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Die Entscheidung ist gefallen

 

Das sind die Gewinner*innen der 13. Ausgabe des
KFFK / Kurzfilmfestival Köln


Fünf intensive Tage Kurzfilmfestival Köln gehen zu Ende. Doch dieses Ende ist zugleich Höhepunkt - zumindest für die Gewinner*innen der Preise. Am Sonntag Abend wurden im Rahmen der Preisverleihung im Filmforum NRW sieben davon vergeben: Drei Jury-Preise und ein Publikumspreis im Deutschen Wettbewerb, ein Publikumspreis im Kölner Fenster, ein WDR-Preis und einer für die beste Arbeit in der Sektion Virtual Reality.
Jury-Preise im Deutschen Wettbewerb 
Der 1. Preis des KFFK N°13 geht an: Steckbrief Natur - Folge 1 - Der Waldkauz von Aleksander Radan. Damit begründet die Jury ihre Entscheidung:

Das Lauern des Fuchses hat sich gelohnt.

Eine betuliche Erzählerstimme nimmt uns als Publikum mit auf eine Insel, auf der ein Überlebenskampf gefiederter und bepelzter Tiere tobt. 

Niedlich ist der Bär nur, wenn man kein Hase ist. Ein Suchen, Zoomen und Scharfstellen lässt die digital animierten Bilder den opulenten Landschaftsaufnahmen ähneln, die wir aus Tierfilmen gewohnt sind. 

Doch statt eines Erklärbären gibt es hier pointierten Humor in der Erzählung, statt glatter Natur sprießt Absurdität und Kreativität aus den Bildern. Die paradiesische Insel ist frei von lebenden Menschen, doch deren Spuren in der Landschaft sind Zentren der Handlung. Im Schlemmerparadies des Waldkauzes wartet schon sein jähes Ende.

Die flirrenden Bilder des Films entfalten eine fiktive Welt, in der der Kreislauf der Natur immer neue Volten schlägt. Zwischen digitalen Räumen und dem begleitenden Kommentartext entwickelt sich ein Spiel der Assoziationen. Inmitten der Heiterkeit klingen Abgründe an. In einer wimmelnden Masse stellt sich das Rotwild dem Fortschritt der Wissenschaft entgegen.

Für seine humorvolle, politische und virtuose Verknüpfung digitaler Animation mit dem Genres des Naturdokumentarfilms zeichnen wir Aleksander Radans Film "Steckbrief Natur - Folge 1 - Der Waldkauz" mit dem 1. Jurypreis des Kurzfilmfestivals Köln aus. 

Der 2. Jurypreis des Kurzfilmfestival Köln geht an den Film mit dem smarten und poetischem Titel: "SHOOTING STARS“ von Magda Jaroszewicz.

Der Blick aus dem Fenster - fast schon ein Topos der Filmgeschichte – ein unbeteiligter, voyeuristischer und doch angreifbarer Moment. 

In dieser Arbeit eröffnet dieser Blick ein Schauspiel von Männlichkeitsritualen, wo Männern zu Kindern werden, als würden sie ein gut geplantes und getimtes Räuber & Gendarm Spiel inszenieren. Nach kurzer Irritation ob wir hier einer Revolution oder einer Feier beiwohnen ist klar: Hier, in diesem Berliner Kiez wird die Vorstellung Mann mit Feuerwerkskanone gegeben.

Wer gewinnt? Auf jeden Fall die Coolness mit der die Handlungen ausgetragen werden. 

Eine zentrale Qualität des Films ist der Umgang mit dem Sound: Der ohrenbetäubende Lärm den man sich erwarten würde bleibt aus – und statt dessen wird aus dem bedrohlich feuerspuckenden Vulkan eine kleine Wunderkerze. Außerdem sind kleine, scheinbar unwichtige Sounds zu hören – wie das wiederholte Anzünden des Feuerzeuges: Wir sind mittendrin und grenzen werden ausgestestet und verwischt. Auch dann, wenn die Parade der Gesetzeshüter einmarschiert und zur obligatorischen Marschmusik ihre Formationen performt.

Wir freuen uns sehr, "Panda Moonwalk oder why Meng Meng walks backwards" von Kerstin Honeit  mit dem 3. Jurypreis des Kurzfilmfestival Köln auszuzeichnen.

Was tun, wenn die tierische Investition nicht tut, was sie soll? Das Medienspektakel um eine Pandalady in Gefangenschaft ist Ausgangspunkt einer vielschichtigen, spielerischen Reflexion. Weil nicht sein darf, was nicht sein soll, erfinden die Verantwortlichen und Beobachter_innen Erklärungen für das Verhalten der Bärin im Berliner Zoo, in denen vor allem die Ressentiments der Erklärenden sichtbar werden. Gegenüber einer Bärin zeigen sich Vorurteile, Sexismen und Rassismen ganz ungehemmt.

Die Arbeit zwischen Film und Kunst im öffentlichen Raum kombiniert Elemente des Found-Footage-Films, der Reportage und des Musikvideos mit fulminanten queeren Reenactments von Interviewpassagen mit Passant_innen vor dem Berliner Zoo zu einer Gegenerzählung. Meng Mengs Rückwärtsgehen wird zum Akt der Rebellion.

