07.07.21

 Guten Morgen

Da jubeln sie, die Azzurri. Gestern entschied wieder ein Penaltyschiessen über das Weiterkommen in der EM und die Italiener haben sich gegen die Spanier durchgesetzt. Nach dem Drama, dass es 2018 gab, als in der gleich Konstellation Italien aus der WM-Vorrunde rausgekickt wurde (landesweite Schande und Trauerflor), war der gestrigen Sieg umso süsser. Die Italienfans haben wild gefeiert – hallo Hupkonzert – und hoffen nun auf nächsten Sonntag, denn winkt nämlich der EM-Titel, den Italien zuletzt 1968 gewonnen hatte. Und auch ich habe mich ein bisschen gefreut, besonders für mein Papa, der sich sehr gefreut hat 🇮🇹 ❤️ 🇮🇹. Und weil nur Musik die auf der Welt verstreuten Italiener*innen mehr als Fussball miteinander verbindet, etwas Sound aus den 90ern, den ich als Kind mir aus der Seele geschrien habe: Un'estate italiana.

Gegen wen Italien am Sonntag im Finale spielen wird, stellt sich heute Abend heraus, wenn England  und Dänemark aufeinander treffen. Der Ball rollt ab 21 Uhr. ⚽

Es wird wieder getanzt! Und zwar unter Basels wohl berühmtester Kuppel. Jahre hat es gedauert, nun stehen die Baupläne, die Baueingabe ist erfolgt und Kuppel-Stiftungspräsident Tobit Schäfer ist unheimlich gut drauf: «Ich freue mich sehr darüber, dass wir diesen grossen Schritt endlich geschafft haben und die Realisierung immer näher rückt», sagt er gegenüber Bajour

Ob der Bau der Kuppel tatsächlich noch dieses Jahr beginnen wird, hängt davon ab, ob das Baubewilligungsverfahren rechtzeitig abgeschlossen werden kann und niemand Einsprache erhebt. Die Finanzen scheinen auf jeden Fall gesichert: Die Stiftung bekommt vom Kanton 1,7 Millionen Franken, anonyme Spender*innen aus Basel stellen den Rest des Budgets, das sich auf 10 bis 20 Millionen Franken beläuft. 

Tönt soweit gut. Nebengeräusche gibt es aber bereits, wie heute die bz (Abo) schreibt: Wegen der Baustelle für den Neubau der Kuppel will der Basler Gastronom Simon Lutz die «Baracca Zermatt» bis 2023 stehen lassen. Diese wird normalerweise im Sommer jeweils abgeräumt. Das Gesuch wurde allerdings abgelehnt. Der Neutrale Quartierverein Bachletten-Holbein hat nämlich Einsprache erhoben, «Die ‹Baracca› widerspricht dem eigentlichen Zweck des Nachtigallenwäldeli», begründet Peter Fankhauser vom Quartierverein den Einspruch gegenüber der bz. Nun hat Lutz einen Rekurs eingereicht. Affaire à suivre.
Das ist das 4-Sterne-Hotel Hyperion. Momentan kostet ein Superior-Zimmer 145 Franken pro Nacht. Für ein solches Hotel durchaus üblich. Während der Art Basel, die im September stattfinden wird, herrschen aber andere Verhältnisse: Das gleiche Zimmer kostet dann 1190 Franken. Darüber berichtete die Baz (Abo) kürzlich. Der Direktor der Kulturstiftung Basel H. Geiger Raphael Suter forderte in seiner Kolumne sogar eine Schwarze Liste für Hotels, die solche exorbitante Preiserhöhungen vornehmen. Nun zieht die Zeitung nach (noch nicht online) und stellt fest, so selten sind solche Ausreisser nicht. Und fragt bei Nadine Minder, Geschäftsführerin von Hotelleriesuisse Basel und Region, nach. Sie lässt sich zu einer verhaltenen Kritik hinreissen: «Auch wir erachten unter den gegebenen Umständen den genannten vierstelligen Preis als zu hoch», sagt sie. Intervenieren möchte man aber dennoch nicht, es gebe schliesslich noch freie Zimmer in tieferen Preissegmenten. 

Ich freue mich eigentlich für die Hotellerie, dass das Geschäft besser läuft, aber diese Preise sind schon abstrus. Mit dem richtigen Leben hat das meiner Meinung nach wenig zu tun. Anyway, es passiert. 🤷🏻‍♀️
Und hier Aktuelles zu Corona:
Die Grafiken verraten es nicht auf den ersten Blick, aber die Fallzahlen steigen wieder leicht an. Das Bundesamt für Gesundheit meldete am Dienstag 274 neue Corona-Infektionen, der 7-Tages-Wert stieg damit um 38 Prozent, die Delta-Variante ist innerhalb von vier Wochen von 3 auf 28 Prozent hoch. Gleichzeitig sind noch knapp eine Million Menschen über 50 Jahre nicht geimpft. Die Covid-Taskforce warnt deshalb: Die «potenzielle zukünftige Krankheitslast» sei in der Schweiz im Moment noch hoch. Die Expert*innen des Bundes waren an der gestrigen Pressekonferenz verhalten optimistisch: Die Lage sei unter Kontrolle, wenn eine möglichst hohe Impfquote erreicht würde. Mit einer Verschärfung der Massnahmen rechne man nicht, sagt BAG-Direktorin Virginie Masserey, allenfalls könnte eine strengere Maskenpflicht wieder eingeführt werden.

