02.07.21

Guten Morgen

Heute ist ein besonderer Tag. Einige sind aufgeregt, weil es der letzte Schultag vor den Sommerferien ist. Andere dürften einen innerlichen Countdown bis 18 Uhr laufen lassen. Dann ist es soweit: Die Schweiz trifft im Viertelfinale der Fussball-EM auf Spanien!🇨🇭🇪🇸 Überall lassen sich jetzt Statistiken, Tipps und Kommentare dazu lesen, was die Schweizer Mannschaft wohl schaffen könnte. Ich glaube: Es ist so ziemlich alles möglich, das haben die Spieler gegen Frankreich gezeigt. Und wenn die Reise heute zu Ende ist: Schön war's! Weiter unten hab ich übrigens noch ein paar Tipps zum wahrhaft patriotischen Feiern für dich ... aber vielleicht nicht so, wie du denkst. Wink, wink.

Wie weit muss Wohnschutz gehen?

Wohnraum ist in Basel knapp und meistens teuer. Letzten November entschied sich die Stimmbevölkerung deshalb für die Einführung des revidierten Wohnraumfördergesetzes. Die Details dazu hat der Regierungsrat gestern präsentiert. Durch eine Bewilligungspflicht und eine Mietzinskontrolle sollen Mieter*innen von bezahlbaren Wohnungen künftig besser vor Verdrängung durch Kündigungen oder steigende Mieten geschützt werden.

Konkret sollen etwa vorzeitige Sanierungen und preistreibende Renovationen verhindert werden. Die Regierung will Anreize schaffen, dass Immobilienbesitzer*innen Sanierungen im bewohnten Zustand vornehmen, so dass die Mieter*innen in den Wohnungen bleiben können, oder sie zumindest ein Rückkehrrecht erhalten, nachdem die Wohnungen saniert oder umgebaut wurden. So will sie Massenkündigungen entgegenwirken.

Was erst einmal nach einem guten Plan tönt, trifft bei den Kritiker*innen beider Seiten allerdings auf wenig Freude:
  • «Das ist ein zahnloses Regelwerk. Man schenkt uns einen löchrigen Regenschirm», findet Beat Leuthardt. Der BastA!-Grossrat und Co-Geschäftsleiter des Basler Mieterverbands glaubt nicht, dass die Wohnraumschutzverordnung Entspannung in den Basler Wohnmarkt bringen wird.«Investoren werden weiterhin bewilligungsfrei sanieren und im Anschluss am Mietzins schrauben können, wenn sie die Bewohner einfach in den Wohnungen lassen.»
     
  • Vermieter*innen könnten nur noch die Hälfte der Kosten für Umbauten auf die Mietzinse schlagen kritisiert dagegen Andreas Zappalà, FDP-Grossrat und Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands im «Regionaljournal». Der Verband beklagt, dass mit der neuen Wohnschutzverordnung besonders auf private Vermieter*innen ein kaum stemmbarer bürokratischer und rechtlicher Aufwand zukomme. 
Die neue Wohnraumschutzverordnung tritt ab 1. Januar 2022 in Kraft. Während der Regierungsrat glaubt, damit die Forderungen der Initiative «JA zum ECHTEN Wohnschutz» erfüllt zu haben. Mitinitiant Leuthhardt widerspricht. Massenkündigungen wie am Schorenweg oder jüngst in der Frobenstrasse, hätten mit dieser Verordnung nicht wirklich verhindert werden können. Alle Details zu dem neuen Gesetz findest du im Bajour-Artikel von Adelina.
Linksextreme bekennen sich zu Vandalismus

In den vergangenen Wochen kam es zu Sprayereien und zersprungenen Fensterscheiben bei mehreren Geschäften in Basel. Dahinter soll eine linksextreme Gruppe stecken, berichtet Primenews. Betroffen seien Geschäfte, die das Online-Medium als linksorientiert einstuft, wie etwa den Laden «Basel unverpackt», das Unternehmen Mitte und die Bäckerei Kult. Auch die Fassade der Architekten Herzog & de Meuron wurde mit Farbe beworfen. Primenews schreibt, auf einem «einschlägigen Portal» hätten sich nun Linksextreme anonym zu den Taten bekannt. «Durch die Gentrifizierung werden unsere Quartiere uns immer mehr entrissen», soll es in dem Schreiben heissen. Sie werfen den Betrieben vor, hohe Profite mit ihrer nachhaltigen und ökologischen Strategie zu erzielen und dadurch ein gutes Gewissen zu verkaufen für etwas, das in Wahrheit kapitalistisch sei. In dem Artikel zeigt sich das Team des Unverpacktladens fassungslos. Der Laden ist eine gemeinnützige Genossenschaft mit neun Mitarbeiter*innen und sei nicht auf Profit aus. Jetzt wolle man Strafanzeige stellen. Dies habe das Unternehmen Mitte laut Artikel bereits getan.
Alters- und Pflegeheime in finanzieller Misslage

