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Foto: ÖVP

 

Klimaschutz geht uns alle an. - Sebastian Kurz

Das Richtige zu sagen, das ist eine der schwierigsten Aufgaben unserer Zeit, denn was ist das überhaupt: das Richtige? Für Herrn Nehammer von der ÖVP muss es „anpatzen“ oder „Silberstein“ sein, sein Wortschatz ist da seit Wahlkampfbeginn recht eingeschränkt, Pamela Rendi-Wagner ist sich noch nicht so sicher, instinktiv würde sie wohl erst einmal gar nichts sagen, sondern auf Instagram gehen, lächeln, und #yeswepam schreiben. Für Werner Faymann war das Richtige immer das, was Claus Pandi geschrieben hat (und für Christian Kern wiederum immer das genaue Gegenteil davon, Anm.), Peter Pilz erkennt das Richtige daran, dass es sehr nach einem Grisham-Thriller klingt. Werner Kogler arbeitet mehr nach Bauchgefühl, er schöpft da, wie Fernsehbilder belegen, aus einem beeindruckend großen Reservoir. Beate Meinl-Reisinger folgt hingegen, seit sie für die Politik mehr „Muttis statt Yuppis“ fordert, dem Bestseller „Jedes Kind kann schlafen“ - sowas wie die Bibel der Brutalo-Pädagogik. 

Und Sebastian Kurz? Seit er einen Wahlkampf führt, der ihn in die Nähe der Absoluten führen soll, ist für ihn nur noch richtig, wogegen niemand widerspricht. „Klimaschutz geht uns alle an“, sagt er derzeit zum Beispiel, das ist so richtig, dass nicht mal Martina Salomon etwas dagegen haben kann, selbst wenn sie dann wieder ein Jackerl zum Heurigen mitnehmen muss. Man kann daraus problemlos einen Sinnspruch fürs Pfarrgemeindezentrum machen (aus den Fotos dazu übrigens auch, selbst wenn die schon sehr arg am Ersten Gebot rütteln). Und eigentlich eignen sich dafür auch all die anderen Botschaften, die Sebastian Kurz derzeit aussendet: „Von den Besten lernen“, „Wer im ländlichen Raum lebt, muss die gleichen Chancen haben, wie in den Städten“, „Fußball für alle", „Unser Ziel ist es, den Menschen ein Altern in Würde in unserem Land zu ermöglichen.“ Das ist alles so viel mehr „Jo eh“ als „Aha“, dass man sich fragt, was da noch kommen kann: „Zukunft ist gut für alle“? „An Apple a day keeps the doctor away“?

Einen Sinnspruch hat Kurz übrigens noch im Angebot: „Auf Kosten der nächsten Generationen zu leben, ist verantwortungslos und muss ein Ende finden.“ Er wird damit hoffentlich Umweltschutz meinen und nicht den Generationenvertrag bei den Pensionen. Denn sonst gäbe es möglicherweise doch ein bisschen Widerspruch.

 

Georg Dornauer junior, der charismatischste Dorfgendarm der Sozialdemokratie seit Hans Peter Doskozil, hatte diese Woche einen ganz besonders wichtigen Termin in der Hauptstadt. Einen Termin, der es absolut rechtfertigte, Parteibudget und Umwelt mit einem Inlandsflug Innsbruck-Wien-Innsbruck zu belasten: Dornauer war Studiogast bei "Fellner Live" im Ö24-Studio. Es war zwar nicht der richtige Fellner, sondern nur sein Sohn, das Gespräch dauerte auch nur 13 Minuten und es haben laut YouTube bisher gerade mal 4000 Menschen gesehen, aber hey: bundesweit! Alle, die es gesehen haben, wissen jetzt übrigens, dass Dornauer junior vielleicht ganz gerne Innenminister wäre, vielleicht aber auch nicht.