Die BaZ (Abo) hat Kantonsarzt Thomas Steffen diesbezüglich befragt. Er meint: «Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die Spitalbelegung im Sommer wieder massiv hochschiesst», das dank der Impfung, die sich auf die Verbreitung des Virus auswirke «Der Hauptdruck kommt heute vom Impfen und nicht mehr von den Massnahmen».

Basel-Stadt und Baselland bemühen sich in der Zwischenzeit, die Impfquote zu erhöhen, dies auch weil der Impffortschritt ins Stocken geraten ist, wie Recherchen der bz (Abo) zeigen: Mehrere hunderte Impftermine blieben in der letzten Woche frei. Auch im Baselbiet sei die Impfquote rückläufig, schreibt die Zeitung. Aber es gibt auch gute Nachrichten:
  • Heute, von 13 bis 17 Uhr, findet im Impfzentrum Basel bei der Messe Basel ein erster Walk-In-Nachmittag für Erstimpfungen – eine Vorabregistrierung ist dafür nicht nötig. Alle Personen über 18 Jahre und wohnhaft in Basel-Stadt, die noch nicht auf einer Warteliste für einen Impftermin sind, können sich spontan impfen lassen. Das teilt das Gesundheitsdepartement mit. 
     
  • Das Schweizer Covid-Zertifikat wird voraussichtlich ab Freitag europaweit anerkannt. Die Schweiz dockt dazu an die gemeinsame Plattform der EU an. Der Schweizer QR-Code kann in allen 27 EU-Staaten sowie in den EWR/Efta-Staaten gescannt und mit den Daten in der Schweiz abgeglichen werden. Damit sollte für Einreisende aus der Schweiz die Testpflicht, die viele Länder vorsehen, entfallen. Die EU-Kommission hat die Anerkennung des Schweizer Zertifikats vorgeschlagen. Nun müssen die Mitgliedstaaten formal zustimmen. Der Entscheid sollte dann am Freitag in Kraft treten. Das melden die Tamedia-Zeitungen (BaZ, Abo).

Der Kanton Basel-Stadt meldete gestern eine Neuinfektione. In Baselland fehlte ein Update der Statistik. Gesamthaft steigen die Fallzahlen leicht an. Insbesondere in Innenräumen gilt weiterhin: Wenn möglich Abstand halten, Masken tragen, bei Symptomen sofort testen lassen und die Swisscovid-App nutzen

Und nun zu einer kantonsübergreifenden Parteiposse: Wie der Bergler in die Stadt ruft, so ruft es zurück oder wie die neue Mitte (ehemals CVP und BDP) den Stadt-Land-Graben vergrössert.

Was ist passiert? Philipp Matthias Bregy, neuer Fraktionschef der Partei im Nationalrat und Oberwalliser hat zur spitzen Feder gegriffen und eine gesalzene Kolumne im «Walliser Boten» geschrieben, in welcher er die eher rhetorische Frage stellt, ob links-grün regierte Städte – also Basel –  den nationalen Zusammenhalt gefährden würden, weil man sich in diesen Zentren zu wenig um die Anliegen der Landbevölkerung kümmern würde.

Der Text war sicherlich in erster Linie für das Walliser Publikum gedacht, aber der Ruf des Berglers wurde bis zum Rheinknie gehört. Balz Herter, Präsident der Basler Mitte-Sektion ist nicht gerade erfreut: «Diese Aussagen sind dem Bemühen der Mitte, in den Städten besser Fuss zu fassen, nicht förderlich.» Das würde nun intern diskutiert, meint er weiter. Mit welchem Resultat, bleibt abzuwarten. Die Story hat Kollege David Sieber 👉🏻 hier aufgeschrieben
,Die Kurznews aus der Region: 
  • Der Gewerbeverband Basel-Stadt ärgert sich über die Regierung. Gewerbetreibende hatten sich nach dem des Parkplatzabbaus an der Allschwilerstrasse mit einer Petition an die Regierung gewandt und über 1700 Unterschriften eingereicht. Die Regierung antwortet nun damit, dass der Abbau verkraftbar sei, weil Kund*innen, die mit dem Auto einkaufen würden, für die Quartierläden eine untergeordnete Rolle spielen würden. Der Gewerbeverband verschafft sich auf Twitter Luft, die SVP doppelt nach und kündigt Vorstosse an. 
  • Basel-Stadt führt wie der Kanton Baselland lohnrelevante Mitarbeitergespräche an den Schulen ein. Das berichtet heute die Baz (Abo). Die Beurteilungen können sich auf den Stufenanstieg auswirken, es soll ausserdem «Anerkennungsprämien» geben. Die Freude hält sich bei den Lehrer*innen aber in Grenzen. Das, weil die Schulleitungen die MAGs durchführen müssen und bei diesen die Ressourcen fehlen würden, fundierte Beurteilungen seien so nicht möglich.
     