Die Auswirkungen des Lockdowns im vergangenen Jahr spüren die Alters- und Pflegeheime noch heute. Viele Leute würden den Gang ins Heim herauszögern, berichtet das «SRF-Regionaljournal». Sie hätten Angst zu vereinsamen, wenn wieder ein Besuchstopp verhängt wird. Waren freie Plätze vor der Pandemie eine Seltenheit, stünden jetzt viele Zimmer frei, sagt Veronica Schaller, Präsidentin von Curaviva Basel-Stadt. Statt einer Auslastung von 96 Prozent, seien nun im Schnitt noch 90 Prozent belegt. Bei manchen Heimen seien es sogar nur 75 Prozent. Für Alten- und Pflegeheime bedeutet das weniger Einnahmen bei gleichbleibenden Fixkosten. Einige geraten dadurch in finanzielle Schwierigkeiten und müssen etwa Personal entlassen. Schaller ist überzeugt, dass sich die Heime attraktiver machen müssten. Die rückläufige Nachfrage sei auch eine Generationenfrage, man müsse andere Angebote machen.
Die aktuellen Corona-Zahlen:

Der Kanton Basel-Stadt meldete gestern 2 Neuinfektionen. In Baselland erhielt die Statistik kein Update. Trotz der niedrigen Zahlen bleibt es wichtig: wenige Menschen treffen, Abstand halten, Masken tragen, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen

Die Kurz-News:
  • Roche streicht Stellen: In seiner Entwicklungssparte will Pharmariese Roche mehrere Stellen streichen. Wie der «Blick» gestern berichtete, soll die Belegschaft in der Entwicklungsabteilung bis zum Ende des Jahres um 5 bis 7 Prozent reduziert werden. Weltweit seien etwa 300 bis 400 Stellen betroffen, auch in Basel sollen Mitarbeiter*innen ihre Arbeit verlieren. Mehr dazu im Bajour-Ticker.
     
  • Grenzgänger*innen bekommen Hilfe: Die Handelskammer beider Basel sowie acht weitere Kammern aus Deutschland und Frankreich verlangen in einem gemeinsamen Brief an die EU, dass die Homeoffice-Pflicht für Grenzgänger*innen auch weiterhin ausgesetzt bleibe, um Lohneinbussen zu vermeiden, berichtet die BaZ.
     
  • «Im Fluss» wird zu «Floss»: Das Festival am Rhein hat sich in «Floss» umbenannt und sein Programm vorgestellt. Vom 1. bis 18. September 2021 treten verschiedene Künstler*innen auf, unter anderen Gigi Moto, die Spider Murphy Gang und Stress.
     
  • Basler EU-Charme-Offensive: Unter dem Motto «Basel. Wo die Schweiz in Europa zuhause ist», verfolgt der Kanton Basel-Stadt das Ziel, sich in Europa präsenter zu machen. Es gehe darum, «für die guten Beziehungen der Schweiz mit Europa zu werben und Basel als Tor zur Schweiz zu positionieren», teilt der Kanton mit. Den Auftakt der Aktion macht bis am 31. Oktober 2021 eine Ausstellung im «House of Switzerland» in Stuttgart.
Unterhaltungstipp: 
Ich als Nordlicht finde es toll, dass Basel einen Hafen hat. Da weht mir immer ein wenig Fernweh um die Nase. Wer zumindest eine Ahnung davon bekommen möchte, wie es sich anfühlt, mit einem Frachtschiff in See zu stechen, kann jetzt im renovierten Hafenmuseum eine Runde mit dem Simulator drehen – zum Beispiel im Hafen von Hongkong oder Hamburg. Virtuell versteht sich. Wenn du diesen Samstag noch nichts vor hast, kannst du dir beim Tag der Offenen Tür anschauen, was alles neu ist im Hafenmuseum Verkehrsdrehscheibe Schweiz, wie das Museum mit vollem Namen heisst. Es wurde nicht nur renoviert, auch die Ausstellung wurde aufgemotzt. Zwischen 14 und 17 Uhr gibt es ausserdem halbstündliche Hafenrundfahrten mit der Solarfähre. Ahoi! ⚓️💙
🇨🇭🇪🇸 Wie versprochen habe ich noch ein paar goldene Tipps für das EM-Spiel heute. Wir von Bajour haben uns gedacht: Schweizer Fahne schwingen, Nationalhymne singen – das kann man machen. Doch wir haben bessere Ideen, um heute für die Nati zu fanen. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, aber wir empfehlen zum Beispiel einen spontanen Gang zum Frisör – mit Kind und Kegel. Oder wie wäre es damit:
  • Mach den Doppeladler bei jedem Tor, das die Schweiz erzielt
  • Schmettere lauthals: «Trittst im Morgenrot daher»
  • Ende abrupt mit dem Schmettern, weil sorry, mehr als diese 5 Worte der Schweizer Hymne kennst du nicht.
Mehr Tipps für ein wahrlich patriotisches Viertelfinal findest du hier.
 

