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Foto: Screenshot/FPÖ

 

„Bargeld ist gedruckte Freiheit.“ - Norbert Hofer

Freiheit: Für die einen ist es das Gefühl, nackt durch eine vorhanglose Wohnung laufen zu können, für die anderen ein "Members only"- Club, den die Polizei nur in Begleitung des Bundeskanzlers betreten kann, oder eine Armee von Türstehern, die kontrollieren, wer sich vor der Pratersauna-Toilette herumtreiben darf und wer nicht. Handel ohne Schranken und Kontrollen, die Neosse können dem auch etwas abgewinnen, Harald Mahrer nur, wenn das im Rahmen der Kammer-Selbstverwaltung passiert oder man zumindest eine Schalkrawatte dazu tragen kann (Spoiler: eher nicht!), und für Sebastian Kurz bedeutet Freiheit vor allem, sich nicht mit dem gemeinen Politikerpöbel gemein machen zu müssen, also ja kein Parlamentsmandat zu haben. Für Heinz Christian Strache ist Freiheit drei Bier, für Peter Pilz sind es eher vier, ein Abend in Alpbach und ein paar JVP-Sympathisantinnen. Für Wolfgang Sobotka setzte die Freiheit mit der Pension von Erwin Pröll ein, für Hans Peter Doskozil mit dem Auftauchen des schrägen Tirolers (seit damals gilt er selbst als „besonnen“), und für Pamela Rendi-Wagner bedeutet Freiheit ein Glas 15-Euro-Sancerre im Club 55 in Ramatuelle, dem Lieblingslokal von Ekaterina Mucha. 

Und für die FPÖ? „Unser Bargeld muss in der Verfassung verankert werden, denn Bargeld ist gedruckte Freiheit“, mit diesem Satz wirbt Norbert Hofer seit ein paar Tagen auf Facebook. Dass die FPÖ gern Geld hat, das konnte man sich spätestens seit Ibiza ja denken, und dass nur Bares Wahres ist, das gilt für die Blauen, seit der spätere Justizminister Josef Moser als enger Mitarbeiter von Jörg Haider hin und wieder mit Plastiksackerl voller Scheine unterwegs war. Aber dass das Freiheit bedeutet? Für Jörg Haider war die Freiheit, die er meinte, dass er jedes halbe Jahr für ein paar Wochen irgendwo auf der Welt abtauchen konnte und keiner wusste, wo er war und was er tat, Strache nahm auch irgendwas, und bei Herbert Kickl reichen gerüchteweise ein paar Abende ohne Handyempfang pro Quartal. Herr Hofer spürt offenbar gern ein paar Scheine in der Hose. Die sind ja auch recht praktisch, wenn die Strohhalme aus sind, zum Beispiel, oder wenn man im Dunklen die Autoschlüssel nicht findet und aus irgendwas eine Fackel bauen muss. Oder wer weiß, vielleicht kauft er damit hinter der ungarischen Grenze ein bisschen billigeres Flugzeug-Kerosin. Dass die FPÖ einfach ein paar Wahlkampfkosten hat, die nirgendwo aufscheinen sollen, das kann ja wohl nicht sein.

Wobei das zumindest erklären würde, warum Bargeld eine „gedruckte“ Freiheit bringt.

 

Lange nichts gehört von Udo Landbauer, dem charismatischsten FPÖ-Politiker nach Gottfried Waldhäusl. Dieser Tage hat der Burschenschafter mit dem einschlägigen Liedgut den Niederösterreichischen Nachrichten ein Interview gegeben und die so genannte Liederbuch-Affäre zusammengefasst. Und zwar so: "Es gibt keinen Schaden ohne Nutzen. Mein Bekanntheitsgrad ist nach oben geschnellt - das hätte man mit keinem Social-Media-Budget besser bewerkstelligen können". Wollen wir hoffen, dass Herr Landbauer nicht demnächst wieder für ein Amt kandidiert und ein bisschen Publicity braucht. Wer weiß, wozu er dann im Stande ist. 

Sonntag wurde im Südburgenland gewandert, Teil drei der Bergauf-Tour von Sebastian Kurz. Wir ersparen uns die Witze zum Thema Südburgenland und Berge und zeigen statt dessen ein bisschen Schuhwerk, mit dem die ÖVP-Funktionäre die hochalpinen Regionen erklommen (Spoiler: zwei der Böcke gehören einem ehemaligen Kanzler.) 

Ein paar Fakten zum Thema Erderwärmung: Die Bäume im Amazonasgebiet speichern rund ein Viertel des jährlich von den Wäldern der Erde absorbierten Kohlendioxids. In den nächsten zehn Jahren möchte Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro eine Fläche abholzen lassen, die 13,12 Gigatonnen CO2 speichert. Zum Vergleich: die Emissionen aller EU-Staaten gemeinsam betrugen 4,2 Gigatonnen, die der USA  5 Gigatonnen pro Jahr, die von China knapp mehr als 9 Gigatonnen.
Quelle: David Wallace-Wells, "Die unbewohnbare Erde - Leben nach der Erderwärmung, Ludwig, 2019. 