Der Fall „Teigtascherl“ ist so etwas wie der Porsche unter den Sommerlochgeschichten. Für alle, die es nicht mitbekommen haben: Vergangene Woche nahm die Finanzpolizei sechs Chinesen fest, die in einer Wohnung illegal Teigtascherl produziert hatten. Zwei davon hatten sich noch im Schrank versteckt. Also Chinesen, nicht Teigtascherl. Jetzt werden über 500 Asia-Lokale und -Supermärkte in Wien nach den illegalen Waren durchkämmt. Teigtascherl-Razzia nennt das Marktamt das. Das Fleisch-Investigativ-Team wollte sich vor den Beschlagnahmungen noch ein tiefgefrorenes Sackerl sichern – kam aber trotz genauer Anweisung einer Quelle aus der Gastroszene („Sind in den Tiefkühltruhen gleich wennst reinkommst und bei der Kassa reingehst ;)) zu spät. Keine illegalen Teigtascherl für uns. Nur legale, unappetitlich genau verpackte aus Holland. Dann doch lieber wieder Gemüsecurry.

Apropos Dornauer junior: Lange nichts mehr gehört von Gernot Blümel. Muss man sich Sorgen machen?

 

Das sozialdemokratische Possessivpronomen in der ersten Person Plural. Gerade in diesen Tagen, in denen die Umfragen leicht nach oben schauen und in denen die persönlichen Werte von unserer Pamela Rendi-Wagner nicht mehr ganz so mies sind wie noch vor ein paar Wochen, wird es gerne verwendet. Vor allem von Männern. Je gewichtiger sie sind, desto häufiger verwenden sie es, es nimmt mit jedem Kilo zu. Nach der Wahl wird es aber bestimmt rasch durch das Possessivpronomen zweite Person Plural ersetzt: Ihre Pam ist dann wieder unser Problem.
 

Im Berlin der nahen Zukunft gibt es Roboter, die sich von echten Menschen nicht mehr unterscheiden, außer vielleicht darin, dass sie eben nie Fehler machen. Und wo sind Menschen anfälliger für Fehler als in der Liebe? Roboter-Unternehmen stellen also künstliche Partner her und machen damit Liebe endlich bezahlbar. Nie wieder alleine sein, nie wieder streiten, klingt super, eigentlich. Leider aber, hat sich die Zahl der Selbstmorde seit der Erfindung verzehnfacht, was möglicherweise daran liegt, dass die Roboter Liebe zwar simulieren können, sich aber sozial von ihren Partnern entfremden. Ein Dilemma, an dem immer mehr Menschen zu Grunde gehen. Emma Braslavskys neuester Roman ist eine Mischung aus Großstadtmärchen und Krimi und erzählt von der schmalen Grenze zwischen natürlichem und künstlichen Leben und von der Allmacht der Algorithmen.

Emma Braslavsky “Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten”, Suhrkamp, 270 Seiten, 22,70 Euro (ab 12. August erhältlich)
Neos, der politische Arm der Vorarlberger Jeunesse Dorée, verstehen es seit Jahren zu feiern, ungefähr so wie die Wiener Junge Volkspartei nur halt ohne Gernot Blümel, und mit Kruder und Dorfmeister statt Udo Jürgens. Am Mittwoch ist es wieder soweit: „Gemütliche After Work Drinks im Wahlkampf dürfen nicht fehlen. Egal ob ihr im Ferienstress seid oder euch der heiße Arbeitsalltag fordert. Die NEOS AWD sind die perfekte Gelegenheit, um abzuschalten und gemeinsam am Donaukanal zu entspannen. Wetter ist uns egal. Gefeiert wird in jedem Fall. Ihr müsst nur eines tun: Dabei sein, gute Laune und Durst mitbringen und viel Energie. Mitfeiergäste der Feiergäste sind ebenfalls herzlich willkommen.“ Was genau Neos unter „viel Energie“ versteht, die man mitbringen soll, sollte man vielleicht noch klären. Bei Bedarf kann man ja sonst über die Flex-Brücke zur Summerstage gehen. 
Neos After Work-Clubbing, Mi, 8. August, 18 Uhr, Summerstage, Wien, Rossauer Lände 17.

