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Foto: Neos

 

„Macht sonst keiner“ - Neos

Wir leben in einer Welt des Individualismus. Jeder hält sich für etwas Besonderes, jeder glaubt, er wäre einzigartig, und genau so konsumieren wir auch. Die einen gönnen sich deswegen ein altes Saab Cabrio, die anderen eine Partei oder zwei (die Novomatic?). Wir urlauben dort, wo außer uns keine Touristen sind, wir kaufen in Popup-Stores, und im Restaurant essen wir am liebsten das, was nicht auf der Karte steht. Es geht um die Exklusivität, um die Sonderbehandlung: Wer genug Kleingeld hat, der kann das über das Trinkgeld lösen (Stefan Pierer, Klaus Ortner, Heidi "geh packens mir den netten jungen Mann ein, und den KAC nehm ich auch gleich mit" Horten), alle anderen müssen so lange suchen, bis sie endlich einen Geheimtipp für ihre Preisklasse gefunden haben.

Die Neos vielleicht? „Macht sonst keiner“, damit wirbt der politische Arm der Popup-Stores jetzt, und das soll wohl heißen: Nehmt uns, denn das macht sonst keiner. Hans Peter Haselsteiners Buchhalter würde zwar aufs vehementeste widersprechen, und wenn man die Umfragen heranzieht, dann stimmt es auch inhaltlich nicht ganz (es geht um Neos, nicht um die Liste Pilz oder die Christen). Aber eine Partei im Wahlkampf als Geheimtipp zu positionieren, das hat schon was, das gab es noch nie. Wir sind super, aber erzähl es keinem weiter? Bei uns wirst du dich wohl fühlen, wir sind ein Familienbetrieb, haben Langschläfer-Frühstück, kuschelige Bademäntel und die Chefin schreibt ihre Reden nach Rezepten ihrer Oma selbst, aber wir hängen das echt nicht an die große Glocke. Nein, danke, bitte keine Bewertungen im Internet, aber nehmen sie doch noch ein Glas Marmelade mit, selbstgemacht! 

Auch programmatisch ist das sehr interessant. Die Neos machen das, was sonst keiner macht, in der Vergangenheit haben sie ja schon ein paar Mal eindrucksvoll bewiesen, was sie damit meinen (EU-Armee, Wasserprivatisierung, Matthias Strolz). Und es lässt auch noch sehr viel Spielraum für die Zukunft ("Daily-Brandi, die TV Show", eine Vorarlberger-Quote im Parlament, ein Yoga-Buch vom Matthias Strolz!). Angeblich soll es aber auch Dinge geben, die bisher aus gutem Grund noch keiner gemacht hat: Weil sie absoluter Blödsinn wären. 

Sebastian Kurz, der charismatischste Bundeskanzler seit Christian Kern, ist dieser Tage unterwegs auf Österreich-Tournee, die Tour heißt "Kurz im Gespräch", wobei sie eher "Selfies mit Sebastian" heißen sollte. Am vergangenen Freitag Vormittag war er dabei in Schiedlberg in Oberösterreich, 1200 Einwohner, 900 Zuhörer. Die ÖVP ließ sich nicht lumpen und gab allen Gästen gratis Würstl aus. Das Bier kostete aber. Eine weise Entscheidung. 

An seiner tiefsten Stelle ist der Wörthersee 85 Meter tief, aber so weit runter musste der Apotheker aus Velden gar nicht gehen, um etwas ziemlich Interessantes zu entdecken: Steinhaufen nämlich. Sechs seltsame, kreisförmige Steinhügel wurden mittlerweile gefunden, sie haben einen Durchmesser von 15 bis 30 Meter und liegen gerade einmal ein bis zwei Meter unter der Wasseroberfläche. Die Archäologie ist eingeschaltet. Zwischen den Überresten von Frachtschiffen über Fischereihilfen aus dem Mittelalter bis hin zu einem Kärntner Stone Henge ist alles drin, schreibt die Kleine Zeitung. Vielleicht war aber auch einfach nur Frau Horten fad und sie hat ein überdimensionales Stein-Mandala anlegen lassen. 

Die UNO sagt, dass elf Städten bis 2030 das Wasser ausgehen könnte, und Mexiko City ist eine davon. In weiten Teilen – ja, in den ärmeren – gibt es seit Jahren nur drei Stunden am Tag Wasser, in einigen sogar nur ein paar Mal die Woche. Die Stadt liegt bekanntlich nicht in der Wüste, sondern auf 2.300 Meter Seehöhe. Wie gibts das dann? Die irre Verbauung verhindert, dass das Regenwasser in den Boden gelangt, anders gesammelt wird es auch nicht wirklich und rund 40 Prozent des Wassers geht dann auch noch im komplett kaputten Rohrsystem verloren. Der Klimawandel gibt der Stadt mit rund 21 Millionen Einwohnern jetzt noch den Rest: Das Grundwasser sinkt immer tiefer – und mit ihm die Stadt. Sie knickt einfach ein.

Quelle: World Ressource Institute, 2019; New York Times, 2017.
 

Grund 45: Man kann ohne schlechtes Gewissen Fellner-TV schauen.