Der Film macht vielfältige Bezüge auf: von der chinesischen Pandadiplomatie über die Tierhaltung in Zoos bis zu den Mechanismen medialer Spektakel. Ein spielerisch tanzendes Gruppenreenactment schlägt Verbindungen zur Medialisierung von Gefängnissen. Bei alledem bleibt "Panda Moonwalk" ein visuell mitreißender,politischer und  humorvoller Experimentalfilm. 

Lobende Erwähnung

Für seinen Film HÖRST DU, MUTTER? möchte die Jury Tuna Kaptan mit einer lobenden Erwähnung auszeichnen.

Der rote Faden spannt sich und markiert so die unsichtbare Grenze. Diese Grenze ist sonst nur durch ein akustisches Signal – den Alarm der Fußfessel – wahrzunehmen. Eine Mutter und ein Sohn in einer abgelegenen Gegend spielen ein Spiel der Grenzen, der Beherrschung, des Respekts und des Absurden, eingesperrt im eigenen Haus.

Das hervorragende Schauspiel der beiden HauptdarstellerInnen lässt uns nie ganz sicher sein, wer denn nun hier wen kontrolliert und bewusst oder unbewusst handelt. 

Der Regisseur arbeitet gekonnt mit dem Einsatz von Gesten und Blicken und braucht nicht viele Worte. Die Kameraarbeit ist dabei nie prätentiös und die Bilder spielen bewusst und eindrucksvoll mit dem Einsatz von Licht und Schatten, Helligkeit und Dunkelheit. Der Film thematisiert die Schikanen eines autoritären Regimes, das sich durch Angst vor der eigenen Bevölkerung auszeichnet – und mit derselben Angst versucht seine Bevölkerung unter Kontrolle zu halten. Wo banale Handlungen zu Verbrechen stilisiert werden.

Der WDR-Preis
Aus den Filmen des Deutschen Wettbewerb und dem Kölner Fenster hat der WDR sich für UMBRA von Florian Fischer und Johannes Krell entschieden.

Eindringlich verdeutlichen die Filmemacher die Verbindung der äußeren Welt der Naturerfahrung mit der inneren Welt des Erlebens. Johannes Krell und Florian Fischer dokumentieren filmisch seltene und offenbar über lange Zeit entstandene Aufnahmen optischer Erscheinungen in der Natur, wie den Lochblendeneffekt während einer Sonnenfinsternis. Es gelingt etwas Ungewöhnliches: die Naturerfahrung verbindet sich unmittelbar mit dem Bewusstseinsstrom der Betrachter*in. Dies gelingt über zwanzig Minuten in nur wenigen Einstellungen insbesondere durch ein herausragendes Sounddesign.

Die Jury möchte darüber hinaus einen weiteren Film lobend erwähnen: "Steckbrief Natur – Folge 1 – Der Waldkauz“ von Aleksandar Radan. Der Film spielt überraschend und unterhaltsam mit den Konventionen des Naturfilms.
Der Publikumspreis im Deutschen Wettbewerb
Der Publikumspreis im Deutschen Wettbewerb geht an den persönlichen Dokumentarfilm The Transfiguration von Stefan Ganoff.

Der Preis wird gestiftet von choices und ist dotiert mit 500 Euro.
Die Publikumspreise im Kölner Fenster
Der diesjährige Publikumspreis im Kölner Fenster geht an den Dokumentarfilm Faxen von Lisa Domin.

Als Preis stiftet Finder TV eine Technikbeistellung im Wert von TV 1.500 Euro.
Virtual Reality Wettbewerb

In der Sektion Virtual Reality entschied sich die Jury um für den Film "Maniac VR" von Kalina Bertin.

Als Preis erhalten sie 500 Euro, gestiftet von btf - Bild- und Tonfabrik. Ausgewählt wurde der Film von den Jurymitgliedern Dmitry Kuznetsov und Nieves de la Fuente Gutiérrez.

The short film that we have decided to be the winner of the VR section this year is Kalina Bertin’s Manic VR. It stands out among the others for utilizing the specific characteristics of the virtual reality as a medium on a visual and auditory level. Its poetic language that accompanies its documentary character offers a different insight into a bipolar disorder condition. Taking us through different realistic and imaginary environments it explores the emotional states of an individual with this mental health condition.

Die Preisträger*innen und Jurybegründungen finden Sie auch auf unserer Website.
Wir gratulieren den Gewinner*innen und bedanken uns ganz herzlich bei allen Filmemacher*innen und Besucher*innen für das große Interesse, die spannenden Diskussionen und inspirierenden Begegnungen. Es war uns ein Fest und wir freuen uns bereits jetzt auf das nächste Jahr. Bis dahin erwartet Sie eine Reihe an Veranstaltungen, über die wir Sie über diesen Newsletter benachrichtigen werden.

Herzliche Grüße,

Johannes Duncker, Festivalleiter
& das Festivalteam
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