Gerald Grosz, ganz bestimmt Gerald Grosz, den irrsten Verbalakrobaten der Gegenwart. Weil irgendwann muss es auch dem Fellner zu deppert werden. Apropos, Hat jemand eine Ahnung, wie Gerald Grosz so in der Schule war und ob er eine permanente Turnbefreiung hatte und ob er tatsächlich beim Kicken immer als Letzter gewählt wurde? 
 

Die Mutter ist verschwunden. Eingeliefert, manisch-depressiv, krank. Die beiden Töchter, zehn und zwölf, wissen bereits, wie man sie reanimiert, sie wissen, dass die Feuerwehrleute helfen, wenn die Mutter wieder einmal ohnmächtig am Boden liegt, gerne nackt, aber noch nie hat sie sie allein gelassen. Violaine Huisman erzählt in ihrem Debütroman die Geschichte ihrer Mutter, ihrer Krankheit und ihres Selbstmords. Vor allem aber erzählt sie, wie allumfassend die Liebe eines Kindes ist, wie relativ es ist, was als normal gilt, und wie auch das liberale Paris der Intellektuellen zwanghaft gewissen Erwartungen nachhängt. Manchmal droht Emo-Kitsch, wozu sicher auch das nicht übersetzte, oft wiederholte „Maman“ beiträgt. Aber die Lebensläufe der so verschiedenen Familien, die gesellschaftlichen Strömungen der 70er-Jahre und die rastlosen Persönlichkeitsstrukturen sind so schlau verwebt, dass man darüber hinwegliest. Und ziemlich sicher hat noch niemand so schnörkellos über Sex geschrieben, speziell: über den Sex der Eltern.

Violaine Huisman, „Die Entflohene“, S. Fischer, 22 Euro.
Dienstag wird ein guter Tag, falls man JVP Sympathisant ist (und wer ist das nicht?). Ab 11 Uhr vormittags kann man sich bei "Pimp up your Tracht" in der Zentrale der Wiener Volkspartei die Tracht pimpen lassen, der Neustifter Kirtag ist schließlich nicht mehr weit. An den Nähmaschinen sitzen dabei die ÖVP-Nationalratsabgeordnete Maria Smodics-Neumann und Währings own Nina Kainz von Ninas Needles. Anschließend gehts dann gleich weiter zur Fête Türkis am Fischerstrand an der Alten Donau im 22. Dresscode dort ist Türkis, Segelschuhe sind nicht verpflichtend aber eigentlich schon gern gesehen, vor allem wenn man weiter kommen will. Ob Sebastian kommt ist nicht bekannt, der Blümelator ist aber sicher vor Ort, und das ist eh fast noch wichtiger. 
Dienstag, 13.08., Pimp up your Tracht, 11:00 - 17:00 Uhr, Lichtenfelsgasse 7, 1010 Wien, Fete Türkis 19:30 Uhr - open end, Segelstrand, 1220 Wien
Montag, 14 Uhr, Straßenbahnlinie 18, irgendwo zwischen Matzleinsdorferplatz und Baumgasse, 4er-Sessel: Zwei junge Erwachsene, Ende 20, sitzen sich gegenüber. Einer der beiden blättert in einer Gratis-Zeitung, sagt: "Also irgendwie interessiert mich das schon, also die Politik." Da dreht der andere seinen Kopf vom Fenster gelangweilt zur Mitte und antwortet: "Ja, mich scherts auch überhaupt nicht mehr."
Sich selbst reinigende Handys, sich selbst aufladende Handys und Handys, die sich selbst ausschalten, bevor man einen Blödsinn auf Facebook schreibt, also immer nach 20 Uhr (Auge Heinz Christian Strache). 

,Die großartige Vorwärts aus Steyr hat am Freitag Abend ihr erstes Heimspiel verloren, Nulleins gegen Linz, es war eine dieser komischen Nullnull-Partien, in der du in der 86sten Minute doch noch das Gegentor bekommst, weil du leichtfertigerweise nach vorne spielst und dann einen depperten Konter fängst, weil keine Zuordnung mehr da ist, und die Verteidigung irgendwo ist, nur nicht in der Verteidigung, aber egal, drei Runden, drei Punkte, wir brauchen immer noch 32, das schaffen wir, nächste Woche kommt der FC Pacult aus Floridsdorf, die sind heuer nicht schlecht aber das ist eh niemand außer Rapid, und Goran Djuricin, der jetzt bei Linz vor der Bank steht, könnte diese Rapid immer noch problemlos trainieren, er würde in keiner Richtung abweichen.

Wir lernen: Wirklich frei sind wir erst, wenn aus demr Vorwärts-Strafraum eine Members Only Zone wird in der keine Linz-Stürmer mehr Zugang haben und auch sonst niemand, den unser Kapitän dort nicht haben will.

Eine schöne Woche. Cheers!
Markus Huber and the Fleisch Collaboration
 
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