Fellner TV schaut man ja eher selten, außer man ist Wolfgang Fellner oder der Ehemann von Gerald Grosz. Und wenn man doch Fellner TV schaut, dann achtet man darauf, dass man sich dabei nicht erwischen lässt, vom Sozialprestige her ist Fellner TV-Schauen nämlich ungefähr auf einer Stufe mit Nasenbohren-und-den-Rammel-dann-essen. Wer Fellner TV schaut, der hat einfach zu viel Tagesfreizeit, eigentlich könnte er gleich zugeben, dass er das erste Vierterl noch am Vormittag ext und das Haus am liebsten gar nicht verlässt, außer, wenn das Internet ausgefallen oder die Kreditkarte so überzogen ist, dass der Mjam-Bote nichts mehr bringt. 

Und doch gibt es Ausnahmen: Immer, wenn die Politik ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt, darf man fernsehen, unironisch, und ohne jegliche Form des schlechten Gewissens. Wer in Zeiten politischer Instabilität vor dem Fernseher sitzt, der ist dann eben genau das Gegenteil des von der Welt abgewandten Eigenbrötlers. In Zeiten politischer Instabilität beweist man so, dass man sich für seine Umwelt interessiert, mit beiden Beinen mitten im Leben steht und sich um die Allgemeinheit kümmert. Man ist dann kein abgestumpfter Couch-Potato mehr, sondern ein aktiver Mensch. Aber selbst wenn der ORF an Wahltagen stundenlang sendet: irgendwann ist im echten Fernsehen Schluss. Irgendwann haben die Filzmaiers und Armin Wolfs alles gesagt, sogar Martin Thür war dann schon dran und Ingrid Thurnher hat auf ORF 3 auch die Analyse des jüngsten Bezirksblatt-Redakteurs bereits gesendet.Wenn es soweit ist, bleibt einem nur noch Fellner.

Denn der sendet immer. Und wenn niemand mehr etwas zu sagen hat, dann kann er sich immer noch selbst interviewen.
 

Dieser Text ist ein Auszug aus der nächsten Ausgabe von Fleisch. Das Heft mit dem Titel "66 Gründe, warum Politik trotzdem super ist" erscheint am 16. September im gut sortierten Zeitschriftenhandel. oder unter redaktion@fleischmagazin.at

Thomas Pletzinger kann Basketball spielen, er war mal drauf und dran, selbst Profi zu werden, vor allem aber kann Thomas Pletzinger schreiben. Elegant und schnörkellos, immer nah dran, ohne den Überblick zu verlieren, und lustig, ohne irgendwas zu verkaspern sowieso. Man muss sich also weder für Basketball interessieren, noch für Dirk Nowitzki, der 21 Jahre lang bei den Dallas Mavericks in der NBA spielte und dem Sport ein völlig neues Gesicht gab, um The Great Nowitzki zu lesen. (Aber dann ist’s natürlich besonders geil).

Thomas Pletzinger, „The Great Nowitzky“, Kiepenheuer & Witsch 2019, 26,80 Euro.
Der öffentliche Raum gehört uns allen, und deshalb nützen wir ihn. Sagen die Grünen Wien. Und wie am besten? Mit Yoga, klar! Seit Mitte Juli treffen sich die Wiener Grünen immer Samstag Vormittag im Esterhazy-Park im sechsten Bezirk und turnen. Yoga ist gratis, das vegetarische Essen hintennach nicht ganz. Nächsten Samstag ist übrigens der Spitzenkandidat der Grünen in Wien dabei. Das Meet and Greet mit ihm ist dann wieder gratis. 

Yoga im Park mit Veggie-Brunch und Spitzenkandidat Lukas Hammer, Samstag, 31. August, Esterhazy-Park 1060, 10-13 Uhr. 
 
Was würde passieren, wenn man das, was man in den gerade sehr modernen eineinhalb Stunden Achtsamkeitstraining an Achtsamkeit übt, gleichmäßig auf die 16 Stunden verteilt, die man so wach ist?

 

„Also dass die diese Riesenbaustelle genau über die Sommermonate haben, wenn die ganzen Touristen da sind und sich Gruppe um Gruppe durch die schmalen Wege durchschieben müssen, kann man nicht verstehen. Warum bauen die nicht im Winter um?“ fragt die schwitzende norddeutsche Touristin die Freundin, mit der sie sich direkt hinter dem Tour-Guide mit dem pinken Regenschirm in der Großgruppe die Rotenturmstraße hinunterschiebt. Tja, warum wohl?
Eine Laudatio von Michael Fleischhacker auf Armin Wolf, einen offenen Brief von Armin Wolf an Michael Fleischhacker, und Rainer Nowak, der die beiden anruft (Spoiler: keiner hebt ab). 


 

Die großartige Vorwärts aus Steyr hat am Freitag Viereins gegen Horn gewonnen, auswärts, und das, obwohl Carsten Jancker dort gar nicht mehr Trainer ist, Bi-Ba-Ku hat nicht von Anfang an gespielt, aber als er dann in der zweiten Halbzeit kam, hat er zwar nicht getroffen aber soviel Schwung gebracht, dass Horn die Treffer drei und vier bekommen hat, und dann hat er eine rote Karte bekommen, die eine Sauerei war, jedenfalls fünf Runden, fünfter Platz in der Tabelle, neun Punkte, soviel hatte Vorwärts im Vorjahr nach elf Runden, heuer steigen wir nicht ab. 

Wir lernen: Wenn Bibaku nicht trifft, dann macht das wer anderer. 

Eine schöne Woche. Cheers!
Markus Huber and the Fleisch Collaboration
 
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