partygästen sei im Grossen und Ganzen gut gewesen. «Die meisten Leute kommen, setzen sich hin, werden getestet, sind dankbar und gehen in den Club
Die aktuellen Corona-Zahlen:

Der Kanton Basel-Stadt meldete über das gesamte Wochenende 11 Neuinfektionen, Baselland am Samstag 4. Die Zahlen steigen derzeit wieder an. Darum wichtiger denn je: Impfen lassen, Abstand halten, in Innenbereichen Masken tragen, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen.

Das zweitschönste ⚽-Bild vom Wochenende

Fussball wurde gestern auch ein paar Zeitzonen weiter westlich gespielt. Im Final der Copa America bezwang Argentinien den Gastgeber Brasilien mit 1:0.
Das Besondere daran: Es ist dies Lionel Messis erster (!) grosser Titel mit Argentinien.

Und den gönnt ihn sogar sein gestriger Gegenspieler (und früherer FC-Barcelona-Teamkollege) Neymar sichtlich von Herzen.

🥰🇦🇷#bros4ever 🇧🇷🥰
Die Kurz-News aus der Region:
  • Basler Berufslehre wenig attraktiv: Basler Lehrlinge sind fast zwei Jahre älter als der Schweizer Durchschnitt, berichtet die bz (abo+). Die Zeitung erklärt das damit, dass vergleichsweise wenige (18 Prozent) Sekundarschüler*innen direkt nach ihrem Abschluss eine Lehre aufnehmen, sondern erst später über schulische Umwege dorthin fänden. Zum Beispiel über die Fachmaturität, auf die derzeit ein Run herrscht: Im Herbst werden 290 neue Schüler*innen an der FMS erwartet, ein Drittel mehr als im letzten Schuljahr.
     
  • Zirkus Basilisk muss Tournee abbrechen: Nach nur einer Woche müssen sämtliche 53 Artist*innen des Jugendzirkus in Quarantäne. Die Beteiligten stünden nun vor einem finanziellen «Scherbenhaufen», berichtet das Regionaljournal.
     
  • «Spielegge» an neuer Adresse: Das Basler Spielwarengeschäft hat am Samstag nach 47 Jahren seinen Platz im Haus Rosenfeld am Rümelinsplatz geräumt. Wie die bz (Abo+) berichtet, kann der «Spielegge» aber bereits am 31. Juli an neuer Adresse am Spalenberg 40 wiedereröffnen. Nötig machte den Umzug eine anstehende Sanierung des Rosenfelds.
     
  • Streit wegen Spitalliste: Mit der Spitalliste regeln die beiden Halbkantone gemeinsam, welches Spital welche Operationen durchführen darf. Dagegen wehren sich nun die Rennbahnklinik in Muttenz und die Ergolz-Klinik in Liestal vor dem Bundesgericht, berichtet die BaZ (Abo). Ein gravierender formeller Fehler mache die Spitalliste nichtig. Laut bz (Abo+) hat auch das Kantonsspital Baselland Beschwerde eingereicht.
Unterhaltungstipp: 🦁🦁🦁
Du merkst es, ich habe die Finalniederlage noch nicht richtig verdaut.

Zum Glück bin ich auf dieses Video gestossen, das die ehrwürdige Queen's Guard zeigt, wie sie vor dem Clarence House die Melodie von «Three Lions» zum Besten gibt.

Dass es eine Pub- und Kurvenhymne bis in den königlichen Hof geschafft hat, hat in meinen Ohren etwas Tröstliches.

Deshalb gehe ich ganz mit dem Kommentar eines britischen Fans überein, der zurecht fragt: «Können wir das bitte zu unserer neuen Nationalhymne machen?!» Ein Evergreen ist der Song ja schon.

Du findest das Video auf dem Youtube-Kanal vom «Guardian»

Und damit wünsche ich dir einen meisterhaften Start in die neue Woche.

Cheers

Lory
 
P.S.: Das Nützliche zum Schluss 🔍

Meine Kollegin Ina hat dir in ihrem letzten Briefing erzählt, wie du am besten deine alten Brillen entsorgst. Ich knüpfe hier lose an und verrate dir einen Spar-Trick, den ich einsetze, wenn ich meine Kontaktlinsen bestelle.

Normalerweise schickt mir der grosse Onlineshop meines Vertrauens eine Mail, in der ich per Knopfdruck meinen letzten Auftrag nachbestellen kann. Easy. Doch dieser Link ist manchmal eine Falle. Mir wurden da schon Preise angezeigt, die deutlich höher sind, als wenn ich dieselben Linsen im Onlineshop nochmals suche und neu bestelle. Neukunde vor Stammkunde lautet offenbar ihr Motto.

Mein Motto seither: Nie nachbestellen, immer neu bestellen. Und am besten Linsenmodell und Sehschärfe notieren und in Griffnähe bereit halten. Kann einiges an Ungemach ersparen.


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