Wir in Österreich raffinieren Essen, das sonst zu vegetarisch wäre, gerne mit etwas Fleisch. Das war schon immer so (Erbswurstsuppe zum Beispiel, Erdäpfelgulasch mit Debreziner, dazu später mehr). In den 1990er-Jahren hat sich eine besondere, eine moderne Spielart davon etabliert. Seitdem belegen wir nicht mehr nur Weißbrot, sondern alle möglichen Dinge mit Prosciutto crudo. Wir wickeln ihn um Zucchini und Spargel oder reichen ihn mit Melone. 

Ähnliche Praktiken kannte die österreichische Küche natürlich schon vorher. Bohnen und Sauerkraut schmecken nur mit Speckschnipseln drin und der Speckmantel hat eine lange Tradition, wenn es darum geht, faden Lebensmitteln wie Fisch ein bisschen Geschmack mitzugeben. 

Der traditionelle Speckmantel ist mit der Prosciuttohülle verwandt. Er ist ihr hinterwäldlerischer Onkel. Prosciutto hat sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten gegen ihn durchgesetzt. Wahrscheinlich weil der Rohschinken weniger intensiv schmeckt als Speck und wir so nicht merken, dass er eigentlich nicht zu dem passt, womit wir ihn essen.

Er ist auch beliebt, weil er italophilen Menschen ein besseres Gefühl gibt. Essen, das als italienisch gilt, gilt gemeinhin als gut. Und Honigmelone mit Luftgeselchtem klingt lange nicht so weltgewandt wie Melone mit Prosciutto. Aber der postmoderne Speckmantel passt auch zu Fleisch. Wenn eine Hühnerbrust in Prosciutto gewickelt ist, dann hilft das immer. Der Schinken verhindert, dass das Stück Huhn beim Braten trocken wird, sagt man jedenfalls. Sogar Rezepte für Garnelen im Prosciuttomantel gibt es. 

Ja klar, der Grat zwischen gut und abartig ist schmal. Und manche Dinge gehen einfach nicht mit Prosciutto zusammen, auch wenn es im Netz Anleitungen dazu gibt: zum Beispiel für Bananen im Prosciuttomantel. Wobei ...



Aus Fleisch Sommeredition 2017 (77 Dinge, die daneben, aber ziemlich super sind) – Einzelheft (5 Euro plus Porto) bestellbar unter: redaktion@fleischmagazin.at



 
Donnerstag Nachmittag, Anton-Benya-Park. Zwei junge Erwachsene spannen im Gras sitzend das Netz ihres Spielgerätes (Spikeball) nach. Drei Sechsjährige setzen sich dazu. Namen werden ausgetauscht, die einen sagen, was sie noch zum Spielen dabeihaben, dann die anderen. Und dann, ganz plötzlich, fragt einer der kleinen Burschen: "Mögt ihr eigentlich Sebastian Kurz?"

(Ihr habt eine kleine Begebenheit aus unserer Stadt für den nächsten Newsletter erlebt? Resi freut sich über Anregungen – redaktion@fleischmagazin.at)

Die großartige Vorwärts aus Steyr hat am Freitag Dreieins verloren, auswärts, gegen die Amateure vom LASK, was einerseits ärgerlich ist, weil eben der LASK, aber andererseits auch ein bisschen wurscht, weil noch früh in der Saison, in der ersten Hälfte war Vorwärts jedenfalls die aktivere Mannschaft, in der zweiten hat ihr ein Elfmeter das Genick gebrochen, ein Elfer, den man nicht wirklich geben muss, jedenfalls hat der LASK Amateur den Elfer sicher verwandelt, und ist dann jubelnd Richtung Tortribüne gelaufen, dort hat er dem Publikum die Faust entgegen gestreckt und sich in Pose geworfen, so wie man es bei einem Torjubel macht, und dann hat er Richtung Tribüne geschaut und zum Jubeln aufgehört, weil auf der Tribüne war genau niemand, weil LASK Amateure, das heißt leeres Stadion, absolut leere Tortribüne, kein Zuschauer, nirgends.

Wir lernen:  Man kann das Richtige machen und es ist trotzdem falsch.

Eine schöne Woche. Cheers!
Markus Huber and the Fleisch Collaboration
 
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