Ich wünsche dir ein Knaller-Wochenende!

Herzlich
Ina
 
P.S.: Das Nützliche zum Schluss

🏖 Na, du Sonnenkind. Ich wollte dich kurz daran erinnern, dass Ferienzeit oft auch Sonnenbrand-Zeit ist. Also falls du demnächst trotz Corona deine Koffer packst für eine Reise, darfst du auf keinen Fall die Sonnencreme vergessen (Mindestens Lichtschutzfaktor 20!). Du hast deine Sonnenmilch vom vergangenen Sommer noch nicht verbraucht? Vorsicht. War die Packung ungeöffnet, hält sie zwei Jahre. Aber ist die Creme schon einmal benutzt worden, sollte man die Finger davon lassen (Forscher*innen haben herausgefunden, dass alte Sonnencremes krebserregend sein könnten). Wenn du dich also mit deiner frischen Sonnenmilch einschmierst, gibt es noch etwas zu beachten: Creme dich ein, bevor du die Ferienwohnung oder das Hotel verlässt. Es dauert nämlich etwa 30 Minuten, bis der Schutz wirkt. Und er wirkt auch nur dann richtig gut, wenn er dick genug aufgetragen wird. Also: nicht zu sparsam schmieren. 🏖

Und check doch vor Abreise nochmal, wie die Einreisebestimmungen für dein Reiseland sind. 😷✈️

P.P.S.: Baseldytsch mit Ina
Willkommen zu meiner gewohnt launigen Mundart-Show! Ich würde heute gern über Namen reden. Denn seien wir ehrlich: Die Aussprache bzw. Betonung macht viel aus. Für mich bedeutete das in meiner Anfangszeit in Basel: Ich habe keine Ahnung, von wem die Rede ist.

Namen nach Gehör zu notieren und anschliessend zu googeln ist auch eher schwierig, kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Ich möchte ein paar Beispiele nennen. Da wäre etwa Pascal Pfister von der SP. Sein Nachname wird «Pfischter» ausgesprochen. Das macht einen grossen Unterschied! So ähnlich klingt auch Vischer – wohlgemerkt als Vogel-V ausgesprochen und nicht weich wie in Wasser. Aber selbst Esther Kellers Namen musste ich erst auf Baseldytsch lernen (Chäller/Käller, je nachdem). 

Auch bei Vornamen kann es tricky werden. Ueli ist nicht gleich Üli oder Uli, sondern Uueeli. Und René wird auf der ersten Silbe betont, genauso wie Mathias (ich sage Mathiiias, Betonung auf dem i). Zum Namen Kasper sag ich lieber nichts. Chhhaschper. Ok, jetzt hab ich's doch gemacht. Ich bin jedenfalls froh, dass mich mein Gehör inzwischen nicht mehr täuscht. Auch, wenn ich manchmal zweimal hinhören muss. 👂👂


Basel Briefing - der tägliche Newsletter mit 🤍 von Bajour.

[anmelden]

Kennst du jemanden, der oder die einen Aufsteller braucht? Du kannst dieses Briefing inklusive Baseldytsch mit Ina per 👉Whatsapp oder 👉Mail weiterleiten. 


Bajour Clarastrasse 10 4058 Basel Switzerland