  • Baselland will vorwärts machen beim Baustoff-Recycling. Die bestehenden Deponien sind voll, die Menge an Bauschutt soll um 30 Prozent reduziert werden. Eine Lenkungsabgabe für die Entsorgung von Bauschutt auf Deponien wurde von jedoch von der Regierung nach der Vernehmlassung wieder fallen gelassen, berichtet das Regionaljournal. Nun soll es eine Deponie-Gebühr richten, die aber nicht vor Ende Jahr im Landrat beraten werden wird.
     
  • Die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons Basel-Stadt muss die Elisabethenkirche sanieren. Das soll bis 2030 erfolgen und kostet voraussichtlich 13,2 Millionen Franken. Der Regierungsrat beantragt dem Grossen Rat, gut 40 Prozent der Kosten zu übernehmen und einen Investitionsbeitrag in Höhe von 5,4 Millionen Franken zu sprechen. 
     
  • Die Fachmaturitätsschule Basel (FMS) soll temporär erweitert werden. Acht weitere Klassen sollen in einem Erweiterungsbau Platz finden, sollte sich der Bedarf in den nächsten fünf Jahren nicht zurückgehen oder gar ansteigen, wird eine definitive bauliche Lösung geprüft. Dafür beantragt die Regierung beim Grossen Rat 2,9 Millionen Franken. 
     
  • Barbara Rentsch wird Geschäftsleiterin der Immobilien Basel-Stadt. Der Regierungsrat hat Barbara Rentsch zur neuen Geschäftsleiterin Immobilien Basel-Stadt (IBS) gewählt, der bisherige Leiter Rolf Borner verlässt das Finanzdepartement per Ende Juli 2021. 
     
  • Pico Caroni wird mit dem Wissenschaftspreis des Kantons Basel-Stadt ausgezeichnet. Der Neurobiologe wird für seine Leistungen in der Gedächtnisforschung und sein Engagement für den Forschungsplatz Basel mit dem Preis in der Höhe von 20'000 Franken geehrt. 
Unterhaltungstipp: Tagessheesh
Heute empfehle ich dir eine Sendung, die mich herzhaft zum Lachen gebracht hat. Es handelt sich um das SRF-Format «Zwei am Morge» in welchem die zwei Comedians Ramin Yousofzai und Robin Pickis, getarnt als SRF-Moderatoren jede Woche das Geschehen im Land parodieren. Die Tagesschau heisst dann etwa Tagessheesh, der Eigenbeschrieb ist ziemlich ehrlich «98% des Publikums würden das Format keinem Boomer empfehlen». Das SRF wagt sich damit an die Jungen und ich schwanke zwischen: Oh nai, bitte nicht und ja doch, ist richtig lustig (aber ich bin auch nicht Zielpublikum, weil zu alt).

Diese Folge ist wirklich amüsant. Gesprächsgast is nämlich Bundesbro Alain Berset, der sich mehr oder minder freche Fragen zum Thema Impfen gefallen lässt, mit Sonnenbrille posiert und Bubble tea schlürft. Der Bundesrat wagt sich also auch an die Jungen, aufs Ganze geht der Bundesbro Berset aber nicht: Joints nach der Impfung wird es keine geben. Das alles ist für Berset irgendwie leicht peinlich, er trägt es aber mit Fassung, das könnte Gutes verheissen – Ich freue mich schon auf den Insta-Auftritt der sieben Bundesbros und Bundesis (hoffentlich setzt sich die Bezeichnung durch 😂)! 
Und nun verabschiede ich mich bis Ende Juli, dann liest du dafür eine Woche lang von mir. Es war mir eine Freude,

Romina
Das Nützliche zum Schluss: Buddeln!
Zugegeben, solche Kunstbauten werden uns wohl nicht gelingen, aber die Ambitionen sind da: Team Mama-Kind will während den Ferien eine ordentliche Sandburg bauen. Ach, schon die Vorstellung, die Hände in den feuchten Sand zu stecken macht mich glücklich! Aber wie feucht darf es sein? Die Wissenschaft hilft: Matthew Bennett von der Bournemouth Universität in England hat eine Formel für den perfekten Bausand aufgestellt. Er nennt sich übrigens selbst Professor Sandcastle. Seine Formel lautet WM = 0,125 x SM. WM steht für die benötigte Wassermenge und SM für die ideale Sandmenge. Anders ausgedrückt ist ein Verhältnis von 1 (Wasser) : 8 (Sand) ideal, um Sandburgen zu bauen, die nicht gleich wieder zusammenfallen. Wir probieren es auf jeden Fall